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Handwerker spielen, Handwerker werden?

Wie fühlt es sich an, einen Handwerksbetrieb zu führen? Schülerinnen und Schüler können es mit einer neuen Simulationssoftware ausprobieren: „Meisterpower“ gibt Einblicke in die Berufswelt und soll Hilfestellung bei der beruflichen Orientierung leisten.

Wirtschaftssimulation Meisterpower
Die Wirtschaftssimulation Meisterpower soll bei jungen Menschen das Interesse an Handwerksberufen wecken. (Abb.: Andrea Weber-Tuckermann /Uni Ulm)

Für ihre Mission schlüpfen Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Unterrichts virtuell in die Haut eines Anlagenmechanikers, eines Zimmerers oder Elektronikers.

Entwickelt wurde das browserbasierte Computerspiel im Auftrag des baden-württembergischen Handwerks von Spielentwicklern der Würzburger Firma Gentle Troll Entertainment in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Ulm.

Mehr Interesse am Handwerk wecken

In der Rolle eines selbstständigen Handwerkers lernen die Spielerinnen und Spieler Abläufe und Zusammenhänge in einem Unternehmen kennen. Sie müssen Aufträge an Land ziehen, Angebote kalkulieren, Kredite aufnehmen, Ressourcen aufteilen und Rechnungen stellen. Dabei geht es immer darum, den Betrieb als Ganzes im Blick zu behalten. Lerninhalte und Kompetenzen, die durch das Spiel vermittelt werden, orientieren sich am Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg, insbesondere am neuen Schulfach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ (WBS), das im Schuljahr 2016/17 eingeführt wurde. „Meisterpower“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in allgemeinbildenden Schulen. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) hat die Entwicklung dieses Lernspiels in Auftrag gegeben, um bei jungen Menschen das Interesse an handwerklichen Berufen zu wecken.

Hintergrund ist der gravierende Fachkräftemangel und ein seit Jahren wachsendes Nachwuchsproblem im Handwerk. Seit dem Schuljahr 2017/18 stellt das baden-württembergische Handwerk das Programm kostenlos für Schulen zur Verfügung.

Als Lernsoftware gehört „Meisterpower“ zu den sogenannten „Serious Games“, also zu den ernsthaften Spielen. In dieser Kategorie war es Anfang des Jahres für den Deutschen Computerspielpreis nominiert worden. „Die spielerische Vermittlung von Lerninhalten funktioniert auch bei Wirtschaftsthemen sehr gut“, sagt Dr. Claudia Schrader, Juniorprofessorin im Bereich „Serious Games – Kompetenzförderung durch adaptive Systeme“ an der Universität Ulm.

Ein Evaluationsbericht, der Ende März von Schrader übergeben wurde, legt nahe, dass das Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge sowie das Interesse am Handwerk bei den Spielerinnen und Spielern nach dem Spielen gestiegen sind. Die Resonanz aus den Schulen ist positiv.