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Fachsymposium: Neue Richtlinie im Fokus

Auf dem 27. Fachsymposium der Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken Nordrhein-Westfalen (LIB NRW) stand das Thema Instandhaltungsrichtlinie im Vordergrund. Sebastian Fink, Vorsitzender der LIB NRW, äußerte die Hoffnung, dass noch in diesem Jahr eine neue Richtlinie eingeführt wird.

Referenten 27. Fachsymposium Betoninstandsetzung
Die hochkarätigen Referenten des Fachsymposiums (von links): Prof. Dr.-Ing. Rainer Auberg, Wissbau Beratende Ingenieurgesellschaft mbH, Essen; Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Raupach von der RWTH Aachen University und Obmann des RiLi-SIB-Ausschuss; Dr.-Ing. Michael Fiebrich, Sasse & Fiebrich Bau Ingenieur Sozietät, Aachen; Dr.-Ing. Stefan Ehmann, WTM Engineers, Hamburg; Sebastian Fink, Vorsitzender der LIB NRW e. V., Krefeld und Technischer Leiter SBS GmbH; Bernd Eckhard vom SGS-TÜV Saar GmbH, Kaiserslautern; Dr. Martin Stelzner von der Kanzlei Kapellmann & Partner, Mönchengladbach; Dipl.-Ing. Frank Pawlik, Geschäftsführer der LIB NRW. (Abb.: Rita Jacobs)

Das Motto der Veranstaltung, die in diesem Jahr mit 340 Teilnehmern so viele Fachleute wie noch nie zuvor in die Dortmunder Westfalenhalle lockte, lautete: „Betoninstandhaltung heute für die Zukunft.“ Das Ziel sei, so Sebastian Fink in seiner Begrüßungsrede, durch gütesichernde Maßnahmen bei der Betonerhaltung für eine langfristige Werthaltigkeit der Bausubstanz zu sorgen und Gefahren für die Allgemeinheit aus Mängeln der Bausubstanz abzuwehren. Als Erfolg verbucht der Vorsitzende der LIB NRW dabei die Tatsache, dass die Fremdüberwachung als gütesichernde Maßnahme von den ausschreibenden Stellen immer öfter als eigenständige Position in die Leistungsverzeichnisse integriert wird.

Vor diesem Hintergrund, unterstrich Fink, sei es umso notwendiger, dass die neue Instandhaltungs-Richtlinie 2019 eingeführt werde, um dem „Thema Qualität und Nachhaltigkeit bei der Ausführung von Betoninstandsetzungsmaßnahmen den notwendigen Stellenwert im deutschen Markt zu geben und um Klarheit zu schaffen für Planer, ausführende Unternehmen und für Auftraggeber“. Er hoffe, dass die jahrelange Arbeit der Ausschüsse im Deutschen Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) doch noch von Erfolg gekrönt sei.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Raupach von der RWTH Aachen University, der Obmann des für die Richtlinie für Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen (RiLi-SIB) zuständigen Ausschusses, wollte diese Zuversicht nicht bestätigen, betonte aber Fortschritte. In seinem Vortrag zur aktuellen Situation der neuen Instandhaltungsrichtlinie verwies er darauf, dass es nach wie vor konträre Diskussionen um den Umgang mit den erforderlichen Verwendbarkeitsnachweisen für die Stoffe beziehungsweise Stoffsysteme gibt. Hierzu seien Lösungsansätze erarbeitet worden, die derzeit juristisch geprüft würden. Das Gelbdruckverfahren (Normentwurf) zur Instandhaltungsrichtlinie werde so lange pausieren, bis die aufgeworfenen Rechtsfragen geklärt seien. Diese beträfen im Wesentlichen die Produktregelungen (Teil 2). „Nach Klärung der Rechtsfragen“, so der Obmann des RiLi-SIB-Ausschusses, „wird entschieden, wie mit dem Gelbdruck weiter verfahren wird.“

Zustandserfassung, Qualität der Bauprodukte sowie Wartung und Schutzmaßnahmen

Dr.-Ing. Stefan Ehmann von den WTM Engineers erläuterte anhand von Praxisbeispielen, wie wichtig eine möglichst genaue und detaillierte Erfassung des Ist-Zustands für eine erfolgreiche Planung einer Instandsetzungsmaßnahme ist. Er unterstrich darüber hinaus, dass „die Unterlassung eine vergleichbare Haftungsrelevanz wie vernachlässigte Grundlagenermittlung nach HOAI“ besitze. Dr.-Ing. Michael Fiebrich, Sasse & Fiebrich Bau Ingenieur Sozietät, konfrontierte das Auditorium mit der These, dass eine Instandsetzung nur so gut ist, wie die verwendeten Bauprodukte und trat im weiteren Verlauf anhand von ausgeführten Instandsetzungen unterschiedlicher Objekte den entsprechenden Beweis an. Effektive Qualitätssicherungs-Maßnahmen setzten voraus, dass der Produkthersteller rechtsverbindlich alle Leistungsmerkmale deklariert, die die Bauwerksanforderungen erfüllen. Diese Angaben benötige der Bieter, damit der Planer dem Bauherrn eine rechtskonforme Vergabeempfehlung vorlegen kann. „Bauprodukte“, so Dr. Fiebrich, „spielen eine entscheidende Rolle für das Gelingen einer Instandsetzung.“

Typische Schadensbilder mit Ursachen, Schadensuntersuchungen sowie potentielle Instandsetzungsmöglichkeiten bei Tiefgaragen und Balkonen als den Sorgenkindern in der Wohnungswirtschaft präsentierte Prof. Dr.-Ing. Rainer Auberg von der Wissbau Beratende Ingenieurgesellschaft mbH und beruhigte dabei gleichzeitig: „Man kann sehr viel am Gebäude machen, ohne dass es viel Geld kostet.“ Entscheidend sei, dass Wartungs- und Schutzmaßnahmen frühzeitig ergriffen würden. In weiteren Vorträgen stellten Bernd Eckhard von der SGS-TÜV Saar GmbH die Möglichkeiten der Ertüchtigung und Prüfung von „WHG-Abdichtflächen“ aus Ortbeton vor und Rechtsanwalt Dr. Martin Stelzner von der Kanzlei Kapellmann & Partner, Mönchengladbach nahm Stellung zu Abrechnungsfragen des neuen Bauvertragsrechts. Im Fokus standen dabei die Themen Vergütung, insbesondere unter den Stichworten Nachtragsvergütung, Abschlagszahlungen, Leistungsverfügung und Schlussabrechnung. Seine Bilanz war durchaus positiv: Die Reform des Werkvertragsrechts habe es für Auftragnehmer leichter gemacht, Nachtragsansprüche zu berechnen und das Problem unterkalkulierter Preise beendet.

Neben der veranstaltenden LIB NRW freuten sich 25 Aussteller über den Teilnehmerrekord beim Fachsymposium. Sie informierten über Instandsetzungsprodukte, Geräteeinsatz, Güteschutz und Weiterbildung. Das nächste Fachsymposium der LIB NRW ist bereits geplant und wird am 11. Februar 2020 wie gewohnt in der Dortmunder Westfalenhalle stattfinden. Das Programm des 28. Fachsymposiums und alle anderen wichtigen Details dazu können rechtzeitig auf der Website der LIB NRW abgerufen werden.