zurück

ift Rosenheim 2021: Klimawandel im Fokus

Auf der Jahrespressekonferenz des ift Rosenheim werden traditionell die operativen Schwerpunkte des Instituts sowie wichtige Trends des kommenden Jahres vorgestellt. Das war in diesem Jahr nicht anders.

ift Rosenheim PK 2021
Aufbruch ins digitale Zeitalter: Die ift-Jahrespressekonferenz fand am 7. Oktober erstmalig im neuen TV-Studio des ift Rosenheim statt. (Abb.: ift Rosenheim)

Natürlich überschattet die Corona-Pandemie derzeit alles – das ift Rosenheim will dennoch die drängenden Probleme in anderen Bereichen nicht aus den Augen verlieren. Das gilt insbesondere für den Klimawandel, der deshalb auch eine wichtige Rolle bei der Vorstellung der Trends und operativen Schwerpunkte des ift im kommenden Jahr spielte: Die Vorgaben der europäischen Klimapolitik seien nur durch radikale CO2-Einsparungen zu erreichen. Und die notwendigen Maßnahmen müssten sich viel stärker als bisher auf den Verkehr und den Gebäudesektor konzentrieren. Um die notwendige Steigerung der Sanierungsquote zu erreichen plädieren die Rosenheimer für schärfere gesetzliche Anforderungen in Kombination mit attraktiven Förderprogrammen. Daraus ergäben sich für 2021 und darüber hinaus vielfältige Konsequenzen und Chancen für die Fenster- und Fassadenbranche.

Warum eine Austauschverpflichtung im Bestand kommen sollte
Nach Analysen des Verbands Fenster und Fassade (VFF) warten über 260 Millionen alte Fenstereinheiten mit Gläsern ohne Low-E-Beschichtung auf einen Austausch. Damit könnten jährlich über 14,1 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Das wären 50 Prozent der 28 Millionen Tonnen, die nach Angaben der dena notwendig wären, um den Klimaschutzplan 2030 für den Gebäudesektor zu erreichen. Hierfür braucht es von der Politik Instrumente wie eine Austauschverpflichtung, eine Verschärfung der energetischen Anforderungen sowie attraktive Förderprogramme. Der finanzielle Aufwand zur Reduzierung von CO2-Emissionen muss durch Förderprogramme kompensiert werden, weil die Kosteneinsparungen bei den derzeitig niedrigen Preisen für fossile Energieträger keinen ausreichenden Anreiz für private und öffentliche Investitionen bieten. Weitere Potenziale zur Verbesserung der Energieeffizienz sieht das ift in mechatronische Beschlägen und Systemen, mit denen sich Fenster, Türen und Sonnenschutzsysteme bedarfsgerecht steuern lassen. Darüber hinaus können auch vertikale Gebäudeflächen zur aktiven Energieerzeugung per Photovoltaik einen Beitrag zur CO2-Minderung leisten. Aus diesem Grund hat das ift Rosenheim für 2021 entsprechende Projekte geplant. Für die zweistufige Montage (Montagezarge) werden Handlungsempfehlungen und konstruktive Grundlagen entwickelt und als Fachinformation veröffentlicht.

ift bietet Weiterbildung zum Lüftungsplaner an
Die meisten Menschen in den Industrieländern verbringen den größten Teil ihrer Lebenszeit in Gebäuden, also Innenräumen. Einem gesunden Raumklima kommt also eine große volkswirtschaftliche und persönliche Bedeutung zu. Natürliches Tageslicht, angenehme Temperaturen und eine gesunde Luftqualität sind wesentliche Einflussfaktoren. Zudem hat die Be- und Entlüftung von Innenräumen durch die Corona-Pandemie eine ganz neue Bedeutung bekommen. Das ift Rosenheim will sich deshalb intensiver mit diesem Thema beschäftigen und Empfehlungen für Lüftungseinrichtungen erarbeiten, mit denen die Raumlufthygiene verbessert wird, ohne dass Raumklima und Behaglichkeit darunter leiden. In den letzten Jahrzehnten seien in vielen Schulen, Büro- und Verwaltungsgebäuden konstruktive Fehler begangen worden. Kompetenten Fenster- und Fassadenbauern bietet sich nach Ansicht des ift Rosenheim dadurch große Chancen, Auftraggeber mit alternativen Sanierungskonzepten und nicht durch das billigste Angebot zu überzeugen. Um Fensterhersteller, -händler und Montagebetriebe bei der anspruchsvollen Aufgabe der Lüftungsplanung zu unterstützen, entwickelt das Institut derzeit ein kostenloses Online-Tool zur Lüftungsplanung mit Fenstern und bietet Seminare sowie eine Weiterbildung zum Lüftungsplaner Fenster an, in der speziell die Vorteile und Konstruktionen einer dezentralen Lüftung aufgezeigt werden. Diese kann durch Fenster und ventilatorgetriebene Lüftungselemente im oder am Fenster erreicht werden. Auch variable Sonnenschutzsysteme werden in den Seminaren thematisiert. Die sind mittlerweile bei jeder Sanierung aufgrund der zu erwartenden regelmäßigen Hitzewellen einzuplanen.

