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Feinsand für Betone nutzbar machen

Beton ist der meistgenutzte Baustoff der Welt. Doch um Beton herzustellen, benötigt man unter anderem Sand, eine Ressource, die immer knapper wird. Das Unternehmen Multicon hat nun bisher nicht nutzbare Feinsande, wie sie zum Beispiel in der Wüste vorkommen, für die Betonindustrie nutzbar gemacht.

Wüstensand Schnittfläche Prüfkörper
Mit einer neuen Verfahrenstechnik können zukünftig auch feine Sande für hochwertige Betone verwendet werden. (Abb.: Multicon)

Beton ist aus der heutigen Bauindustrie nicht weg zu denken, denn die langlebige Mischung aus Sand, Kies, Zement und Wasser bietet Raum für Gestaltungsmöglichkeiten sowie die nötige Festigkeit und Stabilität.

Für die Umsetzung zukünftiger Bau-Projekte, insbesondere für die geplanten Mega-Bauten, wie beispielsweise in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder im Raum Asien, werden in den nächsten Jahren weltweit immense Mengen an Sand und Kies zur Betonherstellung benötigt. Dabei eignen sich bislang nur grobkörnigere Sande, wie sie an den Küsten angespült werden, für die Herstellung des beliebten Baustoffs.

Die vorhandenen Ressourcen reichen nicht aus, um den aktuellen Bedarf zu decken. Das führt zu höheren Beschaffungskosten, zur illegalen Sandgewinnung und damit zu weltweiten gravierenden politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgen.

Wüstensande und Recyclingabfälle werden zu Rohstoffen

Die Firma Multicon hat nun ein patentiertes Verfahren zur Herstellung von Betonen aus Feinsanden vorgestellt – insbesondere die großtechnische Betonherstellung aus Wüstensand. Dem internationalen Fachpublikum der Betonindustrie wurde Ende November diesen Jahres auf der Messe „ICCX Middle East 2018“ in Sharjah erstmals das Verfahren zur „Umwandlung“ von bisher nicht geeigneten Wüstensand in hochwertige Betonzuschlagstoffe präsentiert. Im Rahmen dieses neuen Verfahrens werden große Mengen an sehr feinen Sanden in geeignete Betonzuschlagstoffe umgewandelt.

Auch in Deutschland haben bisher große Mengen von unbrauchbaren, ungenutzten Feinsanden als „Abfallprodukt“ nicht unerhebliche Umweltschäden verursacht. Mit dem neuen Verfahren können diese Sande nach Angaben des Entwicklers nun auch für die deutsche Betonindustrie nutzbar gemacht werden. Das Endprodukt sind qualitativ hochwertige, kostengünstigere, umweltschonendere, nachhaltige und zukunftsorientierte Betone.

 „Sand ist knapp, obwohl es Feinsand, wie Wüstensand, in rauen Mengen gibt. Bislang wurde aber noch keine Technologie entwickelt, mit der man sich die Ressource Feinsand zunutze machen kann“, beschreibt Dr. Helmut Rosenlöcher, Technischer Direktor bei Multicon, das Paradoxon. Aufgrund ihrer Feinheit, ihres Kornspektrums und der glatten Oberflächen waren Fein- und Wüstensande bisher für die Herstellung von Betonen ungeeignet. Im Jahr 2017 gelang dem aus Weißenfels stammenden Chemiker der entscheidende Schritt, um hochwertige Betone aus Wüstensanden herzustellen. Rosenlöcher hatte die Idee, den schon sehr feinen Wüstensand noch feiner aufzumahlen. Das pulverisierte Produkt wird anschließend mit mineralischen Bindemitteln zu druckfesten Pellets granuliert. Mit diesen Granulaten werden dann unter Anwendung einer vom Unternehmen entwickelten Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie qualitativ hochwertige Betone hergestellt, die bis zu 25 Prozent leichter sind, schneller erhärten und 24 Stunden nach der Herstellung nach Angaben der Entwickler mehr als doppelt so hohe Festigkeiten aufweisen als übliche Standardbetone.

Dabei ermöglicht das Verfahren eine Zement-Reduktion von 40 Prozent und bringt eine CO2-Einsparung von bis zu 30 Prozent mit sich. „Unser Bestreben ist es, das Produkt Beton in höchstem Maße zu optimieren und bezüglich Ressourcenschonung zukunftsfähig zu machen“, sagt  Geschäftsführer Dr. Leopold Halser.

Auch in Deutschland ist Sand ein immer knapper werdender und somit immer werthaltigerer Rohstoff, der nicht unbegrenzt zur Verfügung steht und häufig mit sehr hohem Transportaufwand an die Verbrauchsstellen geliefert werden muss. Hierzulande beträgt der Sand- und Kiesverbrauch mehr als 240 Millionen Tonnen. Die dazu notwendigen Flächen zum Abbau der Sand- und Kiesvorkommen würden pro Jahr zwischen 400 bis 600 Hektar Nutzfläche verschlingen, das ist mehr als die Größe des Wannsees.

Insbesondere bisher ungenutzte Feinsande verarbeiten zu können und nicht wie bisher zu entsorgen, bietet somit einen Vorteil für den Umweltschutz. Der Entwickler gibt an, mit dem Verfahren auch solche Feinsande nutzbar machen zu können, die bisher als Abfallprodukte aus dem Betonrecycling hervorgingen.

Weitere Informationen über die Technologie und das Unternehmen finden sich auf der Website des Entwicklers Multicon .