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Alternativer Wärmedämmstoff: Typha-Pflanze

Wissenschaftler der Jade Hochschule untersuchen eine biologische Alternative zu EPS (Styropor) oder Mineralwolle für die Wärmedämmung von Gebäuden: die Typha-Pflanze.

Typha-Planze Ernte
Schwierigkeiten könnte die Ernte der Typha-Pflanze bereiten: Sie kann nur im Winter, wenn die Böden gefroren sind, geerntet werden – für weiche Böden sind die Erntemaschinen zu schwer. (Abb.: 3N Kompetenzzentrum e.V.)

Zur Wärmedämmung von Häusern werden meist die künstlich hergestellten Stoffe EPS (Styropor) oder Mineralwolle eingesetzt. Eine biologische Alternative untersuchen Wissenschaftler der Jade Hochschule in dem deutsch-niederländischen Forschungsprojekt „Bioökonomie – Grüne Chemie“. Anhand von Messungen in einem Musterhaus überprüfen Prof. Dr. Heinrich Wigger, Leiter des Instituts für Materialprüfung der Jade Hochschule, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Murat Ince, inwiefern sich die Typha-Pflanze – auch Rohrkolben oder „Lampenputzer“ genannt – für die Wärmedämmung eignet.

Anbau auf Moorflächen dient auch dem Klimaschutz

Die Vorteile der Wasser- und Sumpfpflanze Typha liegen für Murat Ince auf der Hand: Durch ihren Aufbau sei die Pflanze prädestiniert für den Einsatz als Dämmmaterial. „Sie enthält viele Hohlkammern mit Luft. Luft leitet Wärme schlecht weiter und ist daher Hauptbestandteil vieler Dämmstoffe.“ Sie wachse schnell und zwar in Moorgebieten, die in Deutschland, insbesondere im Nordwesten, häufig sind. „Die Moorflächen lassen sich landwirtschaftlich nicht nutzen“, sagt der Wissenschaftler. „Zudem trocknen sie aus und setzen dabei Kohlenstoffdioxid frei.“ Würde das Moor durch die Ansiedelung der Typha-Pflanze befeuchtet werden, hätte das auch positive Effekte für den Klimaschutz. Schwierigkeiten könnte allerdings die Ernte bereiten: die Typha-Pflanze kann nur im Winter, wenn die Böden gefroren sind, geerntet werden – für weiche Böden sind die Erntemaschinen zu schwer.

Messungen in Musterhäusern

Zwei „Tiny Häuser“ – kleine Holzhäuser, nur rund 6,70 x 6,70 Meter groß – sollen bis Ende des Jahres als Musterhäuser aufgebaut und mit einer Wärmedämmung durch die Typha-Pflanze versehen werden. Hier messen die Wissenschaftler die Temperatur, die Feuchtigkeit und überprüfen die Beständigkeit der Pflanze. „Zuerst müssen wir geeignete Positionen für die Sensoren finden, die die Messung nicht beeinflussen. Wir dürfen beispielsweise nicht durch die Wand bohren“, erklärt Dr. Wigger. Zudem müsse die Temperatur und Feuchtigkeit an verschiedenen Stellen gemessen und zusätzlich die Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe begleitend im Labor untersucht werden. Die Feuchtigkeitsempfindlichkeit der Pflanze sei ein sehr wichtiges Thema, erklärt der Experte, zumal klassischen Baustoffen eine höhere Widerstandskraft nachgesagt würde. „Die Typha-Pflanze ist als Sumpfpflanze von Natur aus resistent gegen Feuchtigkeit“, ergänzt Ince. „Alles Weitere ist in unseren Augen eher eine Frage der konstruktiven Ausbildung.“ Einmal geerntet, dann gehäckselt, getrocknet und gesiebt, könne die Pflanze zu Platten weiterverarbeitet oder wie getrocknetes Stroh in die Räume zwischen den Ausfachungen geblasen werden.

Erste Versuche zur Wärmedämmung mit der Typha-Pflanze wurden bereits in Süddeutschland gemacht. So werden die Pflanzen für die Tests im Nordwesten momentan aus der Donau-Region und aus den Niederlanden geliefert. „Der umfassende Informations- und Wissensaustausch mit unseren niederländischen Partnern, bringt unser Projekt enorm voran“, sagt Wigger. Die länderübergreifende Kooperation soll weiter ausgebaut werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Jade Hochschule .