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DCONex 2018: Umgehen mit dem Unsichtbaren

„Solange Schadstoffe in Altbauten unsichtbar sind, sind sie nicht vorhanden!“ Am 17. Januar gehen unter anderem Hans-Dieter Bossemeyer und Matthias Wilke auf der DCONex in Essen darauf ein, welchen existenziellen Gefahren sich Handwerker aussetzen, die nach diesem Motto arbeiten und welche Mittel zur Verfügung stehen, um Risiken zu vermeiden.

Bossemeyer DCONex 2017
Hans-Dieter Bossemeyer gibt auf der DCONex 2018 entscheidende Hinweise dazu, wie Handwerker mit versteckten Gefahrstoffvorkommen umgehen können. Im Bild: Bossemeyer auf der DCONex 2017. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Über Jahrzehnte hinweg haben Handwerker, die Arbeiten in Altbauten ausgeführt haben, mit Schadstoffen zu tun gehabt, über deren Vorhandensein kaum mehr als ein gewisses Unbehagen bestand. Heute ist das Wissen um Gebäudeschadstoffe viel größer – nicht zuletzt, weil bekannt und öffentlich besprochen wurde, in wie vielen alten Bauprodukten sich Asbest verbirgt, und in wie vielen Gebäuden mit Baujahr vor 1995 solche Produkte verbaut sind.

Dennoch herrscht nach wie vor Unsicherheit darüber, welche Wege insbesondere kleineren Handwerksbetrieben offen stehen, wenn Sie mit einer Schadstofffreisetzung verbundene Gefahren vermeiden wollen. Auch wenn Schadstoffe unsichtbar sind, können sie vor allem dann, wenn sie bearbeitet werden, also zum Beispiel im Rahmen von Sanierungsarbeiten, freigesetzt werden. Dann besteht nicht nur für die Mitarbeitenden gesundheitliche Gefahr. Auch zukünftige Gebäudenutzer können dadurch in Berührung mit Gefahrstoffen kommen. Die Verantwortung trägt letztlich das Unternehmen, das die Arbeiten ausgeführt hat. Zu beschreiben, welche rechtlichen Konsequenzen daraus für Betriebe entstehen können, erübrigt sich.

Der DCONex Fachkongress , der am 17. und 18. Januar in Essen stattfindet, setzt in diesem Jahr bewusst darauf, diese Gefahren nicht nur zu benennen, sondern Handwerkern und Planern Hilfestellungen und Handlungsempfehlungen für die Praxis zu geben. Dazu ist vor allem der Vortragsblock am Mittwoch, den 17. Januar vorgesehen, der in Zusammenarbeit mit der B+B-Redaktion konzipiert wurde.

Beim Erkennen von Schadstoffen hilft vor allem Erfahrung

Hans Dieter Bossemeyer von der Wessling GmbH in Altenberge wird in anschaulicher Form erläutern, wie Handwerker und Betriebe im Einzelnen vorgehen können, wenn Sie den Verdacht hegen, dass sich in Bauteilen eines Altbaus Schadstoffe verbergen.

Dabei geht er nicht nur darauf ein, welche einzelnen Schritte zu unternehmen sind, sondern auch, auf welche Hinweise sich ein solcher Verdacht begründet stützen lässt.

Für eine solche Einschätzung ist es hilfreich, einzelne Bausituationen zu kennen. Oft reicht aber auch das nicht aus, denn erst einige Erfahrung kann in manchen Fällen dazu führen, dass die entscheidenden Hinweise wahrgenommen werden. Im Rahmen seines Vortrags wird Bossemeyer solche Situationen vorstellen und damit ein Gefühl dafür vermitteln, auf was es beim Bewerten von baulichen Situationen im Hinblick auf Gebäudeschadstoffe ankommen kann.

Ausstellung DCONex 2017
Zur DCONex gehört auch eine umfangreiche Fachausstellung, die die Möglichkeit bietet, Produkte und Dienstleistungen kennenzulernen und sich mit erfahrenen Fachleuten auszutauschen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P. John)

Gebäudeschadstoffe: Welche Gesetze helfen Handwerkern?

Müssen – zum Beispiel bei Sanierungen – zunächst Bauteile auf Schadstoffe beprobt und diese gegebenenfalls von fachkundigen Personen entfernt werden, ist das immer mit Kosten verbunden, die der Bauherr tragen muss. Kommt dieser der Verantwortung jedoch nicht nach, stellen sich wiederum für den Handwerker drängende Fragen, denn er haftet, wenn bei der Sanierung Schadstoffe freigesetzt werden. Auf diese Fragen geht Fachanwalt Matthias Wilke ein. Unter anderem wird er zeigen, auf welche rechtlichen Grundsätze sich Handwerker stützen können, um den Bauherrn in die Verantwortung zu nehmen. Außerdem klärt er über die Haftungsrisiken aller am Bau Beteiligten auf – vom Architekten über den Handwerker bis zum Bauherrn.

In weiteren Vorträgen wird Andreas Feige-Munzig zeigen, wie man eine richtiger Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf Gebäudeschadstoffe schreibt. Norbert Kluger (BG Bau) ergänzt dieses Thema, indem er geeignete Schutzmaßnahmen für die Bauausführung vorstellt und Empfehlungen zur gesundheitlichen Prävention bei unbekannten Stoffen gibt.

Kann man die Innenraumluft mit geeigneten Lüftungsanlagen gesünder machen? Dieser Frage wird Hans Westfeld von Sachverständigenbüro Westfeld nachgehen.

Asbest bleibt ein brisantes Thema

Dr. Bernd Sedat vom SVB Sachverständigenbüro Dr. Sedat stellt am Ende des ersten Tages neue Ergebnisse dazu vor, wie viele Fasern bei handwerklichen Tätigkeiten an unterschiedlichen asbestbelasteten Materialien freigesetzt werden. Im Rahmen einer größeren Untersuchung haben die Beteiligten gemessen, bei welchen Verfahren (Schleifen, Fräsen, Bohren und so weiter) wie viele Fasern freigesetzt werden. Sedat wird auf der DCONex 2018 die neuesten Erkenntnisse präsentieren.

In einem weiteren parallel laufenden Vortragsblock wird es unter anderem um die Themen PCB, Untersuchungsmethoden für Gebäudeschadstoffe und die Schimmelsanierung gehen.

Für das Ende der Veranstaltung am Donnerstag  ist eine Podiumsdiskussion geplant, bei der es um den Schutz von Handwerkern vor unentdeckten Asbestvorkommen geht. Ein Schwerpunkt sind die Ergebnisse des 2017 ins Leben gerufenen „Nationalen Asbestdialogs“.

Das gesamte Programm und die Anmeldung finden Sie auf der Webseite der DCONex .