zurück

Arbeiten mit Gefahrstoffen

Zu den Vorsichtsmaßnahmen zur Minimierung von Gefährdungen zählen beim Einsatz von Flüssigkunststoff unter anderem das Gefahrstoffverzeichnis, die Betriebsanweisungen, die Gefährdungsbeurteilung und die persönliche Schutzausrüstung. Jan Wittemöller, technischer Berater beim Flüssigkunststoff-Hersteller Triflex, hat sich in einem Artikel intensiv mit dem Thema Arbeitsschutz beim Arbeiten mit Gefahrstoffen auseinandergesetzt.

Arbeitsschutz Betrieb Triflex Bild1
Die neuen Gefahrenpiktogramme geben einen klar erkennbaren optischen Hinweis darauf, welche Gefahren im Umgang mit dem Produkt auftreten können. Dieses warnt vor einer Ätzwirkung. (Abb. Triflex)

Seit 2017 werden potenziell gefährliche Stoffe und Gemische mit rautenförmigen, rot umrandeten, weltweit genutzten Gefahrenpiktogrammen gekennzeichnet.„Die neuen Piktogramme geben bereits auf dem Etikett einen klar verständlichen optischen Hinweis darauf, welche Gefahren im Umgang mit dem Produkt auftreten können“, sagt Marco Borgmann, Teamleiter Produktsicherheit für Triflex. Die Produkte des Herstellers von Polymethylmethacrylat-basierten (PMMA) Flüssigkunststoff-Lösungen sind auch mit dieser Kennzeichnung versehen. Ergänzend zur grafischen Darstellung bieten die H-Sätze (Gefahrenhinweise) auf dem Etikett weitere Informationen zur Wirkung der Inhaltsstoffe, die P-Sätze (Sicherheitshinweise) unterrichten über den sicheren Umgang sowie die korrekte Lagerung und Entsorgung des Produktes.

Detaillierte Informationen bietet das Sicherheitsdatenblatt (SDB). Es ist Aufgabe der Hersteller von als gefährlich eingestuften Stoffen, aber auch der Lieferanten, das SDB den Anwendern kostenfrei und unaufgefordert bereitzustellen – auch wenn Änderungen vorgenommen werden. „Bei Triflex beispielsweise erfolgt die Übermittlung der aktuellen SDB-Version automatisch auf dem elektronischen Weg“, erklärt Borgmann. „So erhalten unsere Kunden eventuelle Änderungen zu den von ihnen bezogenen Produkten umgehend per E-Mail und müssen nicht selbst aktiv werden.“ Die Erstellung, Weitergabe und Aufbewahrung der SDB unterliegt in der EU der REACH-Verordnung (Titel IV – Information in der Lieferkette). Dort ist der Inhalt von Sicherheitsdatenblättern und ihre Unterteilung in 16 Abschnitte geregelt. Die Abschnitte 2 (Mögliche Gefahren), 7 (Handhabung und Lagerung), 8 (Schutzkleidung und mögliche Arbeitsplatzgrenzwerte) sowie 13 (Entsorgung) liefern wichtige Hinweise für einen sicheren Umgang mit dem Produkt und zur Prävention von Fehlern, die Gesundheit und Umwelt beeinträchtigen könnten. Kommt es dennoch zu einem Schadensfall, geben die Abschnitte 4 (Erste Hilfe), 5 (Brandbekämpfung) und 6 (Unbeabsichtigte Freisetzung) Hilfestellung.

Den Überblick bewahren: der GISCODE

Arbeitsschutz Betrieb Triflex Bild2
Marco Borgmann, Teamleiter für Triflex Produktsicherheit, weiß: Bei einem geschulten Umgang mit Gefahrstoffen lassen sich potenzielle Risiken für Mensch und Umwelt auf ein Minimum reduzieren. (Abb.: Triflex)

Um im Arbeitsalltag den Überblick über alle Pflichten beim Umgang mit Gefahrstoffen zu behalten, hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) den sogenannten GISCODE (Gefahrstoff-Informations-System-Code) entwickelt. „Der Grundgedanke dahinter ist folgender: die große Anzahl chemischer Produkte auf wenige Produktgruppen zu reduzieren, wenn die Gesundheitsgefährdung vergleichbar ist und die Schutzmaßnahmen dementsprechend dieselben sind“, so Borgmann. „Ein Beispiel dafür ist die Gruppe der Methylmethacrylat-Beschichtungsstoffe, unter die auch unsere Produkte fallen.“ Bei Triflex-Produkten ist der GISCODE ( in der Regel in Abschnitt 15 des Sicherheitsdatenblatts zu finden. Methylmethacrylathaltige Beschichtungen sind im GISCODE zum Beispiel als RMA10 klassifiziert.

