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Diamantsäge ermöglicht Abdichtung
Die Wände der rund 500 Jahre alten Kirche St. Alexander in Niedersonthofen waren stark von Feuchtigkeit durchzogen. Um dieser endgültig Herr zu werden und das zweischalige Mauerwerk vollständig trocken zu legen, wurde die Sanierung mit dem Diamantkettensägeverfahren durchgeführt.
Ein zweischaliges Mauerwerk mit zwei jeweils 70 Zentimeter starken Wänden aus Fluss- und Felsgestein, das den Druck eines etwa 500 Jahre alten Kirchengewölbes abfängt: Die Mauertrockenlegung der Kirche in Niedersonthofen war eine enorme Herausforderung für Statiker, Bauingenieure und Bauunternehmen. Die strengen Denkmalschutzauflagen stellten ein zusätzliches Problem dar, da der Sakralbau aus kunsthistorischer Sicht einen hohen Wert hat. "Die gotische Apsis aus dem frühen 16. Jahrhundert ist noch im Originalzustand erhalten", erzählt Pfarrer Josef Albrecht, der seit fast 30 Jahren die Gemeinde betreut. Ein wertvolles Fresko aus demselben Zeitraum war jedoch bereits so stark von Feuchtigkeit beziehungsweise Salzen durchsetzt, dass es mittels eines aufwändigen Restaurierungsverfahrens behandelt werden musste.
Da zu befürchten war, dass das Gebäude durch die Sanierung Risse davontragen könnte, beschäftigte sich Bauingenieur Roman Völk intensiv mit verschiedenen Sanierungsmethoden. Völk leitete das Projekt nicht nur als Bauingenieur, sondern ist auch Kirchenverwalter von St. Alexander, weshalb ihm ein schonendes, aber gleichzeitig effektives Verfahren besonders wichtig war. Ein ständiges Abschlagen des von Schimmel befallenen und stark durchfeuchteten Putzes und das anschließende Aufziehen einer neuen Putzschicht war keine Lösung mehr. "Mit jedem Abklopfen des alten Putzes fiel auch ein Teil Mörtel zwischen den Bruchsteinen ab, was auf Dauer die Stabilität beeinträchtigte", erklärt Völk. Außerdem seien zwei bis drei Jahre nach diesen kaschierenden Maßnahmen erneut erste Feuchtigkeitsspuren aufgetreten.
Diamantsägetechnik ermöglicht vollständige Horizontalisolierung
Als adäquate Möglichkeiten kamen das Injektionsverfahren und die Diamantkettensägetechnik in die engere Auswahl. Die Horizontalabdichtung mittels einer eingezogenen Edelstahlplatte erschien dem Bauingenieur als zuverlässiges Verfahren.
Etwa 10 cm unterhalb des inneren Bodenniveaus wird die Mauer von außen mit einer speziellen Diamantkettensäge komplett durchschnitten und in die Fuge eine Abdichtung aus Chromstahlplatten (V2A oder V4A) eingesetzt. Auf diese Weise wird das Aufsteigen der kapillaren Feuchtigkeit vollständig und dauerhaft verhindert. "Um die Kirchenschätze zu schützen, mussten wir genau darauf achten, dass es beim Sägen nicht zu Erschütterungen kommt", berichtet Alfred Jörg, Geschäftsführer des Bauunternehmens Jörg GmbH, das die Arbeiten ausführte. Das Diamantkettensägeverfahren ist die einzige Methode, mit der alle bereits verbauten Materialien von Altbeton bis Naturstein von einer Wandseite bis zu einer Stärke von 1,40 Meter bearbeitet werden können. Gleichzeitig können Erschütterungen und somit Rissbildungen vermieden werden.
Sorgfältige Präventionsmaßnahmen: statische Untersuchungen und Mauerwerksanalyse
Da diese Methode die Außenwände mit tragenden Pfeilern, die das gemauerte Gewölbe stützen, jedoch komplett durchtrennt, kann selbst eine minimale Setzung des Gemäuers verheerende Folgen haben. So musste das Gewölbe im Vorfeld durch eine Ertüchtigung des Dachtragwerkes mit Stahlseilen und das zweischalige Mauerwerk mit Gewindestangen gesichert werden. Fast täglich gab es statische Überprüfungen. Dabei ergaben erste Messungen eine Setzung von 1,5 bis 2,2 Millimeter, was die Stabilität deutlich gefährdet hätte. "Am Ende konnte jedoch dank einer sorgfältigen Auskeilung der Schnittfuge die Setzung auf 0,4 Millimeter minimiert werden", erklärt der zuständige Statiker Dr. Bernhard Mohr.
"Durch die enorme Last des Gewölbes hatten sich bereits vor der Sanierung Risse im Mauerwerk gebildet", schildert Völk den ursprünglichen Gebäudezustand. Die zu durchsägenden Wände wurden ausführlich untersucht. Erst eine Analyse der Mauerstruktur mittels eines speziellen Radarverfahrens gab Aufschluss über das Wandinnere: Zwischen den beiden Natursteinmauern bestand ein etwa 20 Zentimeter dicker Spalt, der mit Schutt aufgefüllt war. "Zur Stabilisierung hatte man beim Bau der Kirche zusätzlich Bindesteine quer zwischen Innen- und Außenwand verlegt", berichtet Roman Völk. Da diese nicht durchsägt werden konnten, war es wichtig, zu wissen, wo genau sie sich befinden.
Der mit Schotter gefüllte Zwischenraum stellte ein weiteres Problem dar. "Der herabfallende Schutt hätte den Sägeschnitt verschlossen. Deshalb haben wir diese Schicht mit Zementemulsion verdichtet", erklärt Jörg. Im Nassschnittverfahren wurde von außen eine etwa 15 Millimeter breite Fuge in statisch vertretbaren Längen längs in das Mauerwerk gesägt. Der Aufwand zahlte sich aus: Es kam zu keinerlei Rissbildung, die Stabilität des Gebäudes blieb vollständig erhalten. Anschließend wurde eine Isolierplatte eingesetzt. Das Material für die Platte wird je nach Mauerwerk gewählt. Für Bereiche, in denen große Schubkräfte wirken, eignen sich besandete Chromstahlbleche besonders gut, da dank der Beschichtung der Reibungskoeffizient deutlich erhöht wird. Die Platten werden vorab zugeschnitten und überlappend eingesetzt. "Um eine Setzung zu verhindern und die Tragfähigkeit nicht zu beeinträchtigen, haben wir in regelmäßigen Abständen nach Einbau der Isolation Keilplatten aus Kunststoff in die Sägefuge eingeschlagen", so Jörg.
Nach dem Auskeilen wurde der Sägeschnitt mit sulfatbeständigem Quellmörtel verpresst und verputzt. Zur vollständigen Abdichtung verband das Bauunternehmen die Horizontalabdichtung zusätzlich mit einer vertikalen Isolierung. Um beides lückenlos und stabil zusammen zu fügen, stellte Jörg spezielle Winkelstücke her. Für den Gemeindealltag waren die Arbeiten kein Problem: "Während der gesamten Zeit kam es zu keinerlei Behinderungen für die Gottesdienste oder den direkt angrenzenden Friedhof", so das Fazit von Pfarrer Albrecht. Nun, nach fünf Jahren, zeigt sich, dass sich das Diamantkettensägeverfahren bewährt hat: Bis heute sind keinerlei Feuchtigkeitsspuren oder Risse aufgetreten.
Autorin: Melanie Mörtelbauer, freie Redakteurin, München
Weitere Informationen unter: www.joerg-bausanierung.de/


