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Brandschäden sicher sanieren

Jährlich ereignen sich in Deutschland mehr als eine halbe Million Brandschäden aller Art. Zum Zeitpunkt eines Brandes geht es vor allem darum, Personen- oder Sachschäden zu vermeiden, oder so gering wie möglich zu halten. Doch auch diejenigen, die brandgeschädigte Gebäude sanieren, müssen sich schützen: vor einer Vielzahl gefährlicher Stoffe, die bei Bränden entstehen können. Der Beitrag gibt einen Überblick.

Brandschadensanierungsarbeiten
Im Fall von Brandschäden müssen auch diejenigen Stoffe berücksichtigt werden, die bei der Verbrennung von Gegenständen entstanden sind, die sich in den betroffenen Räumen befinden. Im Falle dieser Garage kann auch von den Materialien der Autos eine Gefahr ausgehen. (Abb.: Stefan Johannsen)

Brände in Zimmern, Wohnungen und Häusern bis hin zu Großbränden im gewerblichen oder industriellen Bereich verursachen jährlich ein Gesamtschadenvolumen in Milliardenhöhe. Neben den reinen Sachschäden kommt es oftmals auch zu Personenschäden, meist in Form von Rauchgasvergiftungen (Kohlenmonoxid, Blausäure).

Gesundheitsgefährlich für diejenigen, die sich nach einem Brand in betroffenen Räumen aufhalten ist zunächst der beim Brandgeschehen entstandene Ruß. Daneben sind vor allem bei der Sanierung besonders die krebserregenden Polycyclischen Aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie die Polychlorierten Biphenyle (PCB) und Dioxine/Furane (PCDD/ PCDF) sowie Altlasten wie Asbest und KMF zu beachten.  Aber nicht nur gesundheitsgefährdende Stoffe müssen hier erwähnt werden, sondern auch Substanzen mit einer schädigenden Wirkung für Bauteile, Betriebseinrichtungen und Vorräte. Hier sind in erster Linie die korrosionsfördernden Chloride (oft aus PVC gebildet), die sich beim Kondensieren von Chlorwasserstoff auf den Gebäude- und Inventaroberflächen bilden, von Bedeutung. Auch Bromwasserstoff spielt eine gewisse Rolle; er wird aus bromorganischen Verbindungen freigesetzt, die wegen ihrer schwerentflammbaren Wirkung vielen Materialien beigemischt werden.

Nach einem Brand ist das Ziel, im Rahmen von Brandschadensanierungsarbeiten einen ausreichenden Schutz der Arbeitnehmer vor gefährlichen Stoffen zu erreichen.

Die hierzu zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen sind in technischen Regeln, insbesondere in den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS), festgehalten, die die Umgangsvorschriften der Gefahrstoffverordnung erfüllen.

Zur Erleichterung der Umsetzung der Umgangsvorschriften und zur Systematisierung der Vorgehensweise kann die TRGS 524 „Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen“, herangezogen werden. Nach dieser Handlungsanleitung ergeben sich fünf Arbeitsschritte für die Gefährdungsbeurteilung (Paragraf 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz in Verbindung mit Paragraf 6 Gefahrstoff-Verordnung zusammen mit der TRGS 400) und die Festlegung der angemessenen und geeigneten technischen, organisatorischen und personenbezogenen Sicherheitsmaßnahmen für Arbeiten an der erkalteten Brandstelle:

1. Sto ffliche Gefahren einschätzen und ermitteln
Für die fachkundige Gefahrenermittlung im Rahmen der Schadensbegehung nach Freigabe durch die Polizei können Erfahrungen aus vorausgegangenen Brandschadensanierungsfällen herangezogen werden. Diese Erfahrungen sind zum Beispiel in der „Richtlinie zur Brandschadensanierung“ des Verbandes der Sachversicherer, VdS 2357, niedergelegt.

  • Neben den typischen Gefahrstoffen als Brandfolgeprodukte sind die betriebsseitigen vorhandenen und gegebenenfalls durch den Brand freigesetzten Gefahr-, Biostoffe in Art, Konzentration und Eigenschaften zu berücksichtigen.
Zur Kategorisierung der Gefährdung gliedert die VdS 2357, die Brandschadenstellen je nach Art und Menge des Brandgutes, dem Brandverlauf und der demnach anzunehmenden Gefahrstoffbildung in vier Gefahrenbereiche ein (GB 0 bis 3).

Gefahrenbereich GB 0 Gefahrenbereiche GB 1 und GB 2 Gefahrenbereich GB 3
Der GB 0 betrifft kleine Brandschadenstellen z.B. nach Papierkorbbränden oder Kochstellenbränden, mit Beteiligung geringer Mengen an chlor- oder bromorganischen Stoffen, die i.d.R. von Nichtfachleuten beseitigt werden können.

Die GB 1 und GB 2 beziehen sich auf Brandschadenstellen in privaten, öffentlichen, gewerblichen oder industriellen Bereichen ohne gravierende Gefahrstoffkontamination (GB 1) und mit gravierender Gefahrstoffkontamination (GB 2). Die Zuordnung zu GB 1 und GB 2 und die Festlegung der daraus resultierenden Maßnahmen können durch fach/sachkundige Personen nach TRGS 524 (Anlage 2 A) /BGR 128 (Anlage 6A)  z. B. des Fachbetriebs für Brandschadensanierung oder durch Sachverständige vorgenommen werden. Die höchste Kategorie, GB 3 ergibt sich nach sogenannten Chemiebränden, beispielsweise nach Bränden in Betrieben, in denen Holzschutzmittel oder Pestizide hergestellt oder gelagert werden. Zur Einstufung der Brandschadenstellen und für Empfehlungen zu den Brandschadensanierungsmaßnahmen müssen Sachverständige beauftragt werden.
Häufig stellen solche Brände Störfälle dar, die die Mechanismen nach der Störfallverordnung auslösen.