Arbeitgeber müssen für die Sicherheit ihrer Arbeitnehmer sorgen

Auch das verarbeitende Unternehmen hat einige verbindliche Maßnahmen zu beachten. So muss es die Angestellten in regelmäßigen Abständen über Schutzmaßnahmen unterrichten und auf die Einhaltung achten. Grundlage ist unter anderem die sogenannte Betriebsanweisung, die für alle Tätigkeiten anzufertigen ist, bei denen Mitarbeiter einer potenziellen Gefahrensituation ausgesetzt sind. Dies betrifft die Bedienung technischer Anlagen – von Maschinen und von Werkzeugen – ebenso wie die Handhabung von Produkten, die als Gefahrstoffe klassifiziert sind. Die Betriebsanweisung fasst neben den möglichen Gefahren für Mensch und Umwelt Sicherheitsmaßnahmen zusammen und beschreibt auch das Verhalten bei Unfällen und Störungen. Unterschrift zu bestätigen.

Darüber hinaus hat jeder Betrieb, in dem Gefahrstoffe Verwendung finden, ein Gefahrstoffverzeichnis zu erstellen. Was das Verzeichnis zu enthalten hat, ist in der Gefahrstoffverordnung in § 6, Absatz 12, Satz 1 geregelt: „1. Bezeichnung des Gefahrstoffs, 2. Einstufung des Gefahrstoffs oder Angaben zu den gefährlichen Eigenschaften, 3. Angaben zu den im Betrieb verwendeten Mengenbereichen, 4. Bezeichnung der Arbeitsbereiche, in denen Beschäftigte dem Gefahrstoff ausgesetzt sein können.“

Praxistipp: WINGIS-Online

Arbeitsschutz Betrieb Triflex Bild3
Das Portal WINGIS-Online der BG BAU macht die Erstellung und Führung eines Gefahrstoffverzeichnisses einfach. (Abb.: Triflex)

Die Erstellung eines Gefahrstoffverzeichnisses kann für Unternehmen unter Umständen mit großem Aufwand verbunden sein. Schneller geht es mit WINGIS-Online , dem Gefahrstoff-Informationssystem der BG BAU: GISBAU. Dieses bietet nicht nur umfassende Informationen zum Bauen und Renovieren unter Einsatz von als gefährlich eingestuften Produkten, sondern vereinfacht die Führung eines Gefahrstoffverzeichnisses und somit die Einhaltung von Arbeitsschutz-Pflichten. Das Tool myWINGIS nutzt den SDB-Datensatz der GefKomm-BAU und verknüpft die auf WINGIS-Online hinterlegten Betriebsanweisungen. Über die Suchfunktion können die passenden Bestandteile des Verzeichnisses ermittelt und hinzugefügt werden. Das spart Zeit. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit, weitere Gefahrstoffe zu ergänzen. Über ein Formblatt können Hersteller dazu aufgefordert werden, Sicherheitsdatenblätter zu hinterlegen. Auch die Betriebsanweisungen der Hersteller nach Gefahrstoffverordnung § 14, Absatz 1, sind bei WINGIS hinterlegt und können mit dem GISCODE schnell und einfach heruntergeladen werden. Sie müssen dann lediglich mit den Betriebsdaten ergänzt werden.

Gefährdungen richtig einschätzen

Zu den Pflichten des Arbeitgebers gehört auch die Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen. Dabei sind als Basis für die Anordnung von entsprechenden Schutzmaßnahmen alle Gefährdungen, denen die Beschäftigten bei ihren Tätigkeiten ausgesetzt sind, zu ermitteln und zu bewerten. Es besteht eine Nachweis- und Dokumentationspflicht. Die Berufsgenossenschaften bieten dazu umfassendes Hilfsmaterial.

