Schadstoffsanierung


Wegen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Schimmelpilzsanierer

Parallel zur zunehmenden öffentlichen Aufmerksamkeit, die Schimmelpilze in den vergangenen Jahren erfahren haben, wurden Hersteller und Händler aktiv und begannen damit, Mittel zur „Desinfektion der Schimmelpilzschäden“ zu vermarkten. Eine Desinfektion kann aber die fachgerechte Sanierung eines Schimmelpilzschadens nicht ersetzen. Nur in wenigen Fällen ist eine Desinfektionsmaßnahme als Ergänzung zu einer Sanierung sinnvoll.

Desinfektion Lorenz
Hier hilft keine Desinfektion: Der massive mikrobielle Befall hinter dieser Heizung wurde durch eine Bauteildurchfeuchtung ausgelöst. (Abb.: Dr.-Ing. Wolfgang Lorenz, Institut für Innenraumdiagnostik)

Bevor man sich über die richtigen Techniken und Vorgehensweisen bei der Sanierung von Schimmelpilzschäden Gedanken macht, sollte man zwei fundamentale Fragen beantworten:

  • Was ist ein Schimmelpilzschaden?
  • Welche Probleme kann ein Schimmelpilzschaden verursachen?

Erst nach Beantwortung dieser Fragen kann festgestellt werden, welche Methoden zur nachhaltigen Beseitigung des Schadens geeignet sind. Bei der Auswahl ist auch zu beachten, ob diese Methoden in der Praxis erfolgreich und kontrolliert eingesetzt werden können und dass technisch geeignete Methoden keine neuen Probleme schaffen.

Was ist ein Schimmelpilzschaden?

In Leitfäden und Fachbüchern wird die Frage beantwortet, was eigentlich ein Schimmelpilzschaden ist. Dennoch werden die bisherigen Erkenntnisse bei der Wahl von Sanierungstechniken oft missachtet. Ein Schimmelpilzschaden ist nicht mit der Anwesenheit von Schimmelpilzsporen gleichzusetzen, sondern es muss ein relevantes Wachstum von Schimmelpilzen, manchmal auch Hefepilzen und meist auch Bakterien vorliegen. Relativ neue Forschungsergebnisse zeigen, dass zusätzlich mit Amöben und Milben zu rechnen ist. Auslöser aller mikrobiellen Schäden in Gebäuden ist eine ausreichend hohe Feuchtigkeit in oder auf Baumaterialien, Innenausstattung oder Hausrat. Deshalb ist kein weiteres mikrobielles Wachstum mehr möglich, wenn die Ursache der erhöhten Feuchtigkeit ermittelt und dauerhaft beseitigt wird. Auf diese Weise wird das Wachstum unterbunden, auch ohne Einsatz von Desinfektionsmaßnahmen.

Welche Probleme kann ein Schimmelpilzschaden verursachen?

  • Feuchtigkeits- und Schimmelpilzschäden können folgende Probleme mit sich bringen:
  • optisch erkennbare und störende Schadensbildung,
  • wahrnehmbare und unangenehme Geruchsbelastung,
  • Schädigung von Wirtschaftsgütern durch optische Beeinträchtigungen, Kontamination mit Geruchsstoffen und Veränderung der Materialeigenschaften, gesundheitliche Beeinträchtigung von Personen.

Im Vordergrund stehen die gesundheitliche Gefährdung und die Geruchsbelastung, wobei unangenehme Gerüche zu Unwohlsein und Stress-Symptomen führen können. Wie Laborversuche zeigen, ist auch eine Beeinträchtigung des Immunsystems nicht auszuschließen .

Welche gesundheitlichen Risiken haben Schimmelpilzschäden?

  • Ein Schimmelpilzschaden kann
  • fakultativ pathogene Keime freisetzen,
  • antigene Stoffe freisetzen, die zu einer Sensibilisierung oder Allergisierung führen können,
  • sogenannte PAMPs (= Pathogen Associated Molecular Patterns) freisetzen (dies sind antigene Stoffe, die von Rezeptoren des angeborenen Immunsystems als fremd erkannt werden und Reaktionen des Immunsystems auslösen),
  • toxische Stoffe freisetzen, wie Mykotoxine oder bakterielle Exo- und Endotoxine.

Man weiß heute mit Sicherheit, dass eine Infektionsgefahr durch Keime bei Schimmelpilzschäden für Menschen ohne drastische Immunerkrankung oder Immunschwäche nicht existiert. Aber auch eine Gefährdung von Risikopatienten mit einer Immunerkrankung oder medikamentös bedingten Immunschwäche ist weitgehend auszuschließen, denn die Erreger von opportunistischen Infektionen Aspergillus niger und Aspergillus fumigatus sind nur sehr selten bei Feuchtigkeitsschäden in oder auf den feuchten Materialien zu finden, allerdings in Blumenerde, Kompost und im Hausstaub. Die meisten der im Zusammenhang mit Schimmelpilzschäden berichteten Symptome sind Atemwegsbeschwerden, wie chronische Rhinitis, Sinusitis oder Bronchitis. Häufig klagen betroffene Personen auch über „Gelenkschmerzen“ und Hautreaktionen. Die Symptome im Bereich der Atemwege werden nicht durch eine Infektion, das heißt durch Keime verursacht, sondern durch antigene Partikel, die eine inflammatorische (entzündliche) Immunreaktion auslösen. Vermutlich wird die inflammatorische Wirkung durch mikrobielle Toxine verstärkt. Bei den Hautreaktionen liegt gewöhnlich eine allergische Reaktion zugrunde und vermutlich sind für die Gelenkschmerzen toxische Stoffe verantwortlich. Es spielt daher für die gesundheitliche Gefährdung keine Rolle, ob die mikrobiellen Partikel wachstums- oder keimfähig sind oder „tot“.

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND , Ausgabe 3. 2013

Autor: Dr. Wolfgang Lorenz

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