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Staub auf Baustellen: vermeiden ist Pflicht!

Bei Abbrüchen, Sanierungen oder Entkernungen lässt sich Staub nicht immer völlig vermeiden. Oft wird aber zu wenig getan, um seine Entstehung oder seine Ausbreitung auch über die Baustelle hinaus zu minimieren. Dabei ist es Pflicht, Emissionen schon während der Entstehung zu verhindern oder zu reduzieren. Insbesondere, da der Grenzwert für alveolengängige Stäube erneut herabgesetzt wurde.

Staub bei Abbrucharbeiten
Vor umfangreichen Bau- oder Abrissarbeiten muss ein Konzept für den Umgang mit möglichen Emissionen erstellt werden. (Abb.: Stephan Johannsen)

In erster Linie trägt der Bauherr als Betreiber der Baustelle die Verantwortung über Staubemissionen, die von laufenden Bauarbeiten ausgehen. Er muss noch während die Arbeiten durchgeführt werden geeignete Maßnahmen der Staubvermeidung oder -reduzierung ergreifen. Das ergibt sich aus der in der § 22 Abs. 1 BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz) geregelten Pflicht zur Immissionsverhinderung beziehungsweise Immissionsreduzierung.

Was gehört zu den Bauherren-Pflichten?
 
Zu den Bauherren-Pflichten gehört die Vermeidung beziehungsweise Minderung von Stäuben auf Baustellen zur Vorsorge vor gesundheitlichen Gefahren oder erheblichen Belästigungen der auf der Baustelle beschäftigten Personen und Dritter.
 
Deshalb hat sich jeder Bauherr schon bei der Planung einer baulichen Maßnahme mit den möglichen Aus- und Wechselwirkungen der Baustelle auseinander zu setzen. Insbesondere zu nennen sind mögliche Gefahrstofffreisetzungen. Dabei ist nicht nur die Belastung von Personen wie beispielsweise Anwohnern, Passanten, Nutzern von Einrichtungen wie Kindergärten, Arbeitnehmern anderer Betriebe oder Patienten in Betracht zu ziehen. Auch mögliche Auswirkungen auf die Umwelt (Boden, Luft, Grundwasser) müssen berücksichtigt werden.
 
Bei der Baustellenplanung und –einrichtung sind die in den einzelnen Bauphasen erfolgenden staub-freisetzenden Arbeiten, insbesondere mit Gefahrstofffreisetzungen, zu ermitteln sowie staubmindernde Maßnahmen auf Baustellen festzulegen und konsequent umzusetzen. Dabei kommen vorrangig in Betracht:

1. Staubfreie bzw. –arme Arbeitsverfahren (unter anderem „Bau-Entstauber“, Industriestaubsauger Klasse M oder H, Nassschneideverfahren, Dieselmotoren mit Partikelfilter, gewartete Dieselaggregate, absaugende Elektrowerkzeuge)

2. Kollektiv wirkende Schutzmaßnahmen (staubbindende Mittel wie effektive Wasservernebelung, Befeuchtung von Baustraßen, Staubschutzwände, -planen)

3. Organisatorische Maßnahmen, wie Unterweisungen und deren praktische Umsetzung (zum Beispiel Kehrverbot, Verbot des Abblasens)

4. Persönliche Schutzmaßnahmen

Bei größeren Baustellen mit länger andauernden Arbeiten (über Monate hinweg) ist ein Staubminderungskonzept, falls vorhanden auch in Abstimmung mit anderen Gewerken erforderlich. Darin können unter anderem folgende Maßnahmen vor Tätigkeitsaufnahme festgelegt werden:

Rechtzeitige und umfassende Information der Anwohner und Dritter (unter Angabe von Bauzeit oder -dauer und eines Ansprechpartners für Beschwerden),

  • Verlade- und Umschlagorte,
  • Koordinierte Terminierung staubbelastender Arbeiten,
  • Abstände zu sensiblen Nutzungen Dritter (unter anderem Wohnungen oder Kitas),
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Baustraßen (10-15 km/h),
  • möglichst großstückiger Abtransport von Abbruch und Rückbauobjekten,
  • abgedichtete Schuttrutschen und Container,
  • zeitnahe Reinigungsmaßnahmen (Saugen, Nasswischen),
  • ordnungsgemäße und zeitnahe Entsorgungsmaßnahmen,
  • Staubmessungen.
  • Überwachung durch weisungsbefugten, schriftlich bestellten SiGeKo (bei größeren Baustellen mit mehreren Gewerken).
Missachtungen staubminimierender Maßnahmen entsprechend dem Stand der Technik können Stillegungen (§ 25 Abs. 1 BImSchG) von Baustellen zur Folge haben.

Zum Schutz der ausführenden Arbeitnehmer sind folgende Regelungen zu beachten:  

  • Bei der Belastung durch Staub sind die Arbeitsplatzgrenzwerte für E-Staub (einatembar) in Höhe von 10 mg/m3 und für A-Staub (alveolengängig) in Höhe von 3 mg/m3 zu beachten sind.
Hinweis: Der Ausschuss für Gefahrstoffe hat in seiner Sitzung am 18./19. November 2013 einen neuen allgemeinen Staubgrenzwert für die A-Staubfraktion (alveolengängig) in Höhe von 1,25 mg/m3, bezogen auf eine mittlere Dichte von 2,5 g/cm3 als Ergänzung/Änderung für die TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“ beschlossen. Der AGW für die E-Staubfraktion bleibt unverändert bei 10 mg/m3. Für Tätigkeiten, bei denen der Arbeitsplatzgrenzwert für die A-Staubfraktion in Höhe von 1,25 mg/m3 nicht eingehalten werden kann, gilt bei Erfüllung bestimmter Vorgaben (zum Beispiel technische Schutzmaßnahmen nach den branchenüblichen Verfahrensweisen, Schutzmaßnahmenkonzept mit der Zielsetzung der Einhaltung des neuen A-Staubgrenzwertes) übergangsweise bis zum 31.12.2018 weiterhin der bisherige A-Staubgrenzwert in Höhe von 3,0 mg/m3 (Überschreitungsfaktor 2).  
  • Der Arbeitgeber muss vor dem Beginn von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten oder Bauarbeiten die für die Gefährdungsbeurteilung nach § 6 GefStoffV erforderlichen Informationen, insbesondere vom Auftraggeber oder Bauherrn, darüber einholen, ob entsprechend der Nutzungs- oder Baugeschichte des Objekts Gefahrstoffe, insbesondere Asbest, vorhanden oder zu erwarten sind (§ 15 Abs. 5 GefStoffV),
  • Für jede Tätigkeit und die eingesetzten Maschinen und Geräte diejenigen technischen und organisatorischen Maßnahmen festzulegen, die geeignet sind, unvermeidbare Staubemissionen auf ein Mindestmaß zu beschränken,
  • Ausschließlich Beschäftigte einzusetzen sind, die die erforderliche aktuelle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung (u.a. G 1.4 Staub) nachweisen können.
  • Die erforderliche individuell geeignete persönliche Schutzausrüstung bereitgestellt und getragen wird, entsprechende Maskenpausen (BGR 190) eingehalten werden.
Autor: Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe