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Das Handwerksgeschäft zeigt sich krisenfest

B+B hat mit Jürgen Jahn, Bereichsleiter Personalmanagement in der Remmers-Gruppe, Löningen, darüber gesprochen, wie sich die Corona-Pandemie auf die Nachfrage auswirkt und wie im Unternehmen die Arbeitsabläufe umstrukturiert wurden, um die Ansteckungsgefahr mit dem Sars-CoV-2-Virus so gering wie möglich zu halten.

Jürgen-Jahn-Remmers
Jürgen Jahn ist in der Remmers-Gruppe Bereichsleiter Personalmanagement. (Abb.: Remmers)

B+B: Herr Jahn, merken Sie bei Remmers einen durch die Corona-Pandemie bedingten Nachfragerückgang?
Jürgen Jahn: Grundsätzlich ja, aber hier ist zu differenzieren. Das Handwerksgeschäft zeigt sich gerade krisenfest. Die Baustellen unserer Handwerkskunden laufen gut und auch die Lieferketten zum Baustoffhandel funktionieren reibungslos. Im Do-it-yourself-Geschäft hängt es davon ab, ob in den jeweiligen Regionen die Baumärkte schließen mussten oder noch offen sind. Im letzteren Fall machen wir gute Umsätze, da sich viele Menschen ihrem Haus, ihrer Wohnung oder ihrem Garten mit Renovierungsarbeiten zuwenden, da viele andere Aktivitäten jetzt wegfallen und nicht mehr erlaubt sind. Massive Einbrüche haben wir dagegen im Geschäft mit unseren industriellen Großkunden, da bereits etliche Fabriken schließen mussten. Wir rechnen damit, dass dies auch im April noch so bleiben wird.

B+B: Mussten Sie Produktions- und Verwaltungsabläufe umstrukturieren, um die Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung mit dem Sars-CoV-2-Virus vorbeugend zu schützen?
Jürgen Jahn: Ja, in großem Umfang und wir haben damit bereits im Februar begonnen. Zunächst haben wir die Schlüsselfunktionen identifiziert und darauf aufbauend zwei eigenständige, getrennte Schichten organisiert, die die Produktion fahren, ohne sich zu begegnen. Innerhalb einer Schicht sind die Arbeitsplätze so gestaltet, dass, falls ein Mitarbeiter sich infiziert, die Gefahr so gering wie möglich ist, einen anderen Kollegen anzustecken. Für die Mitarbeiter im Verkauf, der Verwaltung etc. heißt das, dass sie alleine im Büro sitzen oder, wo dies nicht geht, mit ausreichendem Abstand zueinander.

B+B: Desinfizieren Sie die Arbeitsumgebungen zwischen den beiden Schichten?
Jürgen Jahn: Wir haben bereits im Februar damit begonnen, unsere Reinigungsstrategie umzustellen und alles zu desinfizieren, was von mehreren Leuten berührt wird, von Touchscreens bis hin zu Kaffeemaschinen und natürlich auch die Steuerungen und Geräte in der Produktion. Dass hatte einen positiven Nebeneffekt: Wir hatten deutlich rückläufige Krankenstände für diese Jahreszeit und weniger Ausfälle durch Grippeerkrankungen.

B+B: Sie produzieren jetzt auch selbst Desinfektionsmittel und geben diese zum Selbstkostenpreis an lokale Rettungsdienste, medizinische Einrichtungen und öffentliche Institutionen ab. Was war die Motivation für diesen Schritt?
Jürgen Jahn: Wegen der beschriebenen Änderungen in unserer Reinigungsstrategie wollten wir Mitte Februar unsere eigenen Bestände hochfahren. Deshalb haben wir angefangen, Desinfektionsmittel für den Eigenbedarf herzustellen, das heißt, wir haben die Rohstoffe geliefert und eine Apotheke hat die Mittel hergestellt. Denn das Herstellen von Desinfektionsmitteln ist streng reguliert. Dann bekamen wir die Anfrage von einem Rettungsdienst, ob wir ihnen etwas von unseren Mitteln abgeben könnten, da sie bereits ihre Reserve anbrechen mussten. Da wir geholfen haben, kamen danach immer mehr Anfragen, so dass wir uns entschlossen haben, selbst Mittel genau nach der WHO-Rezeptur herzustellen. Das ist wesentlich einfacher als zum Beispiel Hochleistungslacke zu produzieren. Während des Herstellungsvorgangs – die Mittel müssen 72 Stunden ausreagieren – kam auch hierfür die Ausnahmeverfügung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Seitdem liefern wir an Rettungsdienste, Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen zwischen Osnabrück und Wilhelmshaven.

B+B: Wie geht es jetzt weiter?
Jürgen Jahn: Wir überlegen, wie wir im nächsten Monat weiterarbeiten und ob wir insbesondere im Industriegeschäft Kurzarbeit anmelden müssen. Wir werden das Kurzarbeitergeld unserer Mitarbeiter dann aber auf 100 Prozent ihres Nettolohns aufstocken.

Michael Henke

www.remmers.com

Weitere Infos rund um den Corona-Ausbruch für andere Gewerke in der RM Rudolf Müller Mediengruppe finden Sie hier:

Fliesen und Platten

Zur aktuellen Situation im Baustoff-Handel finden Sie weitere Auskünfte über diese Seiten:

www.baustoffmarkt-online.de



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