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Energie-Projekt des Monats

Die Energieagentur NRW präsentiert jeden Monat ein Energie-Projekt, das besonders fortschrittlich ist und sich durch eine positive Energie-Bilanz auszeichnet. Darunter finden sich auch immer wieder Objekte, die für das Bauen im Bestand Vorbildcharakter in energetischer Hinsicht haben. Im Februar stellte die Agentur die Sanierung des Felix-Fechenbach-Berufskollegs in Detmold vor.

Berufskolleg Detmold
Um den Zeitaufwand gering zu halten wurden passgenaue Fassadenelemente vorgefertigt und dann eingebaut. Der Optik hat das nicht geschadet. (Abb: Pape oder Semke Architekturbüro)

Der Kreistag im westfälischen Lippe hatte 2008 beschlossen, eigene Liegenschaften mit Passivhaus- Komponenten zu sanieren und Dachflächen zur Solarstromerzeugung zu nutzen. Und als auf dem Campus des Felix-Fechenbach-Berufskollegs in Detmold drei Gebäude sowie eine Turnhalle aus den Jahren 1954 bis 1962 grundlegend saniert werden mussten, wurde folgerichtig eine Plusenergieschule konzipiert. Das Projekt startete im Jahr 2010 und wurde 2016 fertiggestellt – im laufenden Betrieb mit rund 3.600 Schülerinnen und Schülern.

Heute – nach der Sanierung – produziert das Felix-Fechenbach-Berufskolleg mehr Energie, als es verbraucht. Nach Abschluss der Sanierung weist der Monitoring-Bericht für das erste Betriebsjahr aus, dass die PV-Paneele auf den Dachflächen bilanziell einen Stromüberschuss von 42,5 MWh erzielten. Zudem konnte der Heizwärmebedarf im Vergleich zum Ausgangszustand um rund 80 Prozent reduziert werden. Das Energiekonzept der Detmolder Schule wurde im Rahmen des Ideenwettbewerbs „Schule 2030“ vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) ausgezeichnet.

Kernstück der Sanierung war die Dämmung der Gebäudehülle. Dadurch, dass vorgefertigte Fassadenelemente (Holztafelelemente) verbaut wurden, konnte der Zeitaufwand erheblich reduziert werden. Die Elemente wurden nach einem 3-D-Scan der Fassade passgenau gefertigt. Der Raum zwischen den Holzstegen ist mit Zellulose-Einblasdämmung befüllt. Als Fenster wurden neu entwickelte Passivhausfenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung in glasleistenlosen Rahmenprofilen aus Holz mit einer Aluminiumabdeckung verbaut. Die Dämmung der obersten Geschossdecke erfolgte – wie bei den Außenwänden – durch den Einbau vorgefertigter Holztafelelemente. Auch hier sind die Zwischenräume mit Zellulose- Einblasdämmung befüllt.

Die statisch notwendigen wärmebrückenrelevanten Stahlbeton-Widerlager der Sparrendachkonstruktion bekamen einen Schott aus Vakuumdämmung verpasst. Auf die bestehende Bodenplatte wurde eine Vakuumdämmung aufgebracht, auf der der neue Fußbodenaufbau aus Holzweichfaser, Estrich und Linoleum-Belag montiert wurde. Der Energieverbrauch der biomasse-basierten Fernwärme-Heizung beträgt in den Klassenräumen rund 24 kWh/(m²a) und konnte im Vergleich zum Ausgangszustand um mehr als 80 Prozent reduziert werden. Bei Tiefbauarbeiten wurden die Zuleitungen erneuert und gedämmt. Die unterm Strich deutlich verbesserte Gebäudedämmung ermöglicht es, die Vorlauftemperaturen der Heizung deutlich zu senken.

Zur Belüftung der Klassenzimmer kommt ein hybrides Lüftungskonzept zum Einsatz: Es besteht überwiegend aus der Kombination dezentraler Lüftungsgeräte und einer manuellen Fensterlüftung. Der Wärmerückgewinnungsgrad der Anlagen liegt bei rund 85 Prozent. Die Regulierung der Lüftungsanlage erfolgt bedarfs- und raumbezogen. Die dezentralen Lüftungsgeräte werden sowohl Zeit- als auch CO2-gesteuert betrieben. In die Dachflächen der Gebäude sind PV-Module mit einer Gesamtmodulfläche von 2.768 Quadratmetern integriert. Die PV-Anlage hat eine Leistung von 352 kWp. Der Strombedarf wird komplett durch den selbst erzeugten Strom gedeckt, die Überproduktion wird in das öffentliche Netz eingespeist. Weitere Informationen zum Projekt in Detmold finden Sie auf der Website der Energieagentur NRW . Weitere Projekte des Monats gibt es hier .