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Luftdichtheit wird gesetzliches Muss

Das nach langer Vorlaufphase jüngst verabschiedete Gebäudeenergiegesetz (GEG) stärkt die Rolle der dichten Gebäudehülle, ist der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) überzeugt. Hauptgründe für diese Einschätzung sind eine im Vergleich zur „alten EnEV“ veränderte Struktur des neuen Regelwerks sowie der gleichzeitig mitgeltende nationale Anhang NA der Messnorm DIN EN ISO 9972, der eigens für das GEG verfasst wurde.

FLiB zum GEG
Das GEG räumt mit einem Irrtum auf: Dauerhaft dicht zu bauen ist gesetzlich vorgeschrieben. Blower-Door-Tests können als zusätzliche Qualitätskontrolle dienen. (Abb.: FLiB)

Strengere Anforderungen an die Gebäude-Luftdichtheit formuliere das neue Gesetz zwar nicht. „Dafür behandelt das GEG die geschuldete Dichtheit der Gebäudehülle und ihre messtechnische Überprüfung in zwei verschiedenen, voneinander unabhängigen Paragrafen. Dadurch wird klar: Ich muss in jedem Fall dauerhaft luftundurchlässig bauen, ganz egal, ob ich das überprüfen lassen will oder nicht“, führt FLiB-Geschäftsführer Oliver Solcher aus. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) hatte beide Themen noch in zwei Sätzen eines einzigen Paragrafen abgehandelt. Das habe dem Irrtum Vorschub geleistet, ohne Messung müsse man sich um dichtes Bauen keine Gedanken machen. „Dank der getrennten Darstellung im GEG sollte mit diesem Unfug ein für alle Mal Schluss sein“, hofft Solcher.

Auch beim Thema Messpraxis geht das GEG neue, nach Ansicht des FLiB positive Wege. So verweise es für die Dichtheitsprüfung auf den nationalen Anhang NA zur Messnorm DIN EN ISO 9972. Dieser stelle nun ohne den bisher nötigen Umweg über Auslegungsfragen eine einheitliche Vorbereitung der Gebäude für den Blower-Door-Test sicher. Dafür sorge eine im Anhang enthaltene, verbindliche Checkliste zur Gebäudepräparation (Tabellen NA.1 bis NA.3). Die darin vorgegebenen Maßnahmen seien so gewählt, dass sich das erzielte Messergebnis auch als Kennwert für die energetische Berechnung eigne: Beispielsweise dürfe man einen im Nutzungszustand offenen Rauch-und Wärmeabzug im Fahrstuhlschacht für die Dichtheitsmessung nicht länger abdichten. Zuvor seien im Betrieb solcher Anlagen entstehende Lüftungswärmeverluste regelmäßig nicht bilanziert worden.

Zwei Messungen sind notwendig
„Der Fachverband begrüßt ebenfalls, dass nach nationalem Anhang immer sowohl eine Über- als auch eine Unterdruckmessung erfolgen muss und laut GEG beide die gegebenen Grenzwerte einhalten müssen“, so Solcher weiter. Diese Messpraxis habe sich bewährt und werde vom FLiB schon lange gefordert. Denn manche Leckagen, wie etwa unzureichend verklebte Dichtungsbahnen, zeigten sich oftmals nur bei einer Durchströmungsrichtung und blieben unter Umständen unentdeckt, wenn diese beim Test ausgelassen werde.

Eine andere Hoffnung des Fachverbands erfüllt das neue Regelwerk nicht. So hatte er sich dafür eingesetzt, im GEG durch einen Verweis auf die entsprechende Norm (DIN 4108, Teil 7) deutlicher zu machen, dass die Planung der luftdichten Gebäudehülle zu den geschuldeten Leistungen gehört. Auch beschränken sich die Dichtheitsanforderungen des GEGs, wie schon die der EnEV, ausschließlich auf Neubauten. Das Bauen im Bestand bleibe in diesem Zusammenhang weiterhin unberücksichtigt, so der FLiB.

Zumindest in den zweiten Punkt kommt durch die seit Jahresanfang geltende steuerliche Förderung der energetischen Sanierung von selbstgenutztem Wohneigentum ein bisschen Schwung. In ihren als eigene Rechtsverordnung formulierten Mindestanforderungen nämlich heißt es wiederholt, es sei bei allen Maßnahmen auf eine wärmebrückenminimierte und luftdichte Ausführung zu achten. Nach Ansicht des FLiB ein Schritt in die richtige Richtung. Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Fachverbands.