Bautenschutz + Bausanierung


Instandhaltungs-Richtlinie war Thema auf dem 8. GUEP Planertag

Wann sie erscheinen wird, ist noch unklar: Dennoch war die neue Instandhaltungs-Richtlinie auf dem 8. GUEP Planertag in Köln ein Thema, das sich durch mehrere Vorträge zog.

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Dr.-Ing. Michael Fiebrich konnte 238 Teilnehmer auf dem 8. GUEP Planertag begrüßen, der erstmals im Kölner Maternushaus stattfand. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Tagungsleiter Dr.-Ing. Michael Fiebrich begrüßte zunächst die 238 Teilnehmer der von der „Gütegemeinschaft Planung der Instandhaltung von Betonbauwerken e. V.“ (GUEP) jährlich ausgerichteten Fortbildungsveranstaltung und berichtete dann über den aktuellen Sachstand zur Instandhaltungs-Richtlinie. Derzeit ist am Europäischen Gerichtshof (EuGH) ein Vertragsverletzungsverfahren zur Bauproduktenrichtlinie anhängig, bei dem geklärt werden soll, ob das nationale Ü-Zeichen neben dem europäischen CE-Zeichen zulässig ist und beibehalten werden kann. Über das Ü-Zeichen werden national höhere Anforderungen definiert als durch das CE-Zeichen.

In Teil 2 der Instandhaltungs-Richtlinie „Verwendung von Bauprodukten und Systemen für die Instandsetzung von Betonbauteilen“ werden die Anforderungen an Bauprodukte in diesem Anwendungsbereich definiert. Das Urteil in diesem Prozess, das 2014 gefällt werden soll, kann daher direkte Auswirkungen auf Teil 2 der Instandhaltungs-Richtlinie haben. Deshalb wurden die Veröffentlichung des Gelbdrucks bis zum Abschluss des Prozesses auf Eis gelegt.

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Konzentriert verfolgten die Teilnehmer die durchweg interessanten Vorträge mit hoher Informationsdichte. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Auch wenn die endgültige Fassung von Teil 2 sich auf die Teile 1 und 3 auswirken wird, sollen diese vorab 2014 als Gelbdruck erscheinen. Bis auf weiteres gilt weiterhin die Instandsetzungs-Richtlinie, in der Fassung von 2001. Zu dieser wird Anfang 2014 das Gelbdruckverfahren zur dritten Berichtigung eingeleitet. Hier wurde die Fachöffentlichkeit gebeten, die Inhalte zu prüfen und erforderlichenfalls Einspruch zu erheben. Sie ist notwendig, da Spritzmörtel zur Betoninstandsetzung in der aktuellen Norm nicht geregelt sind. Diese Lücke soll die Berichtigung der Instandsetzungs-Richtlinie füllen. Außerdem werden die Einsatzbereiche von Vergussmörtel und Vergussbeton im Instandsetzungsbereich geregelt.

Den Zerfall prognostizieren

Über eine in Teil 1 der Instandhaltungs-Richtlinie und EN 1504-9 „Produkte und Systeme für den Schutz und die Instandsetzung von Betontragwerken – Definitionen, Anforderungen, Qualitätsüberwachung und Beurteilung der Konformität, Teil 9: Allgemeine Grundsätze für die Anwendung von Produkten und Systemen“ behandelten Aspekt, die Zustandsprognose bei karbonatisierungs- und chloridinduzierter Korrosion, berichtete Prof. Dr.-Ing. Christoph Gehlen. Grundlage ist ein Modell, in das sowohl Umweltbedingungen, als auch Daten über den Zustand des instand zu setzenden Bauwerks oder Bauteils einfließen. Das Modell wurde an vielen Bauwerken in ganz Europa validiert und dabei eine gute Übereinstimmung der Vorhersagen zur Realität festgestellt. Es erlaubt, den Verlauf des „Zerfalls“ zu prognostizieren.

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Stellte Modelle vor, mit denen sich die Lebensdauer von Instandsetzungs- maßnahmen zuverlässig abschätzen lässt: Prof. Dr.-Ing. Christoph Gehlen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Aus dem Modell, das in einer Gleichung mit vielen Parametern und Korrekturbeiwerten gefasst ist, wurden für die neue Instandhaltungs-Richtlinie, Teil 1, deskriptive Regeln auf Basis von Widerstandsklassen abgeleitet, mit denen Instandsetzungsarbeiten bemessen werden können. Die Richtlinie wird Nomogramme enthalten, mit deren Hilfe zum Beispiel für ein Bauwerk die erforderliche Betondeckung für eine bestimmte Lebensdauer unter den vorliegenden Umwelteinflüssen und dem Zustand des Bauwerks einfach abgelesen werden kann.

Haftungsrisiko ist noch gering

Beruhigen konnte abschließend Dr. jur. Hubert Bauriedl die Teilnehmer: Wer eine Abschätzung der Nutzungsdauer von Instandsetzungsarbeiten nach EN 1504-9 oder der Instandhaltungs-Richtlinie derzeit noch nicht vornimmt, unterliegt keinem großen Haftungsrisiko, da weder die Norm noch die Richtlinie schon zu den eingeführten technischen Baubestimmungen oder den allgemein anerkannten Regeln der Technik gehören. Wer möchte, dass diese einem Auftrag zugrunde gelegt werden, müsse dies ausdrücklich vereinbaren.

B+B BAUEN IM BESTAND wird über GUEP Planertag berichten

Auch B+B BAUEN IM BESTAND wird in der Januar-Ausgabe über den GUEP Planertag berichten. Dann geht es unter anderem um textilbewehrten Beton zur Verstärkung und Instandsetzung von Betonbauwerken und DVGW-Arbeitsblatt W 300 zu „Planung, Bau, Betrieb und Instandhaltung von Wasserbehältern in der Trinkwasserversorgung“.

Michael Henke