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B+L Sanierungsstudie: Auftraggeber werden älter

Wie viel wird in Deutschland saniert? Was geben Auftraggeber für Sanierungen aus? Welche Gebäudeteile werden saniert? Antworten darauf finden sich in der jüngst erschienenen „B+L Sanierungsstudie 2018“, allgemeine Trends finden sich in diesem Beitrag.

B+L Sanierungsstudie
Die „B+L Sanierungsstudie“ untersucht seit 2010 die Trends bei der Sanierung von Gebäuden. Die Studie 2018 ist soeben erschienen. (Abb.: B+L Marktdaten)

Sanierung in Deutschland 2018: Alt und professionell?

Im Herbst 2017 haben in Deutschland wieder knapp 400.000 Abiturienten ein Studium begonnen. Der Auszug der Kinder zählt zu den wesentlichen Gründen für eine Renovierung des Hauses oder der Wohnung. Aktuell ziehen vielfach die Kinder der Babyboomer-Generation (1960 bis 1970 geboren) aus und ein großer Teil dieser Bevölkerungsgruppe denkt über Renovierungen nach und verfügt auch über die nötigen Mittel dazu. Trotzdem stagniert die Sanierung beziehungsweise geht in einigen Produktbereichen wie zum Beispiel bei Bedachungen zurück. Im Handel und in der Zulieferindustrie werden Kapazitätsengpässen im Handwerk als Ursache diskutiert, aber genaue Zahlen dazu liest man selten. Im Februar 2018 hat die B+L Marktdaten GmbH die „Sanierungsstudie 2018“ veröffentlicht, um die skizzierten Entwicklungen zu analysieren. Die Studie untersucht verschiedene Aspekte des Sanierungsmarkts in Deutschland. Dabei lassen sich in der aktuellen „B+L Sanierungsstudie“ drei wesentliche Trends charakterisieren, die den Sanierungsmarkt zukünftig prägen werden.

Sanierungen werden aufgeschoben

„Während der Neubau in den Jahren 2016 und 2017 deutlich gewachsen ist, geht die Sanierung in vielen Bereichen zurück“ erläutert der Studienleiter Marcel Dresse die Ausgangssituation und zeigt auch die Konsequenzen dieser Entwicklung auf: „Sanierungsprojekte werden verschoben oder ausgesetzt mit negativen Folgen für den Absatz der relevanten Produkte.“ Die Studie liefert durch die Abfrage verschiedener Indikatoren, wie des durchschnittlichen Budgets pro Maßnahme und der Häufigkeit der aufgeschobenen Maßnahmen, relevante Informationen um das Ausmaß der aufgeschobenen Sanierung zu bestimmen. Demnach wurden im Jahr 2017 im Wohnbau Sanierungsprojekte in einer Größenordnung von 1,8 Prozent des gesamten Sanierungsmarktes aufgeschoben. Weitere 0,7 Prozent wurden im Bereich des Nichtwohnbaus aufgeschoben.

Überdurchschnittlich häufig wurden dabei der Ausbau des Dachbodens, Fassadenarbeiten, der Austausch von Heizungen oder Heizkörpern sowie kleinere Dachreparaturen aufgeschoben. Die Sanierungsstudie weist das Volumen (Materialkosten und Lohnkosten) der aufgeschobenen Sanierung separat für 17 Produktgruppen beziehungsweise Maßnahmen aus.

Die Zielgruppen werden älter

Durch die Abfrage soziodemografischer Merkmale sowie der Motivation der Sanierer lässt sich ein differenziertes Bild der Renovierer zeichnen. Der Vergleich mit den Sanierungsstudien aus den Vorjahren ermöglicht zudem die Analyse von Trends und Verschiebungen. Ein Merkmal der Sanierer ist dabei von besonderem Interesse, da es weitreichende Folgen auf die durchgeführten Maßnahmen, die genutzten Informationsquellen und die Durchführung der Maßnahmen hat:

Seit der ersten „B+L Sanierungsstudie“ hat sich das Durchschnittsalter der Sanierer deutlich erhöht. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass sich die Sanierungsaktivität in den Altersgruppen verändert hat. Jüngere Altersgruppen sanieren aktuell deutlich seltener, während insbesondere die Altersgruppen 56 bis 65-Jahre sowie über 65-Jahre zunehmend mehr Sanierungsmaßnahmen durchführen. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die durchgeführten Maßnahmen (die „B+L Sanierungsstudien“ zeigen, dass es Maßnahmen gibt, die typischerweise von bestimmten Altersgruppen durchgeführt werden), die nachgefragten Produkteigenschaften, die eingesetzten Budgets sowie die Ausführung der Maßnahmen.

Das Handwerk ist zentraler Akteur

Der Profianteil ist bei fast allen untersuchten Maßnahmen gestiegen, da sowohl jüngere als auch ältere Sanierer zunehmend auf Komplettleistungen setzen und weniger Eigenleistung einbringen. Da insbesondere die Babyboomer oft über hohe Einkommen verfügen, wollen diese die Renovierung von Handwerkern ausführen lassen. Die heutigen Sanierer setzen gleichzeitig wieder mehr auf persönliche Beratung und wenden sich dabei bevorzugt an den Handwerker. Dieser hat damit nicht nur Einfluss auf die Maßnahme an sich, sondern auch auf die eingesetzten Produkte.

Das Handwerk wird damit in den verschiedenen Phasen der Sanierung wichtiger, gleichzeitig sind viele Verarbeiterbetriebe stark ausgelastet und haben im vergangenen Jahr Aufträge abgelehnt. Die Betriebe sind vielfach mit dem Neubau von Mehrfamilienhäusern in den Großstädten beschäftigt und machen bei Renovierungen häufig überteuerte Abwehrangebote. Kooperation und Unterstützung sind hier die Schlagwörter für Handel und Industrie, um einen Nutzen aus der veränderten Situation zu ziehen.

Für die „B+L Sanierungsstudie“ wurden über 1.400 Sanierer, Auftraggeber, Handwerker und Architekten befragt. Die Befragung wurde nach den Studien der Jahre 2010, 2012, 2014 und 2016 zum fünften Mal durchgeführt.

Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite des Herausgebers B+L .