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Mehr Sanierungen, mehr Eigenleistung

Die deutsche Bauwirtschaft ist bisher deutlich besser durch die Krise gekommen als viele andere Branchen. Dabei haben sich Bestandsmaßnahmen im laufenden Jahr positiver entwickelt als der Neubau. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle B+L Sanierungsstudie 2020, die das Bonner Marktforschungsinstitut B+L unlängst vorgestellt hat.

Sanierungsstudie Aufmacher
Die B+L Marktdaten GmbH hat Anfang November die Sanierungsstudie 2020 veröffentlicht. (Alle Abb.: B+L Marktdaten GmbH)

Während in den vergangenen Jahren viel über begrenzte Verarbeiterkapazitäten und den Aufschub von Sanierungsprojekten diskutiert wurde, zeigt sich aktuell ein deutlicher Anstieg in der Sanierungsaktivität. So ist beispielweise die Maßnahmenhäufigkeit bei Badsanierungen um 7,0 Prozentpunkte im Vergleich zur Sanierungsstudie 2018 gestiegen. Auch bei der Sanierung von Dachfenstern oder dem Heizungsaustausch zeigt sich ein deutlicher Anstieg.

„Mit der aktuellen Sanierungsstudie setzt sich ein Trend fort, der bereits im Jahr 2016 begann. Die Zielgruppe der Sanierer aus der Generation der Babyboomer gewinnt an Bedeutung“, erklärt Studienautor Marcel Dresse. „Wie unsere Studienergebnisse zeigen, hat sich die Altersstruktur der Sanierer komplett gewandelt. Damit gehen weitreichende Veränderungen hinsichtlich der Produktpräferenzen, der Nutzung von Beratung und der Durchführung der Maßnahmen einher.“

Jetzt sanieren die vor 1975 Geborenen

Sanierungsstudie Grafik
Die Sanierungsstudien der vergangenen Jahre zeigen: Der Anteil der Bürger, die älter sind als 45 und Sanierungsprojekte angehen, ist deutlich gestiegen.

In den letzten sechs Jahren ist der Anteil der Sanierer, die älter als 45 Jahre sind, von 39,7 % im Jahr 2014 auf 60,8 % im Jahr 2020 gestiegen. Während im Jahr 2014 noch die jüngere Zielgruppe der Käufer von Bestandsimmobilien die primäre Zielgruppe im Bereich der privaten Sanierungsmaßnahmen war, sind aktuell die deutlich älteren Eigenheimbesitzer die zentralen Akteure am Sanierungsmarkt. Diese sanieren in der Regel nicht im Zusammenhang mit dem Kauf einer Immobilie, sondern aufgrund von Verschleiß oder sie verfolgen mit den Maßnahmen die Erhöhung des Wohnkomforts sowie die Schaffung von Barrierefreiheit für den nächsten Lebensabschnitt.

Obwohl die älteren Zielgruppen tendenziell häufiger Komplettleistungen aus Beratungen, Produkten und Einbau nachfragen, zeigt sich in der aktuellen B+L Sanierungsstudie dennoch ein deutlicher Anstieg der Eigenleistung bei vielen Maßnahmen. Die COVID-19-Pandemie hat dazu geführt, dass grundsätzlich mehr Zeit zu Hause verbracht wird. Hinzu kommen das vermehrte Arbeiten im Homeoffice und der damit verbundene Wegfall des Arbeitswegs sowie der Verzicht auf Urlaubsreisen. Die so zur Verfügung stehende Zeit haben viele Eigenheimbesitzer genutzt, um Sanierungsmaßnahmen wieder häufiger selbst durchzuführen und auf den Einbau durch einen Profi zu verzichten. Auch die Reduzierung von Kontakten und der Verzicht auf „Fremde“ im eigenen Haus dürfte zum Rückgang des Profianteils geführt haben. Diese Veränderungen wirken sich auch auf den Produkteinkauf aus: Die Baumärkte konnten vom Trend zu mehr Eigenleistung profitieren und ihre Umsätze in vielen Bereiche deutlich steigern. Die Bestandsmaßnahmen im privaten Wohnbau sind damit der Gewinner im Corona-Jahr 2020. Nach Einschätzungen der B+L wird sich dieser Trend auch im kommenden Jahr fortsetzen.

Die B+L Sanierungsstudie hat in diesem Jahr insgesamt 22 Maßnahmen beziehungsweise Gebäudeteile im Detail untersucht. Neu hinzugekommen sind mit der aktuellen Ausgabe die Installation von Smart-Home-Lösungen, der Austausch von Rohren / Leitungen und die Aufstockung von Gebäuden. Die Sanierungsstudie erscheint alle zwei Jahre und wurde erstmalig im Jahr 2010 erhoben. Viele Details lassen sich damit im Längsschnitt der letzten 10 Jahre betrachten. Für die Studie wurden insgesamt 1.062 private Sanierer in einer Onlinebefragung zu den durchgeführten Maßnahmen, Budgets, Informationsquellen, et cetera befragt. Eine telefonische Befragung von Unternehmen der Wohnungswirtschaft (zum Beispiel Deutsche Wohnen, Vonovia, LEG Immobilien) ist die Datenbasis für die ergänzenden Informationen zur Sanierungsaktivität der deutschen Wohnungswirtschaft. Weitere Informationen über die Studie und die Möglichkeit sie zu bestellen finden Sie auf der Website der B+L Marktdaten GmbH.