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Fachwerkhaus mit Innendämmung saniert

In der Altstadt von Halberstadt stehen heute knapp 450 Fachwerkgebäude. Dazu zählt auch das Kolpinghaus, das durch eine sorgsame Sanierung vor dem Verfall gerettet wurde. Durch eine speziell für das Fachwerk entwickelte Innendämmung wird eine deutlich verbesserte Energieeffizienz erreicht.

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In Deutschland stehen etwa 2 Millionen Fachwerkaltbauten, die einen beträchtlichen Teil des Wohnungsbestandes ausmachen. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH/E. Reinsch)

Die Modernisierung des Kolpinghaus von 1671 wurde im Rahmen der „Modellstadt für die Stadtsanierung“ durch Stadt, Land und Bund gefördert. Durch ein neues Nutzungskonzept sind seitdem zwölf Wohneinheiten entstanden. Nach der Entkernung des Gebäudes folgte die komplette Erneuerung von Heizungen und Sanitäranlagen, gefolgt von Dachsanierung und Innendämmung. Der Anbau eines Fahrstuhls an der Rückseite des Hauses sowie die Überarbeitung der Fassade erfolgten im Sommer.

Spezielle Innendämmung für Fachwerk

Die energetische Sanierung eines Fachwerkhauses beeinflusst stark die gesamte Konstruktion und die damit verbundenen bauphysikalischen Prozesse. Sie ist daher sorgfältig und immer individuell für das einzelne Objekt zu planen. Im Kolpinghaus gab es bis dato allerdings gar keine Dämmung.Nach Freilegung des Fachwerks zeigten sich erhebliche Schäden an den Fachwerkbauteilen und im Dachstuhl, welche selbst der hinzugezogene Holzschutz-Sachverständige vor der Freilegung nicht erkennen konnte. Diese Schäden mussten von einem spezialisierten Zimmererei-Fachbetrieb instand gesetzt werden.

Herausforderungen bei der Fachwerksanierung

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Erst bei der Freilegung des Fachwerks wurden die zahlreichen Schäden durch den früheren Einbau ungeeigneter Baustoffe sichtbar. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Das Kolpinghaus besteht aus einem Kellergeschoss, Erdgeschoss, zwei Obergeschossen und drei Dachgeschossen. Saniert wurden alle Geschosse. Zum Einsatz kamen unterschiedliche Baumaterialien: Holz als Fachwerk mit einer Stärke von ca. 20 cm, Hochlochziegel, Kalksandstein und Lehmausfachungen im Fachwerk. Das Ziegelmauerwerk variiert zwischen 115 und 365 mm Wandstärke. Fugenreiche Konstruktionen aus hölzernem Tragwerk und verschiedenen Ausfachungsmaterialien reagieren empfindlich auf jegliche Veränderung. Bei Objekten, bei denen das Fachwerk außen sichtbar bleiben soll, ist ein Wärmeschutz noch schwieriger zu realisieren.

Der maßgebende Unterschied des Fachwerks zu herkömmlichen Ziegelkonstruktionen besteht darin, dass der Baustoff Holz sich der relativen Feuchte der umgebenden Luft anpasst. Diese Feuchte wiederum beeinflusst erheblich das Schwinden und Quellen des Holzes. Den jahreszeitlichen Witterungen ausgesetzt ist es also ständig in Bewegung und macht eine schlagregendichte Fugenausbildung der Fachwerkfassade unmöglich. Diese Tatsache muss sowohl bei der Beurteilung der Konstruktion als auch bei den erforderlichen regelmäßigen Wartungen berücksichtigt werden.

Ideale Dämmstärke: 60 mm

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Häufig tretenden Unebenheiten an den Innenwänden von Fachwerkhäusern auf. Diese müssen ausgeglichen werden. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Alle Außenwände, die nicht von außen gedämmt werden konnten wie beispielsweise die Fachwerkwände, wurden innenseitig mit „TecTem Historic-System“ gedämmt. Dazu zählen neben der Dämmplatte u.a. der Grundputz Lehm und der Klebespachtel Lehm. Die mineralische Dämmplatte „TecTem Insulation Board Indoor Historic“ von Knauf Aquapanel nimmt durch ihre Diffusionsoffenheit und ihre Kapillaraktivität die genannten Herausforderungen an. Auch die für ein Objekt ideale Dämmstärke muss nicht erst ermittelt werden: Die 60 mm dicke Dämmplatte hat sich als optimal für Fachwerkkonstruktionen herausgestellt. Es konnte in vielfachen Simulationen nachgewiesen werden, dass nicht nur die Anforderungen aus dem

