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Normale Besiedlung oder Schadensfall?

In nicht ganz vier Wochen findet die 2. Münchener Schimmelpilzkonferenz statt. Wenn Sie also den spannenden Vortrag von Dr. Christoph Trautmann über eine Bewertungshilfe für Schimmelpilzbefall hören wollen, sollten Sie sich bald anmelden.

Bewertungshilfe Trautmann
Mit der KBE-Methode lassen sich kultivierbare Schimmelpilze gut differenzieren. (Abb.: Dr. Christoph Trautmann)

Die Bewertung von Mikroorganismen in Materialproben ist seit dem Erscheinen des ersten Leitfadens des Umweltbundesamts 2002 ein unter Sachverständigen kontrovers diskutiertes Thema. Nach einem Rückblick auf die Entwicklung dieser Diskussion in den vergangenen Jahren geht Dr. Trautmann detailliert auf unterschiedliche Untersuchungsmethoden für Schimmelpilzbefall ein.

Mit der direkten Mikroskopie, einer vergleichsweise einfachen Methode, lassen sich mikrobielle Besiedlungen an Materialoberflächen erfassen. So können „Kontaminationen“ durch Stäube und Verschmutzungen von Materialbesiedlungen durch Mikroorganismen unterschieden werden. Allerdings können Mikroorganismen auch tiefer liegende Schichten besiedeln. Diese Art der Besiedlung lässt sich mit der direkten Mikroskopie nicht immer sicher erfassen. In solchen Fällen müssen zusätzlich Materialsuspensionen hergestellt werden. Dabei werden Mikroorganismen von den Materialien abgelöst und in Suspension gebracht.

Die gewonnene Suspension kann für verschiedene Analysen verwendet werden, zum Beispiel um Kolonie bildende Einheiten (KBE) zu ermitteln oder um die Gesamtzellzahl (GZZ) unter dem Mikroskop zu zählen. Ein Nachteil der KBE-Methode ist, dass nur kultivierungsfähige Mikroorganismen erfasst werden. Daher wird mit der KBE-Methode der tatsächliche Gehalt an Mikroorganismen für alle Materialien systematisch unterschätzt. Ein wichtiger Vorteil der KBE-Methode besteht jedoch darin, dass sich die Mikroorganismen gut differenzieren lassen.

GZZ-Methode erfasst neben lebenden auch abgestorbene Zellen
Im Gegensatz zur KBE-Methode kann durch die GZZ-Methode die Gesamtzahl der Mikroorganismen ermittelt werden. Mit dieser Methode wird im wesentlichem die Konzentration der Pilze und Bakterien erfasst, unabhängig von ihrer Kultivierbarkeit. Mit der GZZ-Methode werden im Vergleich zur KBE-Methode durchschnittlich zehnfach höhere Pilz- und 100-fach höhere Bakterienkonzentrationen ermittelt, da neben den lebenden auch abgestorbene Zellen erfasst werden. Nach der Erklärung der Untersuchungsmethoden stellt Dr. Trautmann einige exemplarische Fälle vor und erläutert die Ergebnisse der jeweils angewandten Methoden und wie sie zu interpretieren sind.

Schließlich erklärt Dr. Trautmann, wie die Umweltmykologie GmbH und die Urbanus GmbH in einem gemeinsamen Projekt eine Bewertungshilfe für KBE- und GZZ-Konzentrationen entwickelt haben. Dazu stellten die beiden Labore Routineproben aus fünf Jahren zusammen. Um einen schnellen Überblick über die gesammelten Daten zu ermöglichen, wurden die Proben nach ihrer Konzentration geordnet und in vier gleichgroße Gruppen – sogenannten Quartilen – aufgeteilt. Im ersten Quartil liegen die Proben mit den niedrigsten Konzentrationen, im vierten die Proben mit den höchsten Konzentrationen vor.

Aus den so erfassten KBE- und GZZ-Konzentrationen der unterschiedlichen Proben und ihrer Einteilung in die vier Gruppen leiteten die beiden Unternehmen für verschiedene Materialtypen die Bewertungskategorien „Hintergrund“, „Kontamination/Besiedlung nicht abgrenzbar“, „Besiedlung“ und „starke Besiedlung“ ab. Mit dieser Bewertungshilfe haben Sachverständige nun die Möglichkeit, die ermittelten KBE- oder GZZ-Konzentrationen ihrer Proben den Kategorien zuzuordnen und dadurch den Besiedlungsgrad ihrer Proben abzuschätzen.