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Feuchtemesspraktikum zeigt Grenzen auf!

Im Rahmen des 3. B+B FORUMS zum Thema „Feuchte – Schadstoffe – Raumluftqualität“ fand ein Feuchtemesspraktikum regen Zuspruch. Für dieses waren verschiedene Materialproben definiert durchfeuchtet worden. Von jeder dieser Materialproben waren dem Veranstalter sowohl die aktuelle Feuchte als auch der Durchfeuchtungszustand bekannt.

Beim 3. B+B FORUM konnten die Teilnehmer ihre mitgebrachten elektrischen Feuchtemessgeräte an definiert durchfeuchteten Probekörpern testen. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/M. Henke)

Jeder Konferenzteilnehmer konnte sein Feuchtemessgerät mitbringen, mit dem er an Gebäuden Messungen vornimmt, um Durchfeuchtungszustände festzustellen. Es sollte ein Gerät sein, mit dem entsprechende Erfahrungen der Anwender vorlagen.

Welche Ergebnisse wurden erreicht?

  1. Für das Praktikum waren verschiedene Probekörper, wie unter anderem Ziegel, Estriche, Holz und Kalksandstein, definiert vorbefeuchtet worden. Die Teilnehmer haben ihre Messgeräte an allen Probekörpern eingesetzt und den Anzeigewert, gemessen in Skalenteilen, festgestellt.
  2. Die Konferenzteilnehmer, die ihre Untersuchungen vornahmen, gaben lediglich die Skalenteile an, die auf dem Display ihrer Geräte abzulesen waren. Die Skalenteile symbolisieren eine elektrische Messgröße, zum Beispiel die einer Kapazität, denn diese hängt nach gesicherten Zusammenhängen von der Feuchtigkeit ab. Die relative Dielektrizitätskonstante (DK) der Baustoffe steigt von geringen Werten (circa 2–5) mit zunehmender Feuchte (bis zu 80) stark an, wenn Wasser zutritt.
  3. Kein Konferenzteilnehmer sah sich in der Lage, Informationen zur Feuchtigkeit der Baustoffproben zu liefern. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass ihnen keine Zusammenhänge zwischen den elektrischen Messgrößen (anzugeben in Skalenteilen) auf der einen Seite und dem Durchfeuchtungsgrad D(g) (anzugeben in Prozent) auf der anderen Seite bekannt war. Der D(g) ergibt sich aus dem Quotienten von aktueller Feuchte uA und Sättigungsfeuchte uS multipliziert mit 100 Prozent.
  4. Den Konferenzteilnehmern war durchaus bewusst, dass durch eine kalibrierungslose Messung keine Feuchte festgestellt werden kann. So waren beim Messpraktikum nicht einmal Abschätzungen zur Feuchte möglich. Durch die Auswertungen der Ergebnisse konnte verdeutlicht werden, dass Feuchtigkeitsaussagen allein anhand von Skalenteilen nicht möglich sind und so auch keine Informationen zur Feuchtigkeitsverteilung gewonnen werden können.
  5. Während beim Holz, Kalksandstein und Estrich lediglich ein bis zwei Probekörper vorlagen, waren beim Ziegel vier unterschiedlich befeuchtete Probekörper vorhanden. Somit konnten Kalibrierungen dadurch vorgenommen werden, dass sich vier verschiedene Durchfeuchtungszustände (eingestellt vom Dahlberg-Institut) mit vier Messwerten pro Messgerät (gemessen von den Geräteinhabern) gegenüberstellen ließen. Für jedes eingesetzte Messgerät konnte so eine Kalibrierfunktion aufgestellt werden.
  6. Für die Kalibrierfunktionen wurden lineare Funktionen gewählt. Ersichtlich sind in den Diagrammen, die sie vollständig als pdf herunterladen können , die blau gekennzeichneten Messpunkte mit den Streuungen. Zusätzlich ist die Regressionsfunktion für den Durchfeuchtungsgrad abzulesen. Wenn die Anzeige A in Skalenteilen abgelesen wird, kann der Durchfeuchtungsgrad berechnet werden. Zum Beispiel: Bei A = 50 folgt: D(g) = 2,067 x 50 – 27,061 = 76,29 ≈ 76 Prozent. Aus der Angabe des Bestimmtheitsmaßes kann auf die Qualität der Kalibrierfunktion geschlossen werden. Je weiter sich R² von 1 entfernt, umso schlechter ist die Kalibrierfunktion.

Schlussfolgernd sind drei Punkte festzuhalten:

  • Der elektrischen Messung muss stets eine materialtypische Kalibrierung – aus der sich eine Kalibrierfunktion ergibt – vorausgehen.
  • Anwender derartiger Geräte, die eine Kalibrierfunktion nicht vorweisen können, messen gar keine Feuchte, sondern lediglich Skalenteile. Aussagen zur Feuchte sind demzufolge nicht möglich.
  • Elektrische Feuchtemessungen dieser Art lassen schon gar keine Analysen zur horizontalen Feuchteverteilung zu. Das heißt Feuchtekonzentrationen im Innern eines Bauteils sind nicht feststellbar.
Prof. Dr. Dr. Helmuth Venzmer und Dipl.-Ing. Lev Koss


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