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Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

Biozidbehandlung von schimmelbelasteten Bauteilen: Im Bausektor, insbesondere bei der Schimmelsanierung, wird nicht mehr von Desinfektionsmaßnahmen, sondern technisch und fachlich richtig von einer Biozidbehandlung gesprochen. Diese Begrifflichkeit hat der 2017 veröffentlichte Schimmel-Leitfaden des Umweltbundesamtes übernommen. Was hat sich seit seiner Veröffentlichung im Hinblick auf Biozide in der Schimmelsanierung getan? Von Dr. Constanze Messal

Biozidbehandlung
Vor dem Einsatz von Bioziden bei Schimmelschäden muss klar sein, was man mit dieser Maßnahme erreichen möchte. (Abb.: Dr. Constanze Messal)

Gibt es neue Produkte? Neue Anwendungen? Wie sieht es mit den Zulassungen aus? Und wie ist die Akzeptanz dieser Maßnahmen bei Sachverständigen, Ausführenden und Betroffenen?

Biozide sind Wirkstoffe, die das Wachstum von Mikroorganismen hemmen, indem sie entweder deren Wachstums- und Fortpflanzungsprozesse inaktivieren, die Zellen direkt abtöten oder Sporen derart zerstören, dass ein Auskeimen nicht mehr möglich ist. Dabei kann die Wirkung kurzfristig sein oder über einen längeren Zeitraum andauern.

Biozide sind in vielen Anwendungen notwendig, um das Wachstum von Schadorganismen einzuschränken, damit Gefahren für Menschen, aber auch für Produkte und Materialien abgewendet werden. Etwa um Infektionen zu vermeiden, den mikrobiellen Verderb von Lebensmitteln aufzuhalten und Baumaterialien vor Bewuchs durch Schimmelpilze, Bakterien oder Algen zu schützen. Man spricht hier von einer präventiven oder konservierenden Biozidbehandlung.

Werden Biozide bei Schimmelschäden eingesetzt, muss man sich fragen, was man mit dieser Maßnahme erreichen möchte. Dass sich mit den wenigsten Mitteln in den ausgewiesenen Einsatzkonzentrationen Biomasse reduzieren lässt, ist hinreichend bekannt und durch zahlreiche Studien belegt [1, 2, 3]. Auch dass in den meisten Fällen keine Infektionsgefahr existiert und daher eine Desinfektion nicht nötig ist, gilt als allgemeines Wissen.

Natürlich gibt es Sonderfälle, die eine kurative Behandlung erforderlich machen. Nämlich dann, wenn bei Fäkalschäden oder Hochwasserereignissen tatsächlich eine Infektionsgefahr durch Bakterien und Parasiten besteht, weil Schlamm oder stark durchfeuchtete Bauteile entfernt werden müssen. Hier vorab Oberflächen kurativ zu behandeln, senkt das Infektionsrisiko für die Ausführenden [4].

Lediglich die Lebendkeimzahl zu reduzieren, ist kein Sanierungsziel, denn es gilt, die Biomasse auf ein normales Maß zu verringern. Denn auch tote Biomasse ist Biomasse mit potenziell sensibilisierenden und toxischen Eigenschaften, die nicht an einen aktiven Zellstoffwechsel gebunden sind. Eher werden umgekehrt viele Allergene und Endotoxine erst als Bruchstücke letaler Zellen freigesetzt [5, 6].

Kurativ zu arbeiten ist demnach keine gute Idee, selbst wenn man sich nur auf die Wirkung der zur Verfügung stehenden Produkte bezieht. Grundsätzlich bedarf es einer guten Voruntersuchung, denn die zu wählende Einsatzkonzentration ist abhängig von der Zellzahl, der Einwirkzeit und der Temperatur. Die vierte Komponente ist die Mechanik. Das kann man sich bei einer Wischdesinfektion noch gut vorstellen, aber die Trittschalldämmung durchzubürsten, ist unmöglich. Also muss die Chemie besonders leistungsfähig sein und ohne mechanische Unterstützung Zellen ablösen, inaktivieren oder abtöten können.

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Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?

Im Bausektor, insbesondere bei der Schimmelsanierung, wird nicht mehr von Desinfektionsmaßnahmen, sondern technisch und fachlich richtig von einer Biozidbehandlung gesprochen. Diese Begrifflichkeit hat der 2017 veröffentlichte Schimmel-Leitfaden des Umweltbundesamtes übernommen. Was hat sich seit seiner Veröffentlichung im Hinblick auf Biozide in der Schimmelsanierung getan? Gibt es neue Produkte? Neue Anwendungen? Wie sieht es mit den Zulassungen aus? Und wie ist die Akzeptanz dieser Maßnahmen bei Sachverständigen, Ausführenden und Betroffenen?

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