Neue und modifizierte Prüfverfahren für gestiegene Anforderungen
Bauelemente wie Fenster und Fassaden, Türen und Tore sowie Verglasungen müssen sich den gestiegenen Anforderungen und Belastungen durch den Klimawandel stellen: Die oben bereits erwähnten Lüftungselemente, adaptive Sonnenschutzsysteme, Fenster, Türen und Tore, die vor Überschwemmungen schützen und Bauelemente, die Starkwindereignissen und Hagelstürmen widerstehen sind hier gefragt. Das ift Rosenheim entwickelt deshalb modifizierte und neue Verfahren, um die vorhersehbar höheren Anforderungen verlässlich zu prüfen und zu bewerten. So lassen sich im neuen Fassadenlabor beispielsweise Produkte nach nationalen, europäischen sowie US-Normen prüfen; dabei können unterschiedlichste klimatische Bedingungen simuliert werden.

Konzentration auf Prüf- und Klassifizierungsregeln
Durch die Überarbeitung bestehender und die Harmonisierung fertiger Produktnormen auf europäischer Ebene liegt die Normungsarbeit de facto auf Eis. Besonders betroffen ist aktuell die EN 14351-2 für Innentüren, die in Verbindung mit der EN 16034 eine CE-Kennzeichnung von Feuer- und Rauchschutzelementen ermöglichen würde. Auch die Construction Product Regulation (CPR) wird angepasst und weitere Änderungen bringen. Das ift Rosenheim will sich in der Normung deshalb stärker auf Prüf- und Klassifizierungsregeln konzentrieren und Richtlinien und Zertifizierungsprogramme verfassen, um fachgerechte Anwendung, Einsatz und Verbreitung von Produkten zu erleichtern.

Neben der Arbeit an neuen oder angepassten Prüflaboren und -ständen hat sich das ift Rosenheim vorgenommen, beim Thema Digitalisierung die nächsten Schritte zu gehen. Das Institut verfügt bereits über ein umfangreiches Spektrum unterschiedlicher Online-Tools, die zum größten Teil kostenlos nutzbar sind. Diese werden kontinuierlich gepflegt und aktualisiert. Das gilt auch für den sehr erfolgreichen ift-Montageplaner, mit dem schon über 30.000 Nachweise für eine fachgerechte Montageplanung (Montagepass) erstellt wurden. Nun wurden die Berechnungsmöglichkeiten für die Befestigung wesentlich erweitert und die Planung des oberen und unteren Baukörperanschlusses integriert. Noch in der Erprobungsphase ist der innovative Service „digiTEST“, der gemeinsam von der ift MessTec und dem ift-Prüfbereich entwickelt wurde. Mit diesem des ift lassen sich Prüfungen weltweit durchführen, ohne physisch vor Ort zu sein. Die ift Akademie hat die Voraussetzungen geschaffen, während der Corona-Pandemie ihr Angebot online anbieten zu können: Es wurde in die notwendige Technik für Video, Onlineseminare, Streaming, Lernplattformen und die Schulung der Mitarbeiter investiert. So konnten bereits zwei digitale Konferenzen organisiert werden. Dieses Angebot soll 2021 weiter ausgebaut werden. Weitere Informationen über die Pläne des ift im kommenden Jahr finden Sie auf der Website des Instituts.