zurück

Sanierputze mit Blähglas stabilisieren

Sanierputze reagieren empfindlich gegenüber verschiedenen Verarbeitungsmethoden. Je nach Anmischzeit und Putztechnik können die Poren ihre Fähigkeit zur Bindung von Salzen verlieren. Poraver hat mit dem Einsatz von Blähglas experimentiert, um Sanierputze stabiler zu machen.

Sanierputze Poraver
An salzbelasteten Wänden platzt häufig der Putz ab. Sanierputze können mittels einer besonderen Porenstruktur helfen, solche Schäden zu verhindern.

Salzgeschädigte Mauerwerke können mit einer Kombination aus einer Abdichtung, die verhindert, dass Salze und damit Feuchtigkeit weiter aufsteigen, und Sanierputzen instand gesetzt werden.

Dabei kommt dem Sanierputz die Funktion zu, in seiner besonderen Porenstruktur Salze einzulagern, sodass sie nicht mehr zu weiteren Salzausblühungen und damit verbundenen Folgeschäden wie Abplatzungen führen können.

Die Anforderungen an Mörtelsysteme, die die Austrocknung und Kristallisation unterstützen, sind im „WTA Merkblatt 2-9-04/D“ beschrieben, das zusätzlich zur EN 998 „Festlegungen für Mörtel im Mauerwerksbau – Teil 1: Putzmörtel“ gilt.

Die spezielle Zusammensetzung des Mörtels ermöglicht die Verdunstung des Wassers innerhalb des Putzes. Das Salz kristallisiert im Porensystem des Sanierputzes, ohne dabei die Bindemittelmatrix und somit die Putzschicht zu zerstören.

Das Porenvolumen stabilisieren

Eine Herausforderung bei der Formulierung von Sanierputzen liegt darin, ein hohes Porenvolumen und eine ausgeglichene Hydrophobie zu erreichen. Die Poren müssen während des Anmischens und Aufziehens stabil bleiben und zudem relativ groß sein, um den Kapillareffekt zu stoppen sowie über hinreichend Platz verfügen, damit das Salz kristallisieren kann. Für gewöhnlich werden die Poren im Putz durch die Verwendung von Luftporenbildnern eingebracht. Der Nachteil von Luftporenbildnern liegt in deren Abhängigkeit zu Anmischzeit und -geschwindigkeit sowie in deren Interaktion mit hydrophoben Stoffen, besonders bei einem sehr hohen Luftgehalt. Durch das Hinzufügen von „Poraver“-Blähglas hat der Hersteller Poraver versucht, die Mörteldichte zu reduzieren und eine gezielte Porengeometrie einzubringen, die den Luftgehalt im Sanierputz kontrolliert und stabilisiert.

Im Rahmen einer Untersuchung wollte das Team herausfinden, ob das Blähglas in der Lage ist, Salzkristalle einzulagern. In diesem Fall würde der Leichtzuschlag den Putz nicht nur durch die geringe Dichte stabilisieren, sondern auch als zellularer Platzhalter für dauerhafte und stabile Poren im System sorgen, welche die vom Luftporenbildner gebildeten Poren unterstützen. Die Proben wurden mit Salz entsprechend dem „WTA Merkblatt 2-9-04/D“ für Sanierputzsysteme vorbereitet und infiltriert. Aus den Prismenoberflächen mit Ausblühungen wurden anschließend circa 0,5 Zentimeter kleine Proben herausgeschnitten. Diese Proben wurden mittels Luftdruck von Staub befreit, mit Gold bedampft und anschließend mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) analysiert.

Salze lagern sich im Blähglas an

Die REM-Aufnahmen wurden von verschiedenen Bereichen angefertigt und deren chemische Zusammensetzung an diesen Punkten durch energiedispersive Röntgenspektroskopie (EDX-Verfahren) bestimmt. Die Aufnahmen des REM zeigen deutlich Partikel innerhalb der „Poraver“-Poren. Die EDX-Diagramme zeigen neben den durch das Blähglas (Aluminium, Silicium, Magnesium, Sauerstoff und Natrium) gebildeten Spitzen zusätzlich einen hohen Anteil Chlor sowie einen erhöhten Wert für Natrium – beides in Mauerwerken einlagernde Salze. In einem anderen Bereich ist Schwefel aus Na2SO4 nachweisbar. Somit konnten Kristalle beider für die Infiltration verwendeten Salze (Natriumchlorid und Natriumsulfat) innerhalb des Granulats nachgewiesen werden. Vergleichsuntersuchungen an Luftporen in Putz ohne das Blählas in der Matrix zeigten ähnliche Ergebnisse.

Die Ergebnisse zeigen, dass Salze nicht nur in den Luftporen eines Sanierputzes kristallisieren können, sondern auch in den Poren eines Leichtzuschlags, sofern der Porendurchmesser groß genug und das Porensystem zur Oberfläche hin offen ist. Blähglas ist dabei unempfindlich gegenüber verschiedenen Verarbeitungsmethoden.