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Mies van der Rohe Award: Wohnbauten gewinnen

Alle zwei Jahre stellt die Ausstellung „Europas beste Bauten“ herausragende Architektur aus Europa in den Mittelpunkt. Grundlage bildet der mit insgesamt 80.000 Euro dotierte „Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur. Mies van der Rohe Award“. Statt aufsehenerregende Kulturbauten zu prämieren, geht der erste Preis in diesem Jahr an die Sanierung eines Wohnbaus.

Mies van der Rohe Award©Marcel van der Burg
Den ersten Preis des Mies van der Rohe Awards erhielten die NL architects und XVW Architectuur für die Sanierung des Wohnbaus „De Flat Kleiburg“ in Amsterdam. (Abb.: Marcel van der Burg)

Der Hauptpreis, das Projekt „De Flat Kleiburg“ von NL architects und XVW Architectur, befasst sich mit der partizipativen Sanierung und Aufwertung eines Plattenbaus aus den 1960er Jahren. Ein Thema, das auch hierzulande hochaktuell ist, angesichts von vielen Großwohnbauten aus der Nachkriegsmoderne, die in die Jahre gekommen sind und dringend sozial, funktional und technisch erneuert werden müssen. Der Nachwuchspreis geht an einen sozialen Wohnungsbau des Büros MSA und V+ in Brüssel.

Beide Gewinnerprojekte bieten neue Antworten auf die veränderten Lebensstile des 21. Jahrhunderts. „Die Hinwendung zum sozialen Wohnbau, aber auch zum Thema Umbau und Weiterbau des Bestandes setzt ein klares Zeichen für eine Reorientierung der Architektur in Richtung einer gebauten Verteilungsgerechtigkeit und des Haushaltens mit Ressourcen“, sagt Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrums Wien (AzW), in dem die Ausstellung gezeigt wird.

Ein sanierter Plattenbau gewinnt

Beim Hauptgewinner „De Flat“ wurde dem 400 Meter langen, 500 Wohnungen umfassenden Plattenbau Kleiburg im Amsterdamer Stadtteil Bijlmermeer ein zweites Leben ermöglicht. Das dafür gegründete Konsortium De Flat rettete das Gebäude aus den späten 1960er Jahren vor dem Abriss. Während die Architekten NL Architects und XVW Architectuur die gemeinschaftlich genutzten Teile sanierten und einige wesentliche Umbaueingriffe vornahmen, sah das wirtschaftliche Konzept vor, dass die zukünftigen Bewohner und Bewohnerinnen die Wohnungen selbst ausbauen.

In der Ausstellung sind insgesamt 40 Bauten aus den Bereichen Wohnbau, Kultur, Bildung, Gewerbe und Infrastruktur zu sehen. Sie alle wurden von einer hochkarätigen Jury aus insgesamt 355 Projekten aus 36 europäischen Ländern ausgewählt. Der begleitende Katalog stellt alle nominierten Projekte vor.

Unter den weiteren Finalisten, die in der Ausstellung ausführlich vorgestellt werden, finden sich das Projekt „Kannikegården“ von Lundgaard & Tranberg Architects in Ribe; das Rivesaltes Memorial Museum in Frankreich von Rudy Ricciotti; mit dem „Ely Court“ ein weiteres Wohnbauprojekt aus London von Alison Brooks Architects und das Katyn Museum in Warschau von BBGK Architekci, Jerzy Kalina und Maksa.

Aber auch die restlichen Projekte der Shortlist stellen einen beeindruckenden Querschnitt der Entwicklung zeitgenössischer europäischer Architektur dar.

Weitere Informationen zum Mies van der Rohe Award

Hauptanliegen des Mies van der Rohe Awards ist die Anerkennung und Würdigung herausragender Verdienste im Bereich der Architektur innerhalb Europas. Es werden Projekte ausgezeichnet, deren innovativer Charakter als Orientierung, wenn nicht sogar als Manifest für die Entwicklung zeitgenössischer Architektur dient. Der mit insgesamt 80.000 € dotierte Preis (Hauptpreis: 60.000 €, Emerging Architect-Preis: 20.000 €) wird für außergewöhnliche Leistungen in konzeptueller, technischer und baulicher Hinsicht verliehen. Der Emerging Architect-Preis versteht sich dabei auch als Förderung des Berufsstandes an sich und als Ermutigung für Architekten und Architektinnen am Beginn ihrer Karriere.

Ein Katalog zur Ausstellung präsentiert alle nominierten Projekte und ist im Rahmen der Ausstellung im AzW erhältlich.