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Neue HOAI ab Januar 2021 in Kraft

Die Bundesregierung hat den Weg für die neue Honorarordnung für Ingenieure und Architekten HOAI frei gemacht. Sie soll am 1. Januar 2021 in Kraft treten. Die unverändert übernommenen Honorartafeln dienen künftig als Orientierung für die freie Vereinbarung angemessener Honorare.

HOAI 2021
In Zukunft dienen die Honorartafeln der HOAI zur Orientierung – eine Unterschreitung der dort verankerten Sätze ist also möglich. VBI-Präsident Jörg Thiele warnt deshalb: „Wer sich auf Dumpinghonorare einlässt, schadet dem ganzen Berufsstand.“ (Abb.: Michael Grabscheit / pixelio.de)

Damit trägt die neue HOAI dem EuGH-Urteil vom Juli 2019 Rechnung, das verbindliche Honorar-Mindest- und Höchstsätze für europarechtswidrig erklärt hatte. „Mit der Verabschiedung der neuen HOAI sorgt die Bundesregierung wieder für klare Verhältnisse bei der Vergabe von Architekten- und Ingenieurleistungen“, so der Präsident des Verbands Beratender Ingenieure (VBI), Jörg Thiele. „Die nach dem EuGH-Urteil eingetretene Verunsicherung ist damit beendet, denn die bewährten Regelungen zur Honorarberechnung gelten nach wie vor. Jeder Planer ist nun gut beraten, seine Honorarkalkulation mit dem Auftraggeber entsprechend zu vereinbaren. Wer sich auf Dumpinghonorare einlässt, schadet dem ganzen Berufsstand.“

Der VBI kritisierte allerdings, dass in der neuen HOAI nicht deutlicher auf die Angemessenheit der Honorarvereinbarung hingewiesen wird und hoffte an dieser Stelle auf den Bundesrat. Der beriet wenige Tage nach dem Beschluss der Bundesregierung über die neue HOAI und äußerte sich tatsächlich zum Thema Angemessenheit: „Der Bundesrat bittet, im weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens zu prüfen, ob in der künftigen Ermächtigungsgrundlage zum Erlass einer Honorarordnung für Ingenieur- und Architektenleistungen ausdrücklich klargestellt werden sollte, dass die Grundlagen und Maßstäbe zur Berechnung von Honoraren sich im Rahmen des Angemessenen bewegen müssen“, heißt es in der Stellungnahme der Länderkammer. Es könnte also sein, dass die Verordnung in dieser Sache noch angepasst wird.

Bedauerlich sei zudem, so Thiele, dass die VBI-Forderung nach einer gültigen Honorarvereinbarung mit Vertragsabschluss nicht aufgegriffen wurde. Aus VBI-Sicht sei zu befürchten, dass durch den Wegfall dieser Formvorschrift die Honorierung nicht mehr als wesentlicher Vertragsbestandteil verstanden werde. Das könne häufige Nachverhandlungswünsche der Auftraggeber zur Folge haben.

Auch die gemeinsame Forderung der Ingenieur- und Architektenorganisationen, den Mittelsatz als Regelsatz in die neue HOAI aufzunehmen, habe erwartungsgemäß keine Berücksichtigung gefunden. „Umso wichtiger ist es“, erklärt Jörg Thiele, „dass nach der aktuellen HOAI-Novellierung zügig eine Überarbeitung der Leistungsbilder inklusive einer Anpassung der Honorartafeln in Angriff genommen wird. Die aktuellen Werte basieren noch auf wirtschaftlichen Erhebungen aus den Jahren 2012 und davor. Die Kostensteigerungen der letzten acht Jahre für wettbewerbsfähige Vergütungsstrukturen sowie Investitionen in die Digitalisierung bleiben damit komplett unberücksichtigt.“ Weitere Informationen finden Sie auf der Website des VBI.

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