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GEG: „Eine große Chance vertan“

Am 1. November 2020 ist das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft getreten. Das Deutsche Energieberater-Netzwerk DEN e.V. (DEN) und der BDB Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB) haben noch einmal deutlich gemacht, dass ihnen das neue Gesetz nicht weit genug geht.

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Am 1. November ist das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Kraft getreten. Einigen Verbänden ist es nicht ambitioniert genug. (Abb.: Thorben Wengert / pixelio.de)

Das GEG sei ein Lehrbeispiel dafür, dass Politik sich schwertut, konsistente Entscheidungen zu treffen, meint der Vorstand des DEN. Die Koalition habe sich an ihre Koalitionsvereinbarung gehalten und umgesetzt, was vereinbart wurde – keine Verschärfungen im Gebäudebestand, keine wesentlichen Herausforderungen im Neubau – und damit verpasst, die Dynamik der Klimabewegung aufzunehmen und mutige Entscheidungen zu treffen für einen zukunftsfähigen Gebäudebestand.

Es sei gut, dass das Gesetz auf den Weg und durch den Bundestag gebracht worden sei und dass „endlich seit 5 Jahren überholte Normen nicht mehr Bilanzierungsgrundlage im Ordnungsrecht sind“. Dass bei der Ausstellungsberechtigung von Energieausweisen in NWG nun auch Menschen ohne akademische Grundausbildung, aber mit Praxiserfahrung und gleichwertiger Qualifikation zugelassen sind, erfülle eine langjährige Forderung des DEN. Sanierungsfahrpläne werden nach Ansicht des DEN einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten müssen. Die Umsetzung durch kostenfreie, im Grundsatz aber honorarpflichtige Beratungsleistungen sei jedoch nicht optimal.

Darüber hinaus hat das Deutsche Energieberater-Netzwerk noch einmal seinen Fünf-Punkte-Plan für ein GEG präsentiert, den es schon im vergangenen Jahr vorgestellt hatte. Die wichtigsten Eckpunkte dieses Plans sind die Begrenzung des mittleren U-Wertes als Anforderungswert an die Gebäudehülle und die Begrenzung des Fensterflächenanteils, ein Mindestwert für die Deckung des Primärenergiebedarfs durch Erneuerbare Energien sowie die Einführung eines Maximalwertes für den CO2-Ausstoß als Maßstab für die Klimaverträglichkeit. Das gesamte Papier aus dem Jahr 2019 inklusive Fünf-Punkte-Plan finden Sie hier.

Die Umsetzung der Förderstrategie für Gebäude müsse wirklich Impulse setzen und zu einer Steigerung von Sanierungszahlen und von Qualität beitragen und nicht nur zusätzliche Mitnahmeeffekte generierten, so das DEN weiter. In Bezug auf die eigene Tätigkeit hofft das Netzwerk,
„dass es eine Möglichkeit gibt, die über 10.000 Normenseiten, die im GEG als Grundlage in Bezug genommen sind, barrierefrei – also kostenfrei - zugänglich zu machen,
dass die Softwarehersteller zeitnah alle Änderungen einpflegen können und die Kosten unserer Softwarelizenzen dafür nicht überproportional steigen,
dass der Bund die Bedeutung der Qualifizierung erkennt und alle Planer, Bauherren und vor allem die Bauaufsichten mit zielgruppenadäquaten Weiterbildungshilfen unterstützt
und dass kostenlose Energieberatung staatlich finanzierter Institutionen nicht zu einer Entwertung der hochqualifizierten Arbeit von Architekten, Ingenieuren und unabhängigen Energieberatern führt.“

„Leider ist auch im Bestand keine Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien bei privaten Gebäuden vorgesehen“
Der BDB bedauert, dass mit GEG eine „große Chance vertan“ worden sei. Im Sinne des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050 habe der BDB von den neuen Regelungen erwartet, einen substantiellen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen in Deutschland zu leisten. „Auch wenn die Zusammenführung der alten Verordnungen vieles erleichtert, ist die inhaltliche Ausgestaltung des GEG für die Erreichung der Klimaziele unzureichend“, betont BDB-Präsident Christoph Schild. „Es werden Maßnahmen in die Zukunft verschoben, die heute dringend notwendig sind, während wertvolle Zeit weiter ungenutzt verstreicht. Das Gesetz ist ein Kompromiss, von dem die falschen Signale ausgehen.“

Der BDB ist der Ansicht, dass die dringlichsten Aufgaben klimagerechten Bauens durch das neue GEG nicht genügend angegangen werden. Beim Neubau brauche es eine grundsätzliche Neuausrichtung unter Berücksichtigung der in den Baustoffen gebundenen „grauen Energie“ und der C02-Emissionen im gesamten Lebenszyklus. Leider sei auch im Bestand keine Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien bei privaten Gebäuden vorgesehen.

„Mir fehlen in dem Gesetz neue Ansätze, die den Kolleginnen aus der Bauplanung mehr Raum für Experimente und Innovation lassen. Gerade im Neubau brauchen wir einen Paradigmenwechsel. Der Einsatz von Baustoffen mit einer deutlich besseren Energiebilanz bei der Herstellung sollte belohnt werden. So würde ein Anreiz geschaffen, graue Energie und damit CO2 einzusparen“, so Schild weiter.

www.deutsches-energieberaternetzwerk.de
www.baumeister-online.de
www.pixelio.de