2. G eeigneten Arbeitsverfahren mit der geringsten Gefährdung auswählen
Bei der Auswahl der fallbezogenen Räumungs-, Sanierungs- und Reinigungsmaßnahmen kann die TRGS 524 als Anwendungshilfe zur Gefahrstoffverordnung herangezogen werden.
Soweit nach dem Stand der Technik möglich, sind solche Verfahren anzuwenden, die möglichen Hautkontakt zu den Gefahrstoffen und Aufwirbelungen der Gefahrstoffe in die Atemluft vermeiden.

Geeignete Reinigungsverfahren sind in der Bekanntgabe des damaligen Bundesgesundheitsamtes „Empfehlung zur Reinigung von Gebäuden nach Bränden“ aufgeführt.

3. Arbeitsschutzmaßnahmen auswählen und festlegen
Bei Arbeiten im Gefahrenbereich GB 0 ist die Beachtung der „Mindeststandards“ der TRGS 500 ausreichend. Bei Feuchtarbeiten kann zusätzlich die  TRGS 401 „Gefährdung durch Hautkontakt , eine gute Hilfestellung bieten.

Bei Arbeiten im GB 1 beziehungsweise GB 2 sind die in der VdS 2357 aufgeführten persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) zu tragen und für GB 2 die Abtrennung des Sanierungsbereichs vorzunehmen. Zusätzlich sind weitere Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich:

  • Beauftragung eines Aufsichtsführenden und gegebenenfalls eines Koordinators (2 Gewerke)
    (§ 17 Gefahrstoffverordnung im Verbindung mit TRGS 524 Anlage 2A/BRG 128 Anlage 6A),
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge nach gesetzlichen und den berufsgenossenschaftlichen Grundsätzen (unter anderem G 26, G 40 b),
  • Qualifizierung der Beschäftigten durch Schulung und Unterweisung.
  • Lüftungstechnische Maßnahmen bei nicht ausreichendem Luftwechsel,
  • Begrenzung der Anzahl der betroffenen Beschäftigten,
  • Bereitstellung der Betriebsmittel entsprechend der Betriebssicherheitsverordnung,
  • Verwendung dicht verschließbarer Behälter insbesondere für die Gewährleistung einer sicheren Lagerung, Handhabung und Beförderung auch bei der Abfallbeseitigung.
  • Regelmäßige Reinigung der Sozial und Sanitärräume sowie der Arbeitsmittel,
  • Reinigung beziehungsweise Ersatz der Arbeits- und Schutzkleidung durch den Arbeitgeber,
  • Beschäftigungsbeschränkungen für werdende Mütter und Jugendliche,
  • Verbot der Aufnahme von Nahrungs- und Genussmitteln im Sanierungsbereich,
  • Kennzeichnung der Abfälle nach Paragraf 5 Gefahrstoffverordnung,
  • Im Gefahrenbereich GB 3 sind weitergehende Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig, die auf der Grundlage des Sachverständigengutachtens vom Sanierungsfachbetrieb festgelegt werden.
4. Arbeits- und Sicherheitsplan sowie Betriebsanweisung erstellen
Die Sanierungsarbeiten sind entsprechend dem Arbeits- und Sicherheitsplan und der Betriebsanweisung durchzuführen. Die Beschäftigten sind verpflichtet, für ihre Sicherheit und Gesundheit entsprechend diesen Weisungen Sorge zu tragen.

Der Arbeits- und Sicherheitsplan (A+S Plan) nach TRGS 524 muss detailliert alle stofflichen Gefährdungen (inhalativ, oral, dermal) sowie Brand- und Explosionsgefahren in den Arbeits-/Sanierungsbereichen, einzusetzenden Arbeitsverfahren und die danach vorzusehenden Arbeitsschutz- und Entsorgungsmaßnahmen berücksichtigen.

Falls die Baustellenverordnung zur Anwendung kommt, kann der Arbeits- und Sicherheitsplan Bestandteil des Sicherheits- und Gesundheitsschutzplanes sein.

Auf der Grundlage des Arbeits- und Sicherheitsplanes sind arbeitsbereichs-, tätigkeits- und stoffbezogene Betriebsanweisungen gemäß Paragraf 14 der Gefahrstoffverordnung zu erstellen und die Unterweisungen der Beschäftigten durchzuführen.

5. M aßnahmen bezüglich ihrer Wirksamkeit kontrollieren und beurteilen
Eine Wirksamkeitskontrolle ist vorzunehmen, um bei unzureichend getroffenen Maßnahmen nachsteuern zu können.

Hinweis: Die Arbeiten sind mit dem Arbeits- und Sicherheitsplan nach BGR 128/TRGS 524 mindestens 14 Tage vor Arbeitsbeginn der zuständigen Berufsgenossenschaft anzuzeigen beziehungsweise dem örtlich zuständigen Gewerbeaufsichtsamt auf Nachfrage (Paragraf 18 Gefahrstoffverordnung).

Autor:
Stefan Johannsen, Dipl.-Biologe