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Neue Norm für Estriche im Bauwesen erschienen

Die neue DIN 18560-1 gilt für Baustellenestriche und Estriche aus Estrichmörteln und Estrichmassen nach DIN EN 13813, die unter Verwendung von Calciumsulfat, Gussasphalt, Kunstharz, kaustischer Magnesia oder Zement hergestellt worden sind. Sie ersetzt die DIN 18560-1 vom November 2015 und die 2020 zurückgezogene DIN 272.

Estrich Knrauf
Der Bundesverband Estrich und Belag e.V. (BEB) begrüßt die neuen Regelungen in der DIN 18560-1. (Abb.: Knauf)

Die neuen DIN 18560-1 bringt einige wichtige Änderungen mit sich: So wird durch die Norm eine Lücke wurde geschlossen. Der Einsatz von Baustellenestrichen ist nun möglich, ohne gegen Europäisches Recht zu verstoßen. Die Grundlagen hierfür seien geschaffen worden, so die Bundesfachgruppe Estrich und Belag im ZDB (BFG EuB) und der Bundesverband Estrich und Belag e.V. (BEB) in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Darüber hinaus stelle der Einsatz von Schnellzementen und/oder Estrichzusatzstoffen zur Beschleunigung der Estrichaustrocknung keine Sonderkonstruktion mehr dar, falls diese keinen Widerspruch zu der in dieser Norm festgelegten Messmethode und Einhaltung der in dieser Norm festgelegten Belegreifgrenzwerte des Estrichs bilden.

Erstmalig definiert die Norm Schwindklassen. Da diese Einfluss auf die Fugenplanung haben, steht Planern nun ein zusätzliches Mittel zur Verfügung, großflächige und moderne, von Kunden zunehmend gewünschte Fußbodenkonstruktionen zu realisieren. Darüber hinaus wurden Leichtausgleichestriche zum Herstellen einer Installationsebene in die Norm aufgenommen. BFG EuB und BEB begrüßen die Klärungen und Neuerungen, sie seien überfällig gewesen.

Um den Begriff „Belegreife“ gab es im Normungsverfahren Diskussionen. Insbesondere Parkettleger, Maler und die Bauhilfsmittel herstellende Industrie (Bauchemie, TKB) waren unterschiedlicher Ansicht. Deshalb wurde vor der Veröffentlichung ein Schlichtungsverfahren durchgeführt. Dennoch bestehe „in einigen Fach- und Verkehrskreisen auch nach der Schlichtungsverhandlung Diskussionsbedarf“, so BEB und BFG EuB.

Norm schafft Klarheit für Estrichleger

Dabei werde vergessen, dass die Norm keine Regelungen für die unterschiedlichen Belagswerkstoffe und Bauhilfsstoffe festlegt, sondern für Estriche. Dem Estrichleger ist in der Regel nicht bekannt, welchen Belag der Auftraggeber haben will. Es sei zu begrüßen, dass man mit der Norm eine eindeutige vertragliche Grundlage zwischen Auftraggeber und dem Estrichleger als Auftragnehmer geschaffen habe, in der die Anforderungen bei der Abnahme geregelt sind. Für die Überprüfung einer gegebenenfalls vertraglich zugesicherten Eigenschaft „Estrichrestfeuchte“, werden als eindeutiges Messverfahren die CM-Methode und Grenzwerte festgelegt. Damit entstehe Vertragsklarheit und Rechtssicherheit für beide Vertragspartner. Genau dazu diene die DIN 18560-1, indem sie unter anderem den Feuchtegehalt des Estrichs zum Zeitpunkt der Abnahme definiert. Die Folgegewerke, also zum Beispiel den Boden-, Parkett- oder Fliesenlegern, müssten, wie in der VOB grundsätzlich geregelt, selber prüfen, ob die Voraussetzungen für eine schadensfreie Leistungserbringung gegeben seien.

Zum Verständnis der Norm ist es wichtig zwischen Belegreife des Estrichs und den Belegreife-Grenzwerten für den jeweiligen Bodenbelag zu unterscheiden. Die Belegreife-Grenzwerte und/oder die Messmethode sind eine Empfehlung der Fach- und Verkehrskreise in Abhängigkeit von dem jeweiligen Belag. Da diese sehr unterschiedlich ausfielen, sei eine differenzierte Aufstellung in der Produktnorm für Estriche nicht machbar, betonen BEB und BFG EuB. Denn das hätte zur Folge, dass einem Estrichleger zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe bekannt sein müsste, welcher Bodenbelag gewünscht ist und zu welchem Zeitpunkt die Verlegung erfolgen soll. Bei einer derartigen Festschreibung in der Norm hätte es „zweifelsfrei“ Probleme in der Praxis gegeben. Das Estrichleger-Handwerk halte daher die Norm für geeignet, die zu erbringende Leistung des Estrichlegers klar und rechtssicher zu definieren. Die neue Norm kam beim Beuth-Verlag bezogen werden.