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Schadstoffe im Altholz fachgerecht ausbauen und entsorgen

Holz ist ein Naturwerkstoff, der zum Beispiel am Bau für Dachstühle, Gerüstbretter, Verschalungen, Türen, Fensterrahmen und Böden eingesetzt wird. In Althölzern sind durch frühere Behandlungen oft Schadstoffe vorhanden, die Gesundheit und Umwelt gefährden können.

Altholz ausbauen und entsorgen
Schadstoffbelastetes Altholz ist zu kategorisieren. Je nach Einstufung greifen beim Ausbau Arbeitsschutzvorschriften und spezifische Entsorgungswege. (Abb.: Stefan Johannsen)

So finden sich Imprägnierungen, Farbanstriche, Beizen und Beschichtungen in Altholzchargen, im anfallenden Gebrauchtholz sowie in importierten Holzprodukten.

Deren Anwendung ist heute wegen ihres gesundheits-gefährdenden Potenzials verboten. Dieses mit Schadstoffen belastete Altholz muss daher fachgerecht ausgebaut und entsorgt werden. Dabei stehen Holzabfälle der Bauwirtschaft, des Gewerbes und vom Sperrmüll in großen Mengen von Millionen von Tonnen zur Entsorgung an.

Holzschutzmittel (HSM) wurden und werden eingesetzt, um eine Wertminderung oder Zerstörung von Holz, zum Beispiel durch Pilze (Fäule, Bläue) und Insekten, zu verhindern oder zu bekämpfen. Verbreitet waren früher Kombinationen insektizider und fungizider Komponenten. Diese wurden handwerklich entweder durch Streichen, Sprühen, Tränken oder Tauchen in das Holz eingebracht oder industriell durch Druckimprägnierung oder Saftverdrängung.

Zu den anorganischen und organischen HSM-Wirkstoffen, von denen die Verwendung eines großen Teils der Substanzen heute in Deutschland nicht mehr zulässig ist oder stark eingeschränkt wurde, gehören: DDT, PCP, Teeröle, Organozinnverbindungen, Quecksilber-, Arsen- und Chromverbindungen. Der Einsatz von Blei-, Chrom- und Cadmiumverbindungen in Farben ist nach ChemVerbotsV seit 1996 nicht mehr erlaubt beziehungsweise sehr stark eingeschränkt.

Schadstoffe: Altholz wird unterschiedlichen Kategorien zugeordnet

Durch die Altholzverordnung, die am 1.3.2003 in Kraft getreten ist und das Kreislauswirtschaftsgesetz konkretisiert, werden die Anforderungen an die stoffliche und energetische Verwertung und die Beseitigung von Altholz festgelegt. Gemäß dieser Verordnung wird Altholz in Abhängigkeit von der Belastung mit Schadstoffen vier unterschiedlichen Kategorien zugeordnet und entsprechenden Verwertungswegen zugewiesen, von der Herstellung von Holzhackschnitzeln und Holzspänen für Holzwerkstoffe bis zum Einsatz in Verbrennungs- und Vergasungsanlagen.

Die Altholzkategorien sind:

AI = nicht behandeltes Altholz: Hierbei handelt es sich um naturbelassenes oder lediglich mechanisch bearbeitetes Altholz, das bei seiner Verwendung nicht mehr als unerheblich mit holzfremden Stoffen verunreinigt wurde. Dazu gehören beispielsweise Baumholz und Palettenholz. In jedem Fall handelt es sich um naturbelassenes Holz.

AII = behandeltes Altholz: Hierunter fällt verleimtes, gestrichenes, beschichtetes, lackiertes oder anderweitig behandeltes Altholz ohne halogenorganische Verbindungen in der Beschichtung und ohne Holzschutzmittel. Dazu gehören Schalholz, Dielen, Konstruktionshölzer und so weiter.

AIII = belastetes Altholz: Hier eingruppiert ist Altholz mit halogenorganischen Verbindungen in der Beschichtung ohne Holzschutzmittel. Dazu gehören nicht farb- oder kunststoffbeschichtete Türblätter- und Zargen aus dem Innenbereich, Spanplatten und Möbelholz.

