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Feuchteschutz bei der Kellersanierung sichern

Anfang des Jahres ist die 2. Auflage des Fachbuches „Kellersanierung – Ratgeber für die Praxis“ von Robert Graefe erschienen. Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Gänßmantel hat es kritisch gelesen.

Cover Kellersanierung 2. Auflage
(Abb.: Verlagsgesellschaft Rudolf Müller)

In den letzten Jahren beobachtet man eine Zunahme der Schäden an Gebäuden, die auf erhöhte Grundwasserstände beziehungsweise eine auf geänderte Wasserbelastungen unangepasste Konstruktion zurückzuführen sind. Bauwerke, deren Untergeschosse bislang trocken waren, stehen plötzlich im Wasser. Die Schadensbilder sind oft ähnlich: Es treten Wassereinbrüche, hohe Durchfeuchtung der Bauteile und mikrobiologischer Befall auf. Aber auch die Ansprüche der Nutzer an Kellerräume haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich geändert. Waren Keller früher Lagerräume für Lebensmittel, Brennstoffe und so weiter, sind sie heute oftmals hochwertig genutzte Wohn-, Büro-, Archiv- oder Wellnessbereiche mit entsprechend komplexen bauphysikalischen und bautechnischen Anforderungen. Diese geänderten Randbedingungen führen offensichtlich zusammen mit einer nicht auf die Beanspruchung angepassten Konstruktion, Abdichtung und Nutzung zu einer Zunahme an durchfeuchteten Gebäuden.

Zur nachträglichen horizontalen und vertikalen Abdichtung stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl. Die Bandbreite der Materialsysteme und Technologien – von Außenabdichtungen über Bohrloch- oder Gelinjektionen und mechanischen Horizontalsperren bis hin zu raumseitigen Negativabdichtungen – ist groß und teilweise unüberschaubar. Die Problematik dabei ist, dass die Wahl des richtigen Abdichtungssystems keine „Konfektion von der Stange“ ist. Vielmehr muss für jedes Gebäude ein maßgeschneidertes Abdichtungskonzept geschaffen werden. Gleichzeitig müssen dabei die geänderten Anforderungen der aktualisierten Regelwerke berücksichtigt werden.

Ein Schwerpunkt bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen bildet die Frage nach systematischer Vorgehensweise und angepassten Problemlösungen, von der Untersuchung und der Bestandsanalyse über die Auswertung von Messungen, Prüfungen und Beurteilungsgrundlagen bis hin zur Entscheidungsfindung für geeignete Sanierungsmaßnahmen und schließlich deren fachgerechte Planung und Durchführung. Dabei muss man gleichzeitig auch die Konsequenzen aus dem möglichen Verzicht auf die technisch jeweils erforderlichen Maßnahmen im Auge behalten, wenn beispielsweise rein wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen oder aus Gründen des Denkmalschutzes bestimmte Maßnahmen nicht zugelassen werden.

Diesem Anspruch trägt das Buch Kellersanierung von Robert Graefe als Ratgeber für die Praxis voll und ganz Rechnung. Es wurde 2018 in 2. Auflage aktualisiert und erweitert. Neben den oben genannten Aspekten zum „klassischen“ Feuchteschutz hat der Autor neue Kapitel zu den Themen „Hochwasser-und Starkregenschutz für den Keller“ hinzugenommen, die bereits vorhandenen Kostentabellen und Ausführungsgrafiken umfangreich aktualisiert und ergänzt und Details, insbesondere zu den seit 2017 gültigen neuen Abdichtungsnormen DIN 18195 und DIN 18533 berücksichtigt.

Das Buch deckt damit die feuchteschutztechnischen Aspekte einer Kellersanierung in einem breiten Bereich ab und ist ein praktischer Ratgeber dafür. Es wendet sich an die Zielgruppe der Baupraktiker, aber auch an interessierte Bauherren und Planer, um ihnen Hilfen für eine sichere Schadensdiagnose, die Wahl geeigneter Sanierungsmethoden sowie für die Kalkulation und die Durchführung feuchteschutztechnischer Sanierungsmaßnahmen zu geben.

Nicht angesprochen werden in diesem Fachbuch die, insbesondere bei erhöhten Nutzungsklassen von Kellerräumen, erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes bei allen Kellerbauteilen. Auch zu dem, vielfach bei Kellerschäden vorkommenden Befall mit Mikroorganismen, zum Beispiel durch Schimmelpilze und holzzerstörende Pilze, findet man in dem Buch keine Informationen. Ebenso sind anlagentechnische Aspekte, die über die Grundlagen der Be- und Entlüftung hinausgehen oder die Kellerbeheizung zum Beispiel über Wandflächenheizsysteme behandeln, nicht berücksichtigt. Bei Fragen zu diesen Fachbereichen der Kellersanierung muss man auf andere Ratgeber und Praxishandbücher zurückgreifen.

Jürgen Gänßmantel

https://www.baufachmedien.de/kellersanierung-ratgeber-fuer-die-praxis.html