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Klimawandel macht Fensterbranche zu „Doppelgewinnern“

Die 47. Rosenheimer Fenstertage des Instituts für Fenstertechnik e.V. (ift) standen unter dem Motto „Fenster for Future“: Auch für die Fensterbranche ist der Klimawandel die wichtigste aktuelle und zukünftige Herausforderung. Nach Ansicht von Prof. Dr. Claudia Kemfert (DIW, Berlin) profitiere die Branche aber doppelt von dieser Entwicklung.

47. Rosenheimer Fenstertage Claudia Kemfert
Prof. Dr. Claudia Kemfert (DIW) richtete einen eindringlichen Appell an Wirtschaft und Politik für mehr Engagement im Klimaschutz (Abb: ift Rosenheim)

Prof. Ulrich Sieberath, der Leiter des ift, eröffnete die Rosenheimer Fenstertage zum letzten Mal. Er wird Ende 2019 in den Ruhestand gehen. Er wurde im Laufe der Veranstaltung mit Standing Ovations geehrt und wurde von Astrid Wirges, Mitglied der Geschäftsleitung des DIN, mit der DIN-Ehrennadel als „Vater“ der Produktnorm Fenster und Türen sowie für seine großen Verdienste in der Normungsarbeit ausgezeichnet. In seinem Eröffnungsvortrag ging Prof. Sieberath bereits ausführlich auf das Motto der Fenstertage ein: Er schilderte detailliert, was auf Bauelemente zukünftig in Form von Hitzewellen, Überflutungen, Tornados oder Hagelstürmen zukommt.

47. Rosenheimer Fenstertage Ulrich Sieberath
Prof. Ulrich Sieberath, Institutsleiter des ift Rosenheim, bekam von Astrid Wirges, Mitglied der Geschäftsleitung des DIN (Deutsches Institut für Normung e.V., Berlin) die DIN-Ehrennadel verliehen. (Abb: ift Rosenheim)

Diesen Faden nahm Prof. Claudia Kemfert (DIW, Berlin) auf und begann ihren Beitrag „Klimawandel: Warum uns Nichtstun teuer zu stehen kommt“ mit einer unmissverständlichen Botschaft: „Die Temperaturerhöhung kommt schneller als die Wissenschaftler erwartet haben.“ Anschließend erläuterte sie Schritt für Schritt die Konsequenzen anhand der drei Dimensionen Schäden, Anpassungen und Strukturänderungen. Die teilweise dramatischen Folgen seien mit horrenden Kosten verbunden, beispielsweises durch Versicherungsschäden oder Finanzkrisen, die zudem ab einem Temperaturanstieg von 1,5 °C exponentiell anstiegen. Und: diese Kosten seien um ein Vielfaches höher als Maßnahmen zum Klimaschutz. Darüber hinaus könne die deutsche Wirtschaft durch erfolgreichen Klimaschutz profitieren, denn Technologien zur regenerativen Energieerzeugung und Effizienzsteigerung seien die zukünftigen „Exportschlager“. „Klimaschutz ist bezahlbar und schafft wirtschaftliche Chancen“, so Kemfert. Dies gelte auch für die deutsche Fenster- und Fassadentechnik, Kemfert bezeichnete sie gar als „doppelter Gewinner“. Moderne Bauelemente könnten die CO2-Emissionen von Gebäuden nicht nur reduzieren, sondern gleichzeitig vor den Folgen wie Hagelstürme und dergleichen mehr schützen.

Den zweiten wichtigen Vortrag zum Klimawandel hielt Dominik Rau (Prognos AG) mit dem Titel „Energiewende im Gebäudesektor – Einfluss europäischer Regelwerke auf zukünftige deutsche Maßnahmen“. Generell steht der Kampf gegen den Klimawandel auf den beiden Säulen „Energieeffizienz“ und „regenerative Energiegewinnung“. Rau machte deutlich, dass die jetzigen Maßnahmen nicht ausreichen. Selbst die in Paris beschlossenen Maßnahmen führten zu einer Temperaturerhöhung von 3,5 °C; die gerade in Deutschland beschlossenen Maßnahmen lägen noch deutlich hinter den Pariser Zielen, so Rau. Die regenerative Energieerzeugung sei zwar auf einem positiven Weg, der Gebäudesektor hinke aber deutlich hinterher. Die Sanierungsquote und der Ausbau der Photovoltaik stagnierten. Auch das geplante Gebäudeenergiegesetz (GEG) enthalte keine weitere Steigerung der energetischen Anforderungen. „Gebäude müssten aber heute schon beim Neubau und der Sanierung den KfW-Standard 40 erreichen, um für 2050 den geplanten durchschnittlichen Energieverbrauch von 50 kWh/(m²a) zu erreichen.“ Das was heute unzureichend saniert wird, werde für die nächsten 30 Jahre „zementiert“, weil der Sanierungszyklus bei der Gebäudesubstanz bei circa 40 bis 50 Jahren läge. Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, die kumulierten Endenergieeinsparungen von 2021 bis 2030 jährlich um 0,8 Prozent zu verbessern. „Aufgrund drohender Strafzahlungen von Deutschland in Milliardenhöhe werden die Anforderungen steigen“, so Rau. Eine Verteuerung der Energiekosten würde auch die Wirtschaftlichkeit von Wärmedämm-Maßnahmen verbessern. Konkret empfiehlt Rau eine deutlich höhere CO2-Bepreisung, höhere Anforderungen für Bestand und Neubau, Betriebsverbote zunächst für Öl- und später auch für Gasheizungen, mehr Anreize für Handwerker zum stärkeren Einsatz erneuerbarer Wärmeerzeuger sowie eine vereinfachte Förderlandschaft.

Neben diesen, von der aktuellen Diskussion um den Klimawandel geprägten Vorträgen gab es natürlich Vorträge zu Innovationen im Fenster- und Fassadenbau sowie praktisch nutzbare Infos zur Montage, zum Einsatz von Sicherheitsglas, der Planung von Sonnenschutz oder zur barrierefreien Ausführung von Fenstern und Türen. Wenn Sie mehr über die Vorträge auf den 47. Rosenheimer Fenstertagen erfahren möchten, finden Sie auf der Website der Veranstaltung ausführliche Informationen.