AIV = besonders belastetes Altholz: In dieser Kategorie findet sich mit Holzschutzmitteln behandeltes Altholz, wie Bahnschwellen, Leitungsmasten, Hopfenstangen, Rebpfähle sowie sonstiges Altholz, das aufgrund seiner Schadstoffbelastung nicht den anderen Altholzkategorien zugeordnet werden kann, ausgenommen PCB-Altholz. Dazu gehören zudem Fenster und Außentüren, Dachsparren, Konstruktionshölzer für tragende Teile, Lattenzäune, Jägerzäune, Leitungsmasten, Holz-Gartenmöbel und Brandholz.

Altholz im Sinne der PCB/PCT-Verordnung: Zu diesen vier Kategorien kommt noch die Einstufung als PCB-haltiges Altholz. Dies ist Altholz, das polychlorierte Biphenyle im Sinne der PCB/PCT-Abfallverordnung enthält und nach deren Vorschriften zu entsorgen ist. Dabei handelt es sich insbesondere um Dämm- und Schallschutzplatten, die mit Mitteln behandelt wurden, die polychlorierte Biphenyle enthalten (§ 2 Nr. 5 AltHolzV).

Altholz, das nicht eindeutig einer Altholzkategorie zugeordnet werden kann, ist in die nächsthöhere Altholzkategorie einzustufen. Bei Gemischen von Altholz richtet sich die Einstufung nach der jeweils höchsten Altholzkategorie, auch wenn der entsprechende mengenmäßige Anteil nur gering ist.

Altholz vor dem Abbruch ausbauen

Bei Arbeiten mit Altholz der Kategorien lll und IV sowie PCB-haltigem Altholz handelt es sich um Arbeiten, die unter die TRGS 524 beziehungsweise die DGUV-Regel 101-004 „Arbeiten in kontaminierten Bereichen“ fallen. Das bedeutet, dass ein möglicher Umgang aus der fachkundig zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung nach § 6 Gefahrstoffverordnung in Verbindung mit TRGS 400 im Vorwege ermittelt werden muss. Ein umfassendes sachkundig erstelltes Gebäudeschadstoffkataster sollte neben anderen Gebäudeschadstoffen auch Auskunft über Altholzvorkommen der unterschiedlichen Kategorien geben. Die landesbezogene PCB-/PCP-Richtlinie ist erforderlichenfalls zu berücksichtigen.

Zudem ist für diese Arbeiten eine sachkundige Person nach DGUV-Regel 101-004 (ehemalige BGR 128) Anlage 6b Gebäudeschadstoffe beziehungsweise Fachkunde TRGS 524 Anlage 2B und eine mindestens 14 Tage im Vorwege gestellte Anzeige bei der Berufsgenossenschaft sowie dem zuständigen Gewerbeaufsichtsamt auf Nachfrage erforderlich.

Vor dem Teilabbruch oder Abbruch eines Gebäudes muss schadstoffbelastetes Altholz fachgerecht ausgebaut und wie andere Gebäudeschadstoffe soweit möglich separiert und fachgerecht entsorgt werden. Staubminimierende Arbeitsverfahren haben dabei oberste Priorität. Zu bedenken ist auch die arbeitsmedizinische Vorsorge der Beschäftigten (DGUV G 26.2 „Maskentauglichkeit“, DGUV G 1.4 „Staub“, DGUV G 4 „Hautkrebs“ bei PAK) und die Einhaltung von Maskenpausen (DGUV Regel 112-190, ehemalige BGR 190).

Ein personengeführtes Expositionsverzeichnis gemäß § 14 Abs. 3 Gefahrstoffverordnung in Verbindung mit TRGS 410 ist bei Arbeiten mit krebserregenden Gefahrstoffen, wie PAK in Teeröl, zu führen.

Altholz sortieren

Bereits an der Ausbaustelle soll Altholz gemäß den Altholzkategorien getrennt erfasst, gesammelt und entsorgt werden (Anhang III AltholzV), sofern die täglich anfallende Altholzmenge ein Kubikmeter loses Schüttvolumen oder 0,3 Tonnen überschreitet. Es ist zu beachten, dass eine sachkundige Annahme und Verwertung nur in den dafür genehmigten Anlagen zulässig ist.

Stefan Johannsen, Diplom-Biologe