Mindestwärme- und Feuchteschutz erfüllt sind und eine Schimmelwahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann, sondern auch die Anforderungen der EnEV 2009 (U-Wert ≤ 0,84 W/m²K) für Sichtfachwerk erfüllt werden.Die Dämmplatte wird durch folgende Systemkomponenten optimal ergänzt: „ TecTem Grundputz Lehm“ als Ausgleichsputz für Sichtfachwerkwände oder bei größeren Unebenheiten des Bestandsputzes sowie den „TecTem Klebespachtel Lehm“, zum Anbringen der Dämmplatten.

  Unebenheiten mit Grundputz aus Lehmausgleichen

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Auf die mit Grundputz vorbereitete Wand wurden die fürs Fachwerk entwickelten Dämmplatten aufgebracht. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Gebäude mit Sichtfachwerk haben nur selten ebene Wände, insbesondere bei alten Scheunen oder ähnlichen Gebäuden, die heute aber oft zu Wohnräumen umgebaut werden. Gefache und Holz zeigen Versprünge, die eine effiziente und sorgfältige Dämmung erschweren. Diese Unebenheiten müssen zunächst mit einem Material ausgeglichen werden, das ein ähnliches Feuchteverhalten wie Holz aufweist, zudem möglichst plastisch sein sollte, um Bewegungen aus dem Untergrund auszugleichen und in großen Schichtstärken aufgetragen werden kann. Hier kam der Grundputz zum Einsatz. Er passt sich optimal der späteren Dämmung, aber auch dem Feuchteverhalten des Holzes an.

Klebespachtel Lehm mit Verbundhaftung

Der Klebespachtel ist mit einer hohe Verbundhaftung und Abrutschsicherheit kapillaraktiv und wasserdampfdurchlässig.Sollte es zu einem Tauwasserausfall innerhalb des Wandaufbaus oder einem Feuchteeintrag über die Fugen von außen kommen, ermöglicht diese Systemkomponenten in Verbindung mit der Platte durch ihre kapillare Leitfähigkeit, dass Auffeuchtungen sowohl nach innen als auch nach außen schnell wieder abgeben werden können.

Objektspezifische Planung der Dämmung

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Die Wände mit den verklebten Dämmplatten werden anschließend mit Grundierung versehen. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Im Vorfeld wurde das Institut für Bauklimatik der TU Dresden mit Analysen und Simulationen zu den Wandaufbauten, insbesondere aber auch zu folgenden Anschlussdetails, beauftragt: Ausbildung der Fensteranschlüsse, Gebäudeeckausbildung zum Giebel und Erkersituation mit Versatz. Um die Komplexität der Sanierung realitätsnah abbilden zu können, wurde das wissenschaftliche Simulationsprogramm DELPHIN für den gekoppelten Wärme-, Feuchte-, und Stofftransport in kapillarporösen Baustoffen eingesetzt. Die Simulationen berücksichtigten objektspezifisch zum Beispiel die Schlagregenbelastung, aufsteigende Feuchte und eingebrachte Baufeuchte am Objekt. Beim Kolpinghaus wurde unter Berücksichtigung der Bestandsituation, des Einflusses der umgebenden Bebauung, vorhandener Vorsprünge des Hauses und eines großen Dachüberstandes die Schlagregenbelastung mit 30 % definiert. So wurden die Detaillösungen der Anschlüsse geprüft und falls erforderlich angepasst. Darüber hinaus folgten Empfehlungen zur Wahl des Farbanstrich auf der Außenseite, der schlagregendicht, diffusionsoffen und wasserabweisend sein muss.

