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Stuttgarter Projekt gewinnt KfW Award in der Kategorie Bestandsbau

Bereits zum 18. Mal sind beim KfW Award Bauen 2020 Bauherren oder Baugemeinschaften ausgezeichnet worden, die in den vergangenen fünf Jahren ein Projekt verwirklicht haben. Der Preis wird in den Kategorien Bestandsbau und Neubau vergeben.

KfW Award Bauen Stuttgart 1
Das Doppelhaus in Stuttgart der Familien Frey und Roth wurde mit dem ersten Preis des KfW Award Bauen 2020 in der Kategorie Bestandsbau ausgezeichnet. Der große Garten bietet viel Raum zum Spielen für die Kinder. (Alle Abb.: KfW-Bildarchiv / Claus Morgenstern)

Unter Vorsitz des Architekten Prof. Hans Kollhoff bewertete die Jury die Vorhaben hinsichtlich ihrer Balance aus Architektur und Erscheinungsbild, guter Integration in das bauliche Umfeld, Energie- und Kosteneffizienz, zukunftsorientierter und nachhaltiger Bauweise, optimaler Raum- und Flächennutzung sowie auch individueller Wohnlichkeit. Sie prämierte sieben Objekte mit einem Preisgeld von insgesamt 35.000 EUR. Die Preisträger erreichen vielfach die Standards der KfW-Energieeffizienzhäuser und bauen Barrieren für ein altersgerechtes Wohnen ab.

KfW Award Bauen Stuttgart 2
Die Küche und der Essbereich des Doppelhauses sind offen und hell.

Den ersten Preis in der Kategorie Bestandsbau (dotiert mit 7.000 EUR) heimsten die befreundeten Familien Frey und Roth ein, die auf einem ehemaligen Weinberg in Stuttgart ein 92 Jahre altes Haus kernsaniert und in zwei offene Haushälften mit Garten umgebaut haben. Beide Familien achteten besonders darauf, ressourcenschonend zu bauen und natürliche Materialien zu verwenden. Zudem haben sie im Garten des Eigenheims einen alten Weinberg mit Mauern und Treppen freilegen können und ihn wiederbelebt.

KfW Award Bauen Gräfentonna 1
Ein Paar aus München rettete einen alten Bahnhof in Thüringen und richtete ihn historisch stimmig ein – und landete so auf Platz in der Kategorie Bestandsbau. Die Züge fahren immer noch im Zwei-Stunden-Takt, doch von der Station trennte sich die Bahn gern. Schließlich kommt sie hier ohne Personal und Stellwerk aus.

Der ehemalige Bahnhof in Gräfentonna, nordwestlich von Erfurt, ist bereits 130 Jahre alt und stand 20 davon leer. Gunter Ehe und seine Lebensgefährtin Karsta Schütte revitalisierten den alten Landbahnhof und setzten dabei auf Originalität, Industriebau-Optik und Liebe zum Detail. Die Inneneinrichtung hebt sich besonders durch Möbel, Gegenstände und Dekorationen aus originaler Bahnhofsausstattung ab, die das Paar eigenständig beschafft und restauriert hat. Dafür gab es den zweiten mit 6000,- Euro dotierten Preis.

Den dritten Preis (dotiert mit 3000,- Euro) ergatterte die Modernisierung einer 122 Jahre alten Solinger Cartonnagenfabrik. Hier entstanden Loftwohnungen, in denen der Industriecharakter durch den Erhalt des Mauerwerks, von Decken, Stützen und alten Trägern bewahrt blieb. Im ostwestfälischen Lage restaurierte das Ehepaar Patrizia und Jochen Ferrara eine verlassene Hofstelle am Rande des Teutoburger Waldes und landeten so auf dem mit 2000,- Euro dotierten vierten Rang. Der fast 400 Jahre alte Hof zeichnet sich durch eine idyllische Lage mitten im Landschaftsschutzgebiet und ein denkmalgeschütztes Gefüge aus. Das Ehepaar legte besonderen Wert auf eine energiesparende und nachhaltige Bauweise. Sie setzten auf Eichenholz, eine Holz-Pelletheizung mit Solarunterstützung und eine hauseigene Kläranlage.

KfW Award Bauen Gräfentonna 2
Wartesaal, Schalterraum, Stellwerk und Güterschuppen des Bahnhofs in Gräfentonna sind zu einer großzügigen Wohnlandschaft im alten Stil verbunden worden, die technisch auf dem neuesten Stand ist.

„Jahreszeitenhaus“ erhält Sonderpreis
In der historischen Altstadt von Werder, am Hang über der Havel, schufen die Architekten Jurek Brüggen und Sebastian Sailer ein modernes „Jahreszeitenhaus“, das im Sommer und im Winter unterschiedliche Wohnmöglichkeiten bietet. Charakteristisch ist hier das harmonische Zusammenspiel von Wohnhaus, Landschaft und benachbarten Gebäuden aus, das dem Haus schließlich einen mit 5000,- Euro dotierten Sonderpreis einbrachte.

In der Kategorie Neubau wurde der von den Architekten Oliver Otte, Jan Pietje Witt und Tobias Reinhardt konzipierte Hamburger Neubau „Stadtfinken“ mit dem ersten Preis und 7000,- Euro prämiert und zwei neue Häuser in Holzbauweise in Schleching im Chiemgau mit dem zweiten Preis und 5000,- Euro.

Die Preisverleihung kann in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt in der KfW-Niederlassung Berlin stattfinden. Die Preisträger werden anstatt dessen im KfW-Magazin bauen+wohnen, auf der Onlineplattform KfW Stories sowie in einer Sendung des TV-Senders n-tv vorgestellt (Sendetermin Dienstag, 14.7. um 18:35 Uhr und Mittwoch, 15.7. um 15:15 Uhr).

Die prämierten Projekte haben Vorbildcharakter
Dr. Ingrid Hengster, Mitglied des Vorstandes der KfW Bankengruppe, erklärte, warum die KfW den Preis ausgelobt hat, in einer Pressemitteilung der KfW: „Als einer der größten Förderer von privatem Wohneigentum in Deutschland unterstützt die KfW Menschen, die vorausschauen – und beim Hausbau etwa an den Klimaschutz denken. Die Bauherren schließen sich zu Gemeinschaften zusammen, retten Historisches vor dem Verfall, funktionieren Bauten in energieeffiziente Gebäude um und steigern die Lebensqualität unserer Städte und Dörfer. Das macht uns allen Mut. Deshalb würdigen wir jedes Jahr einzigartige Projekte mit dem KfW Award Bauen.“

Als Vertreterin des Schirmherrn, des Bundesministers des Innern, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, betonte Staatssekretärin Anne Katrin Bohle, dass beim KfW Award Bauen Projekte ausgezeichnet würden, die als Vorbilder dienen könnten: „Bezahlbaren Wohnraum schaffen, dabei Nachhaltigkeit und Resilienz beachten, die Klimaziele nicht außer Acht lassen und an Dinge wie Barrierefreiheit zu denken – für viele Bauherren sind das große Herausforderungen. Beim KfW Award Bauen zeichnen wir Bauherren aus, die innovative Ideen haben und. Ihr Engagement zahlt sich aus – denn die Projekte regen andere zum Nachahmen an.“