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Nutzungsklassen - schwierige Zuordnung

Am 19. März findet die 10. Berliner Schimmelpilzkonferenz statt. Und dort wird es auch um ein Thema gehen, das in der Branche kontrovers diskutiert wird: die Nutzungsklassen (NK) im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes (UBA).

Schimmelpilzkonferenz Aussteller, L. Papierak
Auch in der Fachschau der Schimmelpilzkonferenz werden die Teilnehmer in diesem Jahr wieder auf ihre Kosten kommen. (Abb.: Bauen im Bestand, L. Papierak)

Dipl.-Ing. Pia Haun beschäftigt sich in ihrem Vortrag damit, ob die Zuordnung von Räumen oder Schadensbereichen zu bestimmten NK immer so einfach ist, wie es die vier auf den ersten Blick recht eindeutigen Kategorien des Schimmelleitfadens suggerieren, oder doch komplizierter. Haun, die unter anderem Mitglied des Fachausschusses „Sachkunde“ im Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS e.V.) ist, erklärt in ihrem Vortrag zunächst, welche Nutzungsklassen der aktuelle Schimmelleitfaden unterscheidet.

Dabei sind die unproblematischsten wohl die NK I und II. Die NK I deshalb, weil sie der relativ kleinen Gruppe der Räume für Patienten mit Immunsuppression vorbehalten ist. Für diese gelten spezielle, sehr hohe Anforderungen. Die NK II ist für „Innenräume zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Menschen: Wohn- oder Büroräume, Schulen, Kitas usw. einschließlich dazu gehörender Nebenräume“ vorgesehen. Für Räume dieser Art gelten „normale Anforderungen“ an die Innenraumhygiene. Die Schwierigkeiten beginnen nach Ansicht von Pia Haun dort, wo die NK II von der NK III und vor allem IV abgegrenzt werden müssen.

Grundsätzlich seien Schimmelschäden in Innenräumen der NK II zuzuordnen, so Haun. Lediglich wenn belastbar belegt werden könne, dass Schäden außerhalb dieser Bereiche nicht für Räume der NK II Innenraumluft relevant sind, können diese in die NK III oder IV eingestuft werden. Das Problem dabei bestehe darin, das zurzeit keine belastbaren Nachweismethoden vorlegen, mit denen man belegen könne, dass keine Verdriftung von mikrobiellen Bestandteilen stattfindet.

Als Beispiele für Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen NK II und III nennt Haun, die auch ö. b. u. v. Sachverständige für das Holz- und Bautenschutzgewerbe Teilgebiet Bautenschutz (Schimmelpilzerkennung, -bewertung, -sanierung) der HWK Trier ist, Treppenhäuser in Mehrfamilien-Wohnhäusern, die nur durch eine Tür von Innenräumen der NK II getrennt sind, und unausgebaute Dachgeschosse. Letztere können beispielsweise nach Schimmelleitfaden der NK III zugeordnet werden, wenn sie „über eine Dachluke oder eine verschließbare Tür vom Treppenhaus außerhalb der Wohnung aus“ erreichbar seien. Das sei aus Sicht von Sachverständigen nicht nachvollziehbar, da in diesen Fällen Verdriftung von mikrobiellen Bestandteilen durchaus gegeben sei. 

Besonders kritisch sieht Haun, dass seit Erscheinen des aktuellen Schimmelleitfadens in der Praxis eine steigende Tendenz erkennbar sei, mikrobiell belastete Bauteile oder Räume der Nutzungsklasse IV zuzuordnen und sie anschließend lediglich abzuschotten, anstatt sie fachgerecht zurückzubauen. Insbesondere die Zuordnung von Bauteilen zur NK IV, die in Räumen der NK II liegen, und ihre anschließende Abschottung hält sie für äußerst problematisch. In diesen Fällen ist Abschottung nach Meinung Hauns keine Alternative zum Rückbau. Abschottung sei ein vielschichtiger Sanierungs-Sonderfall. Planung und Ausführung einer Abschottung könne erheblichen Aufwand verursachen. Sie entspreche nicht den anerkannten Regeln der Technik, da noch wissenschaftliche Untersuchungen ausstehen. Zudem müsse in jedem Einzelfall geprüft werden, ob eine Abschottung wirtschaftlicher und schneller zu erstellen und mit geringerem logistischen Aufwand verbunden sei, als die Beseitigung eines Schimmelschadens.

Wenn Sie mehr über die Einschätzung der Schimmelleitfaden-Nutzungsklassen von Pia Haun erfahren wollen, sollten Sie sich die 10. Berliner Schimmelpilzkonferenz nicht entgehen lassen. Anmelden können Sie sich hier .