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Bei Laubenganghäusern reicht oft Stichprobe

Bei neuen, über Laubengänge erschlossenen Gebäuden waren Blower-Door-Tests bisher eine aufwändige Angelegenheit: Die Messung der Luftdichtheit musste Wohnung für Wohnung erfolgen. Seit Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes GEG ist das einfacher geworden: Bei „gleichartigen, nur von außen erschlossenen Nutzeinheiten“ reicht es, eine Stichprobe zu untersuchen.

FLiB Stichprobe Mehrfamilienhaus
Drei oben, drei unten, mindestens zwölf: So könnte die Stichprobenauswahl in einem Mehrfamilienhaus aussehen, das nur über Laubengänge erschlossen ist. (Abb.: FLiB e.V.)

Allerdings umfasst die Mindeststichprobengröße 12 Nutzeinheiten beziehungsweise Wohnungen umfasst, die Vereinfachung ist also nur für größere Laubenganghäuser relevant. Kleine Gebäude müssen weiterhin vollständig gemessen werden. „Für alle anderen bedeutet die neue Regelung aber eine teils deutliche Erleichterung“, erklärt Oliver Solcher, Geschäftsführer beim Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V.) . Das mache den Luftdichtheitstest auch für jene interessant, denen die Untersuchung eines kompletten Laubenganggebäudes bislang zu teuer erschien: „Dabei ist eine Schlussmessung Voraussetzung dafür, um bei der energetischen Gebäudebilanzierung mit einer verminderten Luftwechselrate rechnen zu dürfen“, merkt Solcher an.

Die Vorgaben für die Stichprobenauswahl sind eindeutig

Wie man die Stichprobe auswählt und die Messergebnisse auswertet, regelt das GEG über den Nationalen Anhang NB der Messnorm DIN EN ISO 9972. Dieser legt zum Beispiel fest, wie die zu prüfenden Wohnungen auf die einzelnen Stockwerke verteilt sein müssen und dass die Strichprobe mindestens 20 Prozent der Hüllfläche nach außen sowie sämtliche Bauweisen und Bauelemente entsprechend ihrem Anteil am zu untersuchenden Gebäude oder Gebäudeteil repräsentieren muss. Gibt es auch über Flure oder Treppenhäuser zugängliche Nutzeinheiten oder solche, die anders als die der Stichprobe genutzt werden, und liegen diese innerhalb der wärmeübertragenden Umfassungsfläche, sind sie zusätzlich zu messen.

„Eine Stichprobe korrekt zusammenzustellen ist durchaus anspruchsvoll“, betont Solcher und empfiehlt einen genauen Blick in die Messnorm. Das Wichtigste an der neuen Regelung sei aber ohnehin, dass es überhaupt eine gibt. In der Vergangenheit habe es Hinweise gegeben, dass nur Stichproben geprüft und die Ergebnisse aufs Gesamtgebäude übertragen wurden, obwohl das nicht zulässig war. Ein Indiz: Sobald mit der EnEV 2014 ausdrücklich von der „Dichtheit des gesamten Gebäudes“ die Rede war, mehrten sich beim FLiB die Anfragen, ob es nicht doch Möglichkeiten gebe, Gebäude nur teilweise zu messen. „Das neue Gesetz erlaubt das jetzt zwar, macht aber gleichzeitig unmissverständlich deutlich, dass dies nur in ganz bestimmten Fällen gilt, und regelt über den Norm-Bezug auch das Vorgehen im Detail“, so Solcher. Für Messende wie für ihre Auftraggeber bedeute dies mehr Sicherheit.

Provisorisches Abdichten ist verboten, Schutzdruck erlaubt

Zu den Einzelheiten, die der Norm-Anhang NB für Stichprobenmessungen festschreibt, zählt beispielsweise das Verbot, interne Leckagen während des Tests provisorisch abzudichten. Dadurch können diese das Messergebnis beeinflussen, obwohl der Stichprobentest nur einen Kennwert für die Dichtheit der wärmeübertragenden Umfassungsfläche liefern soll. Ausschließen lässt sich das nur, indem man entweder alle Wohnungen messtechnisch überprüft oder aber die Stichprobenmessung unter sogenanntem Schutzdruck durchführt, ein Vorgehen, das Anhang NB ausdrücklich erlaubt: Dabei gleicht man die Druckverhältnisse auch in angrenzenden Nutzeinheiten an und verhindert dadurch Luftströmungen durch eventuell vorhandene Undichtigkeiten in Trennwänden, Böden und Decken. Die KfW-Bank kennt bei großen Mehrfamilienhäuser übrigens eigene Stichprobenregelungen für den vorgeschriebenen Blower-Door-Test. Diese gelten auch für Gebäude mit Laubengangerschließung. Ob hier Änderungen geplant sind, ist dem FLiB derzeit nicht bekannt.