Eine Gefährdungsbeurteilung ist bei der Einrichtung eines Betriebes, vor Aufnahme aller Tätigkeiten sowie bei der erstmaligen Verwendung neuer Arbeitsmittel zu erstellen. Außerdem ist sie fortzuschreiben, wenn es Veränderungen im Betrieb gibt oder sich ein Unfall ereignet hat, bei dem sich die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen unter Umständen als nicht wirksam erwiesen haben. Sollte der Arbeitgeber nicht über ausreichend geschultes Personal zur Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung verfügen, kann er auf externe Dienstleister zurückgreifen.

Außerdem ist zu beachten, dass je nach Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung eine arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich werden kann. Dass diese stattfindet, hat der Arbeitgeber sicherzustellen. Die BG BAU bietet einen regionalen Arbeitsmedizinischen Dienst (ASD), der Auskunft zur Notwendigkeit gibt und die Untersuchungen übernimmt.

Richtig ausgerüstet und gekleidet für den persönlichen Schutz

Arbeitsschutz Betrieb Triflex Bild4
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge legt die Persönliche Schutzausrüstung fest. Für die Verarbeitung von PMMA-Produkten empfohlen werden Körper-und Handschutz ebenso wie ein Augen- und Atemschutz. (Abb.: Triflex)

Jeder Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass seine Beschäftigten durch die beauftragten Tätigkeiten keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen erleiden. Für alle Tätigkeiten, bei denen Mitarbeiter Gefahren ausgesetzt sind, muss der Arbeitgeber für den Schutz der Beschäftigten sorgen. Dabei stehen technische Maßnahmen an erster Stelle. Sind diese nicht umsetzbar, so hat der Arbeitgeber zu prüfen, ob die potenziellen gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch organisatorische Maßnahmen verhindert werden können. Sind weder technische noch organisatorische Maßnahmen möglich, so ist eine persönliche Schutzausrüstung (PSA) zur Verfügung zu stellen. Welche PSA zu tragen und welches Material für das jeweilige Einsatzgebiet am besten geeignet ist, darüber geben die jeweiligen Sicherheitsdatenblätter der Hersteller Empfehlungen. Effiziente Maßnahmen für die Handhabung von Flüssigkunststoff sind eine lange Arm- und Beinbekleidung sowie Armstulpen für die Sommermonate, Handschuhe sowie eine dichtschließende Schutzbrille oder ein Gesichtsschutz. Zusätzlich sollte eine Augenspülflasche für den Notfall bereitstehen.

Arbeitsschutz Betrieb Triflex Bild5
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge legt die Persönliche Schutzausrüstung fest. Für die Verarbeitung von PMMA-Produkten empfohlen werden Körper-und Handschutz ebenso wie ein Augen- und Atemschutz.

Sollten trotz Be- und Entlüftungsmaßnahmen die Arbeitsplatzgrenzwerte in der Atemluft überschritten werden, ist das Tragen einer Atemschutzmaske mit Filter notwendig. „Zum Beispiel ist für die Verarbeitung von PMMA-Produkten ein Filtertyp A1 oder A2 – bei höherer Konzentration – zu empfehlen. Dies ist auch dem Abschnitt 8 der Sicherheitsdatenblätter zu entnehmen“, erklärt Marco Borgmann. Die BG BAU fördert den Arbeitsschutz mit den gebläseunterstützten Filtergeräten mit Helm, indem sie diese bezuschusst. Neben einem zuverlässigen Atemschutz bewahren diese außerdem Kopf, Gesicht und Augen vor Verletzungen. Die arbeitsmedizinische Vorsorgepflicht entfällt. Die Tragedauer ist nicht begrenzt und folglich bestehen keine Auflagen bezüglich vermehrter Pausen während der Arbeitszeit. Pro Filtergerät mit Helm kann die Hälfte der Anschaffungskosten, maximal 500 Euro, von der BAU BG zurückerstattet werden.

Auch Arbeitnehmer haben Pflichten

Der Arbeitnehmer ist dazu verpflichtet, den regelmäßigen Unterweisungen durch seinen Vorgesetzten zu folgen und alle Hinweise von SDB und Betriebsanweisung zu verinnerlichen sowie die PSA bestimmungsgemäß zu tragen. Im Idealfall wissen die Mitarbeiter nicht nur mit Gefahrensituationen umzugehen, sondern sind so geschult, dass sie diese schon im Vorfeld durch ihr Handeln vermeiden. Denn durch präventive Maßnahmen lassen sich Gesundheits- wie Umweltrisiken auf ein Minimum reduzieren.

www.triflex.com