Bauwerksabdichtung - Bautenschutz + Bausanierung


Kleiner Anschluss – große Wirkung

Wohn- und Industriegebäude benötigen eine Ver- und Entsorgungsinfrastruktur. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Hauseinführung. Dennoch wird dieser Detailpunkt bei der Bauwerksabdichtung oft nicht ausreichend berücksichtigt. Der 1. Praxistag Hauseinführungen hat sich dieser Thematik gewidmet. Die Referentenvorträge stehen frei zum Download zur Verfügung.

Gemeinsam mit den Zeitschriften 3R, gwf Wasser/Abwasser und gwf Gas/Energie in Gelsenkirchen veranstaltete der Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel e.V. am 27. April 2017 den 1. Praxistag Hauseinführungen. Referenten berichteten vor etwa 130 Besuchern von der Normung über das Recht bis zu den Bauschäden. Im Folgenden stellen wir einige Beiträge kurz vor:

Rechtliche Aspekte beachten

Rechtsanwältin Sascha Köhler (BBH Berlin) brachte den Zuhörern die komplexe Materie um den Hausanschluss zwischen den Verantwortlichkeiten der Netzbetreiber und dem Anschlussnehmer sowie die entsprechende Pflichtenverteilung nahe.

Der Netzbetreiber hat das Alleinbestimmungsrecht zu Art, Zahl und Lage der Hausanschlüsse. Er kann die Dimensionierung und das Material vorgeben und die Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik verlangen. Im Interesse des Kunden ist auf eine kostengünstige Einrichtung zu achten. Der Anschlussnehmer hat die baulichen Voraussetzungen für die sichere Errichtung des Netzanschlusses zu schaffen. Er hat die Zugänglichkeit auf dem Grundstück zu gewährleisten, Mauerdurchbrüche, Kernbohrungen und Futterrohre zu stellen und für die Abdichtung zur Wand zu sorgen. Übernimmt der Netzbetreiber zum Beispiel die Pflicht des Anschlussnehmers der Hausdurchführung, entsteht hieraus ein Werkvertrag mit entsprechenden Vergütungsansprüchen und Gewährleistungspflichten. Köhler rät davon ab, weil der Netzbetreiber damit die Kosten und die Verantwortung trägt.

Während der Nutzungsdauer trägt der Anschlussnehmer die Verantwortung dafür, dass Leitungstrasse und Hausanschluss zugänglich bleiben. Liegen die Leitungen nicht in Leerrohren sind Überbauung und Bepflanzung zu verhindern, Freilegung muss möglich sein. Bei Nichtbeachtung trägt der Kunde im Schadenfall die Kosten für Freilegung, Oberflächenherstellung und so weiter.

Die Sanierung von Netzanschlüssen im Gebäudebestand vorbereiten

Steffen Jantz (Stadtwerke Sindelfingen GmbH) berichtete über die systematische und gerichtsfeste Vorbereitung von Sanierungsarbeiten im Gebäudebestand. Die Stadtwerke Sindelfingen betreiben im Querverbund die Versorgung mit Strom, Erdgas, Wasser, Fernwärme und Telekommunikation. Sie bauten eine Datenbank auf, in der alle Hausanschlüsse erfasst sind. Nach einer Checkliste werden über mobile Endgeräte alle relevanten Daten geprüft, Wartungen inklusive Bilder dokumentiert, kleinere Reparaturen veranlasst. Bei Sanierungsbedarf eines Gebietes erfolgt im Vorfeld eine umfangreiche Kommunikation durch Presseartikel, Veranstaltungen, Briefe, die Homepage und Bekanntgabe von Ansprechpartnern. Auf der Basis der durchgeführten Ausführungsplanung erfolgt eine Planungsüberprüfung mit dem jeweiligen Hauseigentümer. Dabei wird auch deutlich gemacht, bis wo der Verantwortungsbereich der Stadtwerke geht und ab wo der Hauseigentümer verantwortlich ist. Während der Baudurchführung erfolgt wenn notwendig eine weitere Beweissicherung. Alle Daten bis zur Übergabe werden in der Datenbank hinterlegt. Bei Mängelrügen erfolgt die Beweisaufnahme durch externe Gutachter, um die Dokumentation gerichtsfest zu machen.

Mängel in der Bauwerksabdichtung gezeigt

Dipl.-Ing. Gerhard Klingelhöfer aus Pohlheim konnte aus seiner langjährigen Tätigkeit als Sachverständiger und seiner umfangreichen Mitarbeit in Normenausschüssen über immer wiederkehrende Schäden an Bauwerksabdichtungen berichten.

„Wasser hat einen kleinen Kopf“ führte Klingelhöfer einleitend aus. Es sucht sich auch den Weg durch dünne Haarrisse. Abdichtungen müssen deshalb sorgfältig geplant und ausgeführt sein.

Aufgrund des Grundstückmangels und zur Ausnutzung der vorhandenen Infrastruktur stehen Gebäude auch auf Grundstücken, die man früher als zu feucht beurteilt hätte. Das führt zur falschen Einschätzung der zu erwartenden Wasserstände und der daraus folgenden Wasserbelastung. Das hat nicht nur Folgen für die Auswahl der Abdichtung, sondern auch für die Gebäudestatik durch hydrostatischen Druck auf Kellerwände und -sohle.

Fehler bei der Abdichtung treten durch planerische und handwerkliche Fehler auf, wie die zahlreichen Beispiele Klingelhöfers deutlich machten. Detailpunkte wie Anschlüsse, Übergänge und Durchdringungen sind besonders anfällig. Geprüfte Hauseinführungssysteme können Fehler vermeiden. In der neuen DIN 18533-1 Abdichtung von erdberührten Bauteilen sind diese Systeme ausdrücklich aufgeführt. Als in der Norm geregelte Bauweise sind sie damit als anerkannte Regel der Technik einzustufen. Klingelhöfer schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass in Normen, Verbandsrichtlinien und Herstellererklärungen umfangreiche Hinweise auf fachgerechte Bauwerksabdichtungen vorhanden sind.

Die Tagungsunterlagen können eingesehen werden auf der Homepage des Vulkanverlags