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Außen Mauerwerk – innen Fachwerk

Bundwände wurden vor allem in Wohngebäuden der Gründerzeit in vielfältigen Konstruktionsarten und Ausführungsqualitäten errichtet. Diese inneren Fachwerkwände können tragend und nicht tragend sein. Müssen sie saniert werden, sind insbesondere mögliche Schäden an Ziegeln und Holzteilen, die Tragfähigkeit der Wände und der Schallschutz zu berücksichtigen.

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Um die Baukosten möglichst gering zu halten, wurden Mitte des 19. Jahrhunderts innere Wände mit traditionellem Fachwerk, wie der Bundwand, ausgeführt. (Abb.: Reinboth)

Der historische Fachwerkbau hat in Deutschland eine lange Tradition. Seit dem frühen Mittelalter war diese Art von Tragkonstruktion bei Gebäuden vor allem im mittel- und süddeutschen Raum weit verbreitet. Die inneren Wände nannte man Bund-, Riegel- oder Fachwerkwände.

Die industrielle Entwicklung und das damit verbundene starke Bevölkerungswachstum Mitte des 19. Jahrhunderts führte im Deutschen Reich zum Bau einer großen Zahl von Wohn- und Gewerbegebäuden. Mit hölzernen Fachwerkbauten konnte man dieser Entwicklung nicht mehr gerecht werden. So wuchs die Zahl massiv errichteter Gebäude stark an. Die historischen Bauvorschriften spielten ebenfalls eine große Rolle bei der Wahl des Baumaterials für die Außenwände.

Da die Kosten für Ziegel in dieser Zeit noch relativ hoch waren, wurde durch traditionelle Fachwerkwände im Inneren des Gebäudes versucht, die Baukosten gering zu halten. Somit entstand eine Vielzahl von Wohngebäuden mit Trennwänden in Form von verschiedenartigen Fachwerkwänden, unter anderem die Bundwand.

Die Anwendung von Bundwänden lässt sich mit regional unterschiedlicher Ausprägung zwischen 1860 und 1920 anhand von Gebäuden, Literatur und historischen Bauakten nachweisen. Sie kommen als Trennwände zwischen zwei Räumen, als Mittelwand und zum Teil auch als Treppenhauswand in Wohngebäuden vor. Aber auch bei kleineren Gewerbegebäuden wurden sie als Innenwände eingebaut. Nach Bieghold haben Bundwände bei Innenwänden in Mehrgeschossbauten im Stadtgebiet der sächsischen Großstädte Chemnitz, Dresden und Leipzig einen Anteil von circa 75 Prozent.

In historischen Bauvorschriften sind meist nur allgemeine Angaben über die Mindestwanddicken bei Wohngebäuden zu finden. Angaben über tragende Fachwerkinnenwände sind nur vereinzelt gemacht worden. Ein Beispiel findet man im Allgemeinen Baugesetz für das Königreich Sachsen 1900/1904. Dort heißt es sehr allgemein im § 107: „Unbelastete Scheidewände können in beliebigen Ersatzstoffen ausgeführt werden, wenn ihre Standfestigkeit durch genügende Aussteifung oder Befestigung an anderen Wänden oder an der Decke oder durch Aufstellung auf der Balkenlage, wenn deren Tragfähigkeit genügt, gesichert ist; wiederholen sich Scheidewände in mehreren Geschossen übereinander, so ist durch entsprechende Konstruktionen (Träger, Sprengwerke) dafür zu sorgen, daß die Last der oberen Wände sich nicht auf die unteren überträgt.“

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