Luftdichtheit - Energetische Sanierung


Buildair-Symposium: Wie undicht ist dicht genug?

Gebäudehüllen sind luftdicht auszuführen. So schreibt es die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) vor. Doch im Detail gibt es noch einige offene Fragen zu klären, wie die Luftdichtheit nicht nur beim Neubau, sondern auch bei energetischen Sanierungen im Bestand zu planen, auszuführen und messtechnisch zu kontrollieren ist.

Buildair-Symposium 2015 Vogel
Klaus Vogel berichtete über ein Forschungsprojekt zu Fehlstellen in der Luftdichtheitsschicht. Ziel ist die Erarbeitung eines Handlungsleitfadens für Baupraktiker. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Eine Veranstaltung, die sich diesen Fragen widmet und den aktuellen Stand diskutiert, ist seit mehr als 20 Jahren das vom Energie und Umweltzentrum am Deister (euz) veranstaltete Internationale Buildair-Symposium. Dieses Mal fand die Tagung am 8. und 9. Mai 2015 in Kassel statt und bot den Teilnehmern eine Reihe wichtiger Erkenntnisse. Überraschend war dabei, dass es zurzeit noch kein einheitliches Bewertungsschema für Fehlstellen in der luftdichten Ebene gibt. So ist zurzeit noch jeder Baupraktiker allein auf sich gestellt, wenn er Fehlstellen bewerten muss: Was ist eine kleine, was eine große Fehlstelle? Wann ist sie als unkritisch einzustufen, wann ist mir ihr ein erhöhtes Schadensrisiko verbunden?

Klaus Vogel stellte als Vertreter des Fachverbandes Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB) ein gerade angelaufenes Forschungsprojekt zu diesem Problem vor. Das Ziel ist, eine Handlungsempfehlung für Baupraktiker zu erarbeiten, mit der sich Fehlstellen in Luftdichtheitsebenen einheitlich bewerten lassen. Hierzu ist mit einem Basisfragebogen eine Befragung von rund 2.000 Sachverständigen und Messdienstleistern geplant, Ergebnisse aus FLiB-Workshops werden einfließen, und hygrothermische Simulationen sollen zu einem besseren Verständnis von Schadensmechanismen beitragen.

Flachdachkonstruktionen aus Holz ohne Unterlüftung kritisch bewertet

Buildair-Symposium 2015 Spilker
Ralf Spilker riet wegen des hohen Schadensrisikos von Flachdachkonstruktionen aus Holz ohne Unterlüftung ab. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Ob und wie kritisch Leckagen sind, hängt unter anderem von der Bauweise ab. So berichtete Ralf Spilker vom AIBau über eine Untersuchung zu Flachdachkonstruktionen aus Holz ohne Unterlüftung und weitgehend dampfdichten Abdichtungen über der Dämmung. Für diese Studie wurden 28 gut dokumentierte Schadensfälle ausgewertet.

Spilker zeigte, dass selbst der Einsatz feuchtevariabler Dampfbremsen nicht zu einer Risikominimierung führt, wenn eine oder mehrere der folgenden Gegebenheiten vorliegen:

■ eine ungeplante Unterlüftung durch absackende Dämmstoffe,

■ Leckagen,

■ hohe Raumluftfeuchten,

■ deutlich erhöhte Feuchtegehalte im Holz,

■ Altersschäden an der Dachhaut.

Spilkers Fazit fiel entsprechend eindeutig aus: Von solchen Dachkonstruktionen sei wegen des hohen Schadensrisikos grundsätzlich anzuraten.

Luftdichtheit von Dächern von innen sanieren

Buildair-Symposium 2015 Runzheimer
Thomas Runzheimer zeigte anschaulich, wie sich die Luftdichtheitsschicht von Dächern von innen wesentlich verbessern lässt. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Aus Sicht des Bauens im Bestand war auch der Vortrag von Thomas Runzheimer über die Sanierung der Luftdichtheit von Dächern von innen besonders interessant. Er zeigte an Beispielen, wie man die Luftdichtheit von innen wesentlich verbessern kann. Hierzu werden in der Regel die vorhandenen Verkleidungen vollständig zurückgebaut und die luftdichte Schicht erneuert. Besondere Schwierigkeiten bereiten hierbei schlecht zugängliche Anschlüsse, Durchdringungen und Installationen, für die oft unkonventionelle „Bastellösungen“ gefunden werden müssen. Runzheimer zeigte, wie man die so ausgeführten Anschlüsse auf noch vorhandene Undichtigkeiten kontrollieren kann, um dann unter Umständen noch nachzubessern.

Auch die vorgefundenen Untergründe müssen oft vorbereitet werden, damit die Klebemassen ausreichend haften können. Mit entsprechender Sorgfalt und den Einbezug aller Details lässt sich der n50-Wert deutlich auf einen Wert von circa 1 verbessern.

B+B BAUEN IM BESTAND bietet weitere Informationen

Buildair-Symposium 2015 Aussteller
Mit welchen Produkten sich die Luftdichtheit umsetzen und kontrollieren lässt, zeigten viele Unternehmen auf dem 9. Internationalen Buildair-Symposium in der begleitenden Ausstellung. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Ein weiterer Bericht zum 9. Internationalen Buildair-Symposium wird in B+B BAUEN IM BESTAND 4./2015 erscheinen.

Michael Henke

http://e-u-z.de