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4. Symposium Baudichtstoffe: Fugen sind mehr als Details

Marktentwicklung, Bewegungsfugen in Neubau und Sanierung, spritzbare Dichtstoffe und die Vermeidung von Prozessen im Bauwesen: Diese und weitere Themen standen auf dem Programm des 4. Symposiums Baudichtstoffe, das am 8. November 2018 in Frankfurt stattgefunden hat.

Symposium Baudichtstoffe 2018
Gastgeber & Referenten beim Symposium Baudichtstoffe (v.r.): Dr. Jochen Pohl, Kars-ten Ollesch, Petra Fischer (DBC), Mario Sommer und Norbert Schröter (DBC) (Abb.: Deutsche Bauchemie)

Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie, die das Symposium ins Leben gerufen hat, gab den über 100 Teilnehmern zum Einstieg einen kurzen Überblick zum nationalen und internationalen Markt: Die Entwicklungen sind seit dem letzten Symposium 2016 kontinuierlich positiv. Das Weltmarktvolumen für Baudichtstoffe liegt 2018 bei rund 9 Milliarden Euro wovon Europa mit 3,6 Milliarden Euro den größten Anteil hält, gefolgt von Asien (2,5 Milliarden) und Nordamerika (1,6 Milliarden Euro).

Planung ist wichtig, wenn der Boden funktionieren soll

Wie wichtig eine sachgerechte Planung von Bewegungsfugen in Neubau und Sanierung ist, erläuterte Mario Sommer (Sopro Bauchemie GmbH) anhand zahlreicher Praxisbeispiele. Er nannte Deutschland „das Land des schwimmenden Estrichs“ und zeigte auf, wo und wie genau die Planung ihre Vorgaben setzen muss, um am Schluss eine funktionierende und belastbare Fußbodenkonstruktion zu erhalten. Mario Sommer ging unter anderem auch auf das Thema „barrierefrei“ ein und formulierte im Hinblick auf die Abdichtungsproblematik: „Barrierefrei heißt auch fürs Wasser barrierefrei!“

Bauwerksanschlüsse sicher abdichten

Karsten Ollesch (Soudal N.V.) referierte anschließend über die Anwendung spritzbarer Dichtstoffe in der Fenster- und Türenmontage und legte seinen Ausführungen hier das bekannte Drei-Ebenen-Modell „Innen dichter als außen“ zugrunde. Bei der Dimensionierung der Fugen lautet seine und die Empfehlung des Fachausschusses 7 der Deutschen Bauchemie: „Für Fugenbreiten größer als 10 Millimeter gilt die Faustformel Fugentiefe entspricht etwa halber Fugenbreite, wobei die Fugentiefe nicht kleiner als 6 Millimeter und nicht größer als 18 Millimeter sein soll.“ Ein weiterer Schwerpunkt dieses Vortrags war die fachgerechte Dichtstoff-Verarbeitung bei Bauwerksanschlüssen und Verglasungsfugen.

Wasserrecht: Vorgaben, die fast nicht einzuhalten sind

In die Fugentechnik im landwirtschaftlichen Bauen führte Dr. Jochen Pohl (APO GEO-POHL AG) das Auditorium mit dem Thema „Wasserrechtliche Anforderungen an Fugendichtstoffe in Jauche-, Gülle-, Silage-Anlagen“. Er skizzierte die extrem hohen Vorgaben der entsprechenden Vorschriften- und Regelwerke, die in der Praxis so „fast nicht einzuhalten sind“. Verarbeitung von Fugen im landwirtschaftlichen Bauen erfolge oft unter ungünstigen Wetter-Umständen und enormem Zeitdruck, die Wahl des richtigen Dichtstoffes sei dabei mit die größte Herausforderung für Planer und Verarbeiter.

Bauschäden sind häufig bei Dichtstoff-Einsätzen an Fenstern und Fassaden

Prof. Dr. h.c. Klaus Layer (Sachverständigenbüro Layer & Partner) schilderte seine Erfahrungen im Zusammenhang mit Dichtstoff-Einsätzen an Fenstern und Fassaden. Hauptursache für zum Teil extrem hohe Bauschäden in diesem Bereich seien Mängel in Planung und Ausführung von Baukörperanschlüssen. Prof. Layer zeigte anhand zahlreicher Praxisfälle, dass neben der falschen Materialauswahl oft auch fehlende Kommunikation zwischen den Beteiligten solche Schäden begünstigt.

Juristische Auseinandersetzungen vermeiden

Damit spielte er den Ball inhaltlich direkt zu Rechtsanwalt Han Christian Jung (Kanzlei Schiche & Jung), der die juristischen Folgen fehlender Kommunikation im „Bermudadreieck“ zwischen Auftraggeber, Planer und Verarbeiter sehr plastisch und nachvollziehbar darstellte. Er zeigte den Teilnehmern jeweils aus deren Sicht Strategien auf, wie man durch rechtzeitige Interaktion juristische Duelle vermeiden kann: „Der beste Prozess ist der, den man erst gar nicht führen muss!“

Viele Teilnehmer nutzten die Möglichkeit zu Diskussionsbeiträgen und Fragen an die Referenten; hier trafen auch kontroverse Sichtweisen zwischen Herstellern, Architekten, Sachverständigen und Verarbeitern aufeinander – ein Effekt, der von den Initiatoren der Veranstaltung gewünscht ist. Das nächste Symposium Baudichtstoffe der Deutschen Bauchemie findet im Spätherbst 2020 statt.