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Kontaminierte Bereiche: Ohne A+S-Plan ist Arbeiten verboten

Arbeiten in kontaminierten Bereichen stellen hohe Anforderungen an den Arbeits- und Umgebungsschutz. Deshalb dürfen nur sachkundige Fachfirmen diese Arbeiten ausführen, die je nach Schadstoffen die Sachkunde nach DGUV R 101-004 (BGR 128), TRGS 524, TRGS 519 oder TRGS 521 erworben haben und diese nachweisen können.

Arbeiten nach DGUV R 101-004 (BGR 128)
Bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen kann man nicht einfach loslegen. Nur Firmen mit entsprechender erworbener und nachgewiesener Sachkunde dürfen hier tätig werden. (Abb.: Stefan Johannsen)

Für den Umgang mit Gebäudeschadstoffen ist die Sachkunde nach DGUV R 101-004 (ehemals BGR 128) Anlage 6B/TRGS 524 Anlage 2b erforderlich. Wer Brandschadenssanierungen, Schimmelpilzsanierungen oder Altlastensanierungen in kontaminierten Böden durchführen möchte, muss zuvor die Sachkunde nach DGUV R 101-004 Anlage 6A/TRGS 524 Anlage 2a erworben haben.

Ohne Gefährdungsbeurteilung darf die Arbeit nicht beginnen

Der Bauherr hat nach § 6 der Gefahrstoffverordnung gegenüber dem beauftragten Unternehmen eine Informationspflicht über (eventuell) vorhandene Gebäudeschadstoffe. Liegen keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, kann gerade bei vor 1995 errichteten Gebäuden eine Erkundung bis hin zum Erstellen eines Schadstoffkatasters notwendig sein.

Bei Gebäudeschadstoffen müssen die Tätigkeiten zwei Wochen, bei allgemeinen Tätigkeiten im kontaminierten Bereich vier Wochen vor Beginn der Tätigkeiten beim Unfallversicherungsträger angezeigt werden. Der zu erstellende Arbeits- und Sicherheitsplans (A+S Plan) ist dieser Anzeige beizufügen. Zu diesem gehören die Gefahren- und Stoffanalyse sowie die Gefährdungsbeurteilung. Diese muss die Mobilitätseigenschaften der Gefahrstoffe berücksichtigen und die Arbeitsverfahren nach dem Stand der Technik so festlegen, dass so wenig wie möglich Schadstoffe in den Arbeitsbereich gelangen können (Minimierungsgebot).

Sind mehr als zwei Unternehmen im kontaminierten Bereich beschäftigt, ist vom Bauherrn ein Koordinator zu bestellen und schriftlich mit einer Weisungsbefugnis „auszustatten“. Dieser kann dann im Rahmen seiner Überwachungs- und Koordinierungsfunktion bei Bedarf Zuwiderhandlungen ahnden und bei Gefahr im Verzug Arbeiten einstellen. Der Koordinator muss nicht ständig auf der Baustelle sein, sofern sichergestellt ist, dass ein sachkundiger, weisungsbefugter Aufsichtsführender ständig vor Ort ist. Ist kein Koordinator erforderlich, muss neben dem fachkundigen Personal mindestens ein weisungsbefugter sachkundiger Aufsichtsführender ständig auf der Baustelle zugegen sein.

Je nach Schad-/Gefahrstoff unterschiedliche Regelwerke beachten

Schad- und Gefahrstoffe, die bei Arbeiten in kontaminierten Bereichen vorkommen, sind unter anderem: PCB, PAK, PCP, Lindan, Lösungsmittel, Formaldehyd, Taubenkot, (M)VOC, Chlorparaffine, Schimmelpilze, Isocyanate , Dioxine/Furane, Chlor-/Bromwasserstoff etc. Art und Ausmaß muss vor Tätigkeitsbeginn entsprechend Gefahrstoff- und/oder BioStoffverodnung ermittelt werden.

Bei Brandschadensanierungen ist zusätzlich zur DGUV-R 101-004 die VdS 2357 sowie 2217, DGUV-l 201-004 Atemluftversorgung von Geräteführern sowie vfdb-Richtlinie 10/03 (Schadstoffe bei Bränden) im Hinblick auf die Einstufung in Gefahrenbereiche (GB 0–3) zu berücksichtigen. Bei einer (zusätzlichen) Asbest- oder KMF-Problematik ist die TRGS 519 beziehungsweise die TRGS 521 unbedingt zu berücksichtigen.

Zehn Dinge, die der Arbeitgeber beachten sollte

Arbeitgeber müssen insbesondere folgendes bedenken:

1. Art und Ausmaß der Kontamination messtechnisch feststellen (Schadstoffkataster),

2. die für diese Arbeiten erforderliche arbeitsmedizinische Vorsorge im Vorwege veranlassen/aktiv anbieten,

3. bei krebserregenden Gefahrstoffen ein personenbezogenes Expositionsverzeichnis führen (§ 14 Abs. 3 GefStoffV/TRGS 410),

4.emissionsarme Verfahren einsetzen und staubmindernde Arbeitsweisen fördern,

5. Personal angemessen fortbilden,

6. Ein- und Unterweisungen verständlich durchführen,

7. die Arbeiten fristgerecht mit dem A+S Plan anzeigen,

8. Arbeitszeiten und (Masken)pausen einhalten,

9. Schutzmaßnahmen auch im Sinne des Dritt- und Umgebungsschutzes treffen,

10. nach den Arbeiten Freimessungen vornehmen und dabei bautechnische Richtlinien beachten (PCB-Richtlinie, AsbestRichtlinie)

Dipl.-Biologe Stefan Johannsen

Die wichtigsten Änderungen der TRGS 519 finden Sie hier