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Erstes deutsches Energiesprong-Projekt gestartet

Im niedersächsischen Hameln wird im Wohnquartier „Kuckuck“ das erste Mehrfamilienhaus in Deutschland nach dem Energiesprong-Prinzip seriell saniert. Das Prinzip soll energetische Sanierungen mit NetZero-Standard, warmmietenneutral und innerhalb kurzer Zeit ermöglichen.

Energieprong Hameln
130 Gäste begutachteten am 9. Dezember 2019 die Montage der ersten Fassadenelemente in Hameln. (Abb.: dena)

Um die genannten Ziele zu erreichen, setzt das Energiesprong-Prinzip auf hochwertige, standardisierte Lösungen mit vorgefertigten Fassaden- und Dachelementen sowie standardisierten, vorgefertigten Haustechnikmodulen. Der sogenannte „NetZero-Standard“ wird erreicht, wenn das Gebäude über das Jahr so viel Energie für Heizung, Warmwasser und Strom erzeugt, wie die Bewohner verbrauchen. Das Prinzip wurde in den Niederlanden entwickelt und dort bereits in mehr als 4.500 Gebäuden umgesetzt. Zusammen mit innovativen Wohnungs-, Bau- und Zulieferunternehmen will die Deutsche Energieagentur dena das Energiesprong-Prinzip auf dem deutschen Markt etablieren.

Fassadenmodule mit Fenstern und Lüftungselementen

Bei dem Pilotprojekt in Hameln handelt es sich um einen Wohnblock aus den 1930er Jahren, bestehend aus drei Gebäuden mit je zwei Stockwerken und insgesamt zwölf Wohnungen. Es wird von der Ecoworks GmbH umgesetzt, Eigentümer ist die Arsago Gruppe. Die dena begleitet die Sanierung. Die Fassadenteile mit Lärchenholz-Verschalung hat ein Holzbauunternehmen aus Brandenburg gefertigt. Die jeweils sieben Meter langen, 2,85 Meter hohen und 36 Zentimeter dicken Elemente kamen im November 2019 fertig zur Baustelle. Sie beinhalten neben einem umfassenden Dämmpaket aus Recycling-Glaswolle auch die Fenster und dezentrale Lüftungselemente mit Wärmerückgewinnung. Anschließend folgen die Dachelemente, die Kellerdecke wird ebenso mit 20 Zentimeter Dämmung versehen. Dank geringer Transmissionswärmeverluste erreicht das Gebäude den hocheffizienten KfW55-Standard.

Photovoltaikanlagen auf dem Dach sollen dort bald CO2-neutralen Strom erzeugen. Eine Wärmepumpe mit zwei Wärmespeichern wird die drei Gebäude des Wohnblocks mit Heiz- und Warmwasser versorgen. Alle Wohnungen erhalten neue Heizkörper. Eine Ultra-Filtrationsanlage garantiert einwandfreies Trinkwasser und einen effizienten Betrieb der Wärmepumpe. Die Hausverwaltung erhält digitale Informationen zu Temperatur und Feuchtigkeit und kann bei Fehlfunktionen direkt eingreifen, ohne vor Ort sein zu müssen.

Am 9. Dezember verfolgten rund 130 Gäste aus der Wohnungs- und Bauwirtschaft sowie aus Energiebranche und Politik vor Ort, wie die ersten Fassadenelemente montiert wurden. Auch der niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies, war vor Ort und sagte: „Es braucht innovative Ansätze, damit das klimaneutrale Sanieren wirtschaftlicher, schneller und so für alle Beteiligten attraktiver wird. Ein gutes Beispiel erleben wir hier in Hameln. Hier wird das industrielle Sanieren auf den NetZero-Standard Realität.“

„Volume-Deal“ Initialzündung für Energiesprong?

Energiesprong Volume-Deal
Im Rahmen des dena-Energiewendekongress 2019 wurde Ende November der Abschluss des Energiesprong „Volume-Deals“ gefeiert – einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen Bau- und Wohnungswirtschaft, in den nächsten vier Jahren mehr als 10.000 Wohnungen seriell zu sanieren. (Abb.: dena)

Nur wenige Tage zuvor, am 25.11.2019, hatte es Bewegung bei der Marktentwicklung serieller Sanierungslösungen in Deutschland gegeben. In einer als „Volume-Deal“ bezeichneten Absichtserklärung, erklären sich 22 Wohnungsunternehmen bereit, ihre Nachfrage zu bündeln und 11.635 bereit zu stellen, die in den nächsten vier Jahren seriell saniert werden sollen. Darüber hinaus beteiligen sich vier Bauunternehmen an der Vereinbarung. Bis März 2020 will man verstärkt an der Entwicklung wirtschaftlich attraktiver und skalierbarer Komplettlösungen arbeiten. Seitens der Politik unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Marktetablierung der seriellen Sanierung in Deutschland. Die dena schätzt allein das Potenzial für eine Energiesprong-Sanierung bei kleineren bis mittleren in den 50er bis 70er Jahren in Deutschland erbauten Mehrfamilienhäusern auf rund 500.000 Gebäude. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der Energiesprong-Initiative .