Vorbereitung des Untergrundes

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Bei Gefachen, die vollständig erneuert werden mussten oder große Rücksprünge aufwiesen, wurden Lehmziegel eingesetzt. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Für die Montage der Dämmplatten musste zunächst ein tragfähiger und ebner Untergrund geschaffen werden. So mussten zahlreiche Rücksprüngen und Unebenheiten der Wand erst ausgeglichen werden. Bei Gefachen, die vollständig erneuert werden mussten oder große Rücksprünge aufwiesen, wurden Lehmziegel eingesetzt. Die Holzbalken wurden mit Schilfrohrgewebe überspannt. Schilfrohrgewebe ist ein traditioneller Putzträger und wurde schon im 18. Jahrhundert verwendet. Heutzutage wird Schilfgewebe als Putzträger vor allem beim biologischen Bauen, im Fachwerk und im Bereich der Denkmalpflege als historischer Baustoff eingesetzt. Dann wurde der Grundputz vollflächig über Gefache und Holz aufgebracht. Auf diesen jetzt planen Untergrund konnte die 60 mm starke Dämmplatte mit dem Klebespachtel aufgeklebt werden.

Innenwände und Decken

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Im entkernten Fachwerkhaus wurden fast alle Innenwände neu eingezogen. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Da die Innenwände nachträglich im Trockenbau errichtet wurden, konnte die Dämmung durchlaufend über die gesamten Innenseiten der Fachwerkaußenwände gezogen werden. Die Trockenbauwände wurden dann direkt davor gestellt, so dass es hier keine Problemstellung durch Wärmebrücken gab.

  Heizkörper und Steckdosen

Die Flächen unter den Heizkörpern wurden ebenfalls gedämmt. Die Befestigung der Heizkörper erfolgte mit Spezialdübeln, um Wärmebrücken zu vermeiden. Auf den Innenseiten der Außenwände wurden Steckdosen und so weit wie möglich vermieden. Da die Innenwände neu errichtet wurden, konnten sie problemlos dort untergebracht werden. An den wenigen Stellen, wo dennoch Steckdosen installiert wurden, wurde darauf geachtet, dass immer noch Dämmmaterial hinter den Dosen lag und keine direkte Verbindung mit der Außenwand bestand.

Geprüft wurden vom Institut für Bauklimatik außerdem die Wärmebrücken im Bereich der gedämmten Ecken an Erkern und an den Versatzstellen vom 1. zum 2. OG. Als Klimadaten wurde das Klima Mitteldeutschland angesetzt. Im Ergebnis konnte eine Schimmelbildung nach dem DIN-Nachweis 4108-2 im kritischen Punkt ausgeschlossen werden, da weder die zulässige Minimaltemperatur unterschritten noch die zulässige maximale Feuchte überschritten wurde. Die Trocknungszeiten der eingebrachten Materialien wurden genauestens eingehalten, damit keine unnötige Feuchte im Bauwerk verbleibt und gegebenenfalls die Holzbauteile beeinträchtigt.

Fenster und Wandoberfläche

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Bei der Dämmung der Laibungsplatten ist es wichtig auf die fachgerechte Ausführung der luftdichten Anschlüsse zu achten. (Abb.: KNAUF AQUAPANEL GmbH)

Die Dämmung der Fensterlaibungen erfolgte mit der 25 Millimetern starken Laibungsplatte. Eine noch dickere und damit vorteilhaftere Laibungsdämmung konnte aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht eingesetzt werden. In besonders kalten und langen Wintern besteht allerdings ein erhöhter Lüftungsbedarf, um die Schimmelbildung tatsächlich auszuschließen. Auch eine Kalkglätte mit Kalkfarbe oder Sumpfkalk minimieren in diesem Bereich das Schimmelrisiko. Insbesondere schwere Vorhänge sollten nicht angebracht werden.

Die Wandoberflächen wurden zum größten Teil mit einer diffusionsoffenen Farbe gestaltet. Kleinere Flächen in den Sanitärbereichen wurden gefliest.

Die geringen Kosten der Sanierung erklären sich durch die Tatsache, dass das Ausbauvorhaben auch genutzt wurde, um Azubis des Kolpingwerkes bei ihrer Arbeit einen guten Praxisbezug zu geben. Tischler, Maler und Zimmerer, die in Hettstedt und Walbeck ihr drittes Lehrjahr absolvieren, kamen in Halberstadt zum Einsatz.

Bautafel
Bauherr: Kolpingwerk, www.kbbwhettstedt.de
Architektur: AOF Architektur, Oliver Flügel, H. Kahn
Bauleitung: Werner Flügel
Verarbeiter Trockenbau: Behrens Bau GmbH, www.behrens-hbs.de
Simulationen zum Objekt: Institut für Bauklimatik (IBK) der TU Dresden, www.tu-dresden.de  
Technische Beratung Knauf Aquapanel: Andrea Grond, www.knauf-aquapanel.com