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Sich schnellen Überblick über Sanierungskosten verschaffen

Mit einer neuen Software, die Bauingenieure der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickelt haben, lassen sich Schäden an Gebäuden und Reparaturkosten schnell erfassen und Sanierungsmaßnahmen effizient planen. Denn in vielen Kommunen gibt es einen Sanierungsstau, unter anderem weil ein Überblick über den Zustand der öffentlichen Gebäude und ein effektives Kosten-Management fehlen.

LifeCycle-Competence
Mit der an der Technischen Universität Kaiserslautern entwickelten digitalen Technik können mögliche Sanierungskosten von (öffentlichen) Gebäuden schnell erfasst werden. (Abb.: Koziel/TUK)

Auf rund 48 Milliarden Euro bezifferte die Förderbank „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW) im vergangenen Jahr den Sanierungsstau bei deutschen Schulen. Aber auch bei anderen öffentlichen Gebäuden sieht es quer durch die Republik nicht besser aus. Den Kommunen fehlt meist das Geld und der strategische Überblick, um Krankenhäuser, Feuerwehren oder Verwaltungsgebäude instand setzen zu lassen. Ein großes Problem ist dabei, dass viele Kommunen den Zustand ihrer Gebäude nicht systematisch erfassen.

Eine Software, mit der sich der Zustand von Gebäuden schnell und einfach erheben lässt, hat Professor Dr. Karsten Körkemeyer, der das Lehrgebiet Baubetrieb und Bauwirtschaft an der TUK leitet, zusammen mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Ingo Besenbruch und Thomas Häßel entwickelt. Ihr System benötigt lediglich eine Reihe von Daten, die sich ohne großen Aufwand zusammentragen lassen. Dazu zählen zum Beispiel Nutzerverhalten, Gebäudetyp, Bauweise, technische Gebäudeausstattung und Baujahr. „Die Angaben zu den Gebäudeteilen werden in eine Art Notensystem von A bis D einsortiert und bewertet“, erläutert Besenbruch. A steht dabei für einen sehr guten, D für einen schlechten Zustand. Um diese Daten zu erfassen, stellen die Bauingenieure eine vorgefertigte Checkliste für eine Vor-Ort-Begehung zur Verfügung.

Anhand der Angaben berechnet ein Algorithmus die ungefähren Kosten für eine Instandsetzung. Als Basis dafür dient eine Datenbank, in der eine Vielzahl von Informationen zu Gebäuden hinterlegt ist und die das Forscherteam in den vergangenen Jahren zusammengetragen hat. Rund 80 Prozent der Kosten fallen bei sogenannten Leitparametern an, die von Gebäude zu Gebäude unterschiedlich sein können. Die restlichen 20 Prozent können die Forscher mithilfe statistischer Daten berechnen.

Mit der Technologie ist es für Gemeinden einfacher möglich, den Zustand von allen Gebäuden dauerhaft im Blick zu haben. Renovierungs- und Sanierungskosten lassen sich auf diese Weise langfristig in den Haushalt einplanen. Darüber hinaus können Informationen zum Zustand eines Gebäudes jederzeit abgerufen werden.

Die Software der Kaiserslauterer Bauingenieure ist nicht nur für Kommunen von Interesse, sondern zum Beispiel auch für Unternehmen, die einen großen Gebäudebestand besitzen, wie zum Beispiel große Industriekonzerne oder Immobilienfirmen. Die Forscher vermarkten ihre Software in ihrem Start-up „LifeCycle-Competence“. Bei ersten Städten wie Trier und Mainz haben sie ihre Technik schon erfolgreich genutzt.

www.lifecycle-competence.de