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Studie: Rechnet sich Dämmung?

Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW) in München hat eine von der Fachvereinigung Extruderschaum e.V. (FPX) in Auftrag gegebene Studie vorgelegt, die sich mit der Amortisation von Wärmedämmung beschäftigt. Die Münchener Experten kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Dämmung eines vor 1977 erbauten Hauses sehr viel schneller rentiert, als oft angenommen.

FIW Wärmedämmung
Nach einer Studie des Forschungsinstituts für Wärmeschutz (FIW) in München amortisieren sich Wärmedämmungen schneller, als bis dato angenommen. (Abb.: Tim Reckmann / pixelio.de)

In den letzten Jahren gab es immer wieder die Diskussion, ob und wann sich eine Wärmedämmung angesichts der dafür notwendigen Investitionen überhaupt lohnt. Gelegentlich war die Rede von einem Zeitraum von 20 bis 40 Jahren, bis sich eine Wärmedämmung amortisiert habe. Die Studie des FIW hat sich nun detailliert mit dem Thema beschäftigt. Der Auftraggeber, die FPX, ist die zentrale Beratungsinstanz und Interessenvertretung für den Spezialdämmstoff XPS. Sie setzt sich gegenüber Politik, Medien und Öffentlichkeit für die Förderung energieeffizienten Dämmens ein.

Es kommt immer darauf an, so das FIW, entscheidend seien Bauweise und Lebensdauer. Nach Angaben des FIW wurden die für eine Wirtschaftlichkeitsberechnung verwendeten Rahmenbedingungen – etwa die Dauer der Finanzierung der Wärmedämmung – bisher oft so unterschiedlich gewählt, dass eine eindeutige Aussage zur Amortisation gar nicht möglich war.

Dämmung von Keller und Dach lohnen sich besonders
Das Forschungsinstitut hat deshalb in der Studie Extremwerte herausgefiltert und versucht, aus den Daten plausible und nachvollziehbare Ergebnisse zu ermitteln. Und die Resultate deuten auf eine wesentlich kürzere Amortisationsdauer, als bisher angenommen: Die komplette Wärmedämmung eines vor 1977 erbauten Hauses rechne sich nach etwa vier bis zehn Jahren, so das FIW, die Dämmung einer Kellerdecke nach sechs bis acht Jahren, eine Steildachdämmung nach sechs bis 16 Jahren, die Dämmung einer nicht begehbaren obersten Geschossdecke sogar schon nach zwei bis fünf Jahren und eine Flachdachdämmung nach fünf bis 13 Jahren.

Dabei spiele das Dämmmaterial an sich erstmal eine untergeordnete Rolle: Ob geschäumte Dämmstoffe, solche aus künstlichen mineralischen Fasern oder auf der Basis von Holz, nach den Berechnungen des FIW bleibt die Amortisationszeit bei allen Material vergleichbar. Grund sei der maßgebliche Einfluss der Nutzungszeit.

Die Bauweise hingegen macht bei der Amortisation einen erheblichen Unterschied. Ein als Umkehrdach ausgeführtes Flachdach, verdoppelt die Lebensdauer des Daches auf circa 40 Jahre. Diese enorme Ersparnis an Instandhaltungs- und Sanierungskosten sei bei der Berechnung der Amortisationszeit noch gar nicht eingerechnet worden. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung von Amortisationszeiten spiele außerdem eine Rolle, ob Dach oder Fassade ohnehin erneuert werden sollten. Die Gerüstkosten fallen in dem Fall nur einmal an und die Amortisationszeiten verkürzen sich.

Besonders effektiv sind Dach und Kellerdämmungen. Hier geht die meiste Wärme verloren. Bei einem Neubau sollten daher von vorn herein Wert auf eine gute Dämmung von Bodenplatte und Kelleraußenwänden gelegt werden. Wichtig ist geraden in diesen Bereichen, die geeigneten Dämmstoffe auszuwählen. Denn längst nicht jedes Dämmmaterial ist für jeden Zweck geeignet und zugelassen.

Das Steildach zum Beispiel kann mit Mineralwolle gedämmt werden, wenn eine durch die Dachhaut geschützte Zwischensparrendämmung favorisiert wird. Für eine wärmebrückenoptimierte Aufsparrendämmung eignet sich hingegen Hartschaum. Bei einem Flachdach wiederum setzt sich immer mehr das Umkehrdach durch, da es die Lebensdauer des Daches verlängert und auch sonst eine Reihe von Vorteilen mit sich bringt. Im Gegensatz zur althergebrachten Bauweise liegt beim Umkehrdachaufbau die Dämmung auf der Dachhaut und nicht darunter. Das Dämmmaterial muss daher fortwährend den hohen Anforderungen an Druckfestigkeit und Feuchteunempfindlichkeit gerecht werden. So darf in diesem Bereich nur genormtes und zugelassenes Material verwendet werden, wie Glasschaum oder Extruderschaum (XPS).

Spielraum hingegen bietet die Fassade. Da ist von der preiswertesten Variante Styropor bis hin zu Naturdämmstoffen vieles möglich. Eine Fassadendämmung mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) eignet sich besonders zur Dämmung von Putzfassaden. Die Fassadendämmung mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) ermöglicht hohe Dämmstärken, ist sehr langlebig und nahezu wartungsfrei. Bei zweischaligem Wandaufbau kann der vorhandene Luftzwischenraum für die nachträgliche Dämmung in Form einer Kerndämmung (zum Beispiel mit Glaswolle oder XPS) genutzt werden.

Wärmedämmung und Heizung sollten aufeinander abgestimmt werden
Eine moderne Wärmedämmung kann die Wärmeverluste eines Hauses maßgeblich reduzieren. „Der Effekt ist allerdings noch größer, wenn die Heizung auf die effektive Wärmedämmung eingestellt wird“, betont Norbert Buddendick, Geschäftsführer der der Fachvereinigung Extruderschaum e.V. (FPX). In einem Neubau sollte daher, so Buddendick, die oberste Maxime die Energieeffizienz sein und damit die Reihenfolge gelten: Erst die Dämmung planen, dann die Heizung. Konkret empfehle es sich folglich, die in einem ersten Planungsschritt geplante Dämmung mit einer darauf abgestimmten, effizienten Heizung zu verbinden.

Geht es in einem weiteren Schritt um die Berechnung der Gesamtkosten, so das FIW, müsse die staatliche Förderung eingerechnet werden. Zuschüsse, Förderkredite oder steuerliche Förderung schmälern den Eigenanteil der Investition und geben mehr Spielraum für Investitionen in höherwertigere und damit auch effizientere Maßnahmen. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der FPX und der des